Bald schon wird der neue Impfstoff Novavax ausgeliefert. Dann, so die Hoffnung, werden sich auch noch viele der ungeimpften Pflegekräfte immunisieren lassen. Die Impfambulanzen melden bis jetzt bei der Voranmeldung aber eine verhaltene Nachfrage.
Stuttgart - Die Impfquote in den Gesundheitsberufen, für die von Mitte März an eine Impfpflicht gilt, ist immer noch zu gering. Bei den über 60-Jährigen wirbt der Oberbürgermeister mit einem Brief fürs Impfen.
Wie hoch ist die Impfquote in den Heimen?
Während die Impfquote bei den Bewohnern in Altenpflegeheimen im Schnitt immerhin bei 90,1 Prozent liegt (Boosterimpfung: 75,9 Prozent), lassen die Werte laut Stadtverwaltung bei den Beschäftigten, auch wenn sie über dem Bevölkerungsschnitt sind, mit 84,7 Prozent weiter zu wünschen übrig (Auffrischimpfung: 55,1 Prozent). Nun hofft man, dass der neue Novavax-Impfstoff noch viele Ungeimpfte in Pflegeberufen überzeugt.
Wann kann der neue Impfstoff eingesetzt werden?
Der Bund erwarte „ab dem 21. Februar die erste Lieferung des Impfstoffes der Firma Novavax“, sagt ein Sprecher des Landessozialministeriums. Von Ende Februar an erhalte das Land über mehrere Wochen rund 500 000 Dosen des Impfstoffs.
Wie groß ist bisher die Nachfrage?
Bei der Stadt Stuttgart geht man überschlägig von 4000 bis 4200 Personen aus, die in diesen Berufen arbeiten und noch nicht geimpft sind. Gemessen daran sind die Anmeldezahlen bisher überschaubar. Rund 500 Personen hätten sich auf die Anmeldeliste gesetzt, „überwiegend aus dem Gesundheitswesen, nicht nur aus der Pflege“, sagt Jan Steffen Jürgensen, der Medizinische Vorstand des städtischen Klinikums. Darunter seien rund „80 Prozent Erstimpfungen“. Es gebe auch viele Anfragen von ambulanten OP-Zentren in Stuttgart, deren Beschäftigte sich mit Novavax impfen lassen wollen. Zum Teil seien unter den Angemeldeten auch Menschen, die mit Novavax geboostert werden wollen wegen Nebenwirkungen bei der vorigen Impfung mit Biontech. Hans-Jörg Wertenauer, der die Impfambulanz in der Schleyerhalle betreibt, hat bisher 330 Voranmeldungen für eine Novavax-Impfung registriert, 23 Prozent seien aus den Bereichen, für welche bald die Impfpflicht gelte. „Ich hatte mehr erwartet“, sagt der Arzt. Bei der Permanenten Impfambulanz mit Standorten im Gesundheitsamt im Westen und im Einkaufszentrum Gerber hat man bisher 40 Impftermine für Novavax vergeben, sagt eine Sprecherin, davon „nur einen für Impfpersonal“. Der zuständige Abteilungsleiter im städtischen Gesundheitsamt, Martin Priwitzer, hat im Sozialausschuss des Rats am Montag erklärt, man erwarte durch den neuen Impfstoff „keinen Riesenboom“.
Wie setzt die Stadt die Impfpflicht um?
Es seien „noch viele Fragen offen“, sagt Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne). Man hoffe, dass das Land noch rechtzeitig „klare Handlungsanweisungen“ für die Umsetzung liefern werde. So sei nicht geklärt, ob, wenn eine Kraft vom Träger als ungeimpft gemeldet wird, diese dann mit einem „sofortigen Betretungsverbot“ belegt wird oder nicht.
Wie ist die Impfquote bei Menschen mit Migrationshintergrund?
Immer wieder ist auch im Stuttgarter Gemeinderat die Frage gestellt worden, wie die Impfbereitschaft bei Menschen mit Migrationshintergrund sei. „Wir haben keine Daten für Stuttgart“, machte Gari Pavkovic im Sozialausschuss deutlich. Der Leiter der Abteilung Integrationspolitik verweist aber auf eine Befragung des Robert-Koch-Instituts (RKI). Danach sind bundesweit 92 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund mindestens einmal gegen Corona geimpft, bei Personen mit Migrationshintergrund seien es nur 84 Prozent. Dabei spielten bei dieser Gruppe für die Impfbereitschaft Bildung, Einkommen und Alter eine sehr große Rolle. Bei denen, die gut Deutsch sprechen, liege die Impfquote auch bei 92 Prozent, bei jenen mit mäßigen Sprachkenntnissen aber nur bei 75 Prozent.
Wie will die Stadt die Impfquote steigern?
Am Donnerstag soll ein OB-Brief an alle über 60-Jährigen mit einem Impfappell verschickt werden. SPD und Linksbündnis im Rat kritisieren einmal mehr, dass der Brief auf diese Altersgruppe beschränkt ist. Stefan Ehehalt, der Leiter des Gesundheitsamts, erklärte dazu, diese Altersgruppe sei besonders durch schwere Verläufe gefährdet und durch Social Media weniger erreichbar. Dazu soll es eine Werbekampagne mit Prominenten geben, eine Plakataktion und Videos in den sozialen Medien. Es sollen zusätzliche mehrsprachige Informationen und Podcasts produziert werden. Am 12. und 13. März ist ein Impfaktionswochenende geplant.