Wieder an Bord: Bastian Schweinsteiger (li., mit Bundestrainer Joachim Löw) Foto: dpa

Der Münchner gibt bei der Rückkehr in die Nationalmannschaft gleich wieder den emotionalen Leader. Torwart Manuel Neuer fällt bei der Generalprobe gegen Armenien aus. Er steht bei der WM in Brasilien vor einem Kaltstart.

Frankfurt - Es ist erst eine gute Woche her, da saß Bastian Schweinsteiger im Trainingslager in St. Leonhard/Südtirol mit mürrischem Blick und mieser Laune auf der Terrasse des Mannschaftshotels, er grummelte mehr vor sich hin, als dass er klare Worte formulierte, doch zwei Begriffe blieben damals hängen: „Charakter“ und Teamgeist“ seien das Wichtigste im Fußball, damit habe der FC Bayern 2013 die Champions League gewonnen, dazu rate er auch der Nationalmannschaft bei der anstehenden WM in Brasilien. Begriffe, die er nun erneuert hat.

„Wenn wir einen guten Teamgeist entwickeln, dazu unsere fußballerische Qualität abrufen und auch wieder die typisch deutschen Tugenden einbringen, dann werden wir ein sehr gutes Turnier spielen“, sagte Schweinsteiger und benannte Hermann Gerland, den Co-Trainer des FC Bayern, als Kronzeugen. Gerland spricht gern davon, die Spieler müssten Gras fressen. „Er meint damit, dass man bereit sein muss, auch für seinen Mitspieler Meter zu ­machen“, übersetzt Schweinsteiger, „Meter, die wehtun. Und er hat recht! Die anderen Nationen beneiden uns dafür, dass wir das in uns haben. Dass wir bereit sind, uns füreinander zu quälen.“

Wille, Lauf- und Kampfbereitschaft: Bastian Schweinsteiger weiß, wovon er redet. Mit seinem Appell rüttelt der emotionale Leader der Nationalmannschaft die Kollegen für die WM wach.

Schweinsteigers Gebrauchsanleitung für eine möglichst erfolgreiche WM kann er zusammen mit seinen Kollegen schon einmal im Vorfeld anwenden – im Benefiz-Länderspiel gegen Armenien an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in Mainz. Denn, das ist die frohe Botschaft im personellen Bereich: Schweinsteiger ist wieder da! Die Entzündung an der Patellasehne ist abgeklungen, und weil Philipp Lahm seine Kapselverletzung im Sprunggelenk ebenfalls auskuriert hat, sollen Kapitän und Vizekapitän gegen Armenien zum Einsatz kommen – endlich. „Beide brauchen Wettkampfpraxis“, sagt Bundestrainer Joachim Löw, der noch nicht entschieden hat, ob er beide von Beginn an aufbieten wird.

Wettkampfpraxis hätte auch ein anderer nötig, der bei der WM-Generalprobe aber erneut ausfällt: Torhüter Manuel Neuer postete am Donnerstagmorgen ein Bild, auf dem er bewusst seinen verletzten Arm hebt und die Hand zur Faust ballt. Darüber steht der Satz: „Läuft alles nach Plan.“ Nun ja, nicht ganz. Denn der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, dass Neuer gegen Armenien spielt. Nun muss wieder der Dortmunder Roman Weidenfeller ran. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, sagt Joachim Löw. Der neue Plan sieht vor, dass der Münchner Keeper gleich nach der Ankunft in Brasilien mit torwartspezifischen Übungen beginnt und im ersten WM-Spiel am 16. Juni gegen Portugal einsatzfähig ist. Neuer steht also vor einem WM-Kaltstart.

Joachim Löw ficht das nicht an, er verspricht den deutschen Fans auf der Zielgeraden der Vorbereitung Vollgas-Fußball beim Turnier in Brasilien: „Wenn es losgeht, werden wir den WM-Turbo zünden.“ Den Schwung soll sich die Mannschaft gegen Armenien holen: „Wir wollen uns von den Fans mit einem Sieg, einem guten Spiel und einem Lächeln aus Deutschland verabschieden“, sagte Löw.

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