Den Weihnachtsmann, den kennen Hannahs Schüler in Setrawa. Aber seine rote Mütze haben sie noch nie anprobiert Foto: Hannah Lange

Seit gut vier Monaten lebt Hannah Lange bereits in Indien. In ihrem Dorf Setrawa ist Weihnachten weit weg. Auf Weihnachtsplätzchen muss die 18-Jährige nicht verzichten. Ihre Familie besucht sie und bringt die Kekse mit.

Setrawa/Indien - Der erste Advent ist an Hannah im wahrsten Sinn des Wortes im Flug vorbei gegangen. Sie war auf dem Rückflug von Banglaore im Süden Indiens nach Jaipur. Von dort ging es dann per Zug zurück nach Setrawa. Mit drei Mädels aus ihrer Gruppe war Hannah zwei Wochen in Indien unterwegs: erst in Mumbai, dem früheren Bombay. Von dort ging es zu den Jog-Falls. Die stürzen im Bundesstaat Karnataka 335 Meter in die Tiefe und sind die zweithöchsten freifallenden Wasserfälle in Indien. Endstation der Reise war Banglaore, die drittgrößte Stadt Indiens.

Weihnachten wunderbar kitschig

„Es war eine tolle Mischung aus Stadtleben, Strandurlaub und Schlemmen“, schwärmt Hannah. Und: Sie und die anderen haben sich auf dem Markt in Mumbai rote Nikolausmützen gekauft und sind mit den Mützen auf dem Kopf durch die Metropole spaziert. Wie Inder ihre Wohnung weihnachtlich schmücken, konnten sie bei Freunden bestaunen, die zu den 2,4 Prozent indischen Christen gehören. „Dort war alles so wunderbar kitschig dekoriert, wie ich es von Zuhause gar nicht kenne“, mailt Hannah.

Zurück in Setrawa, hält sich die weihnachtliche Stimmung in Grenzen. Denn die Mehrheit der Inder, zu 84 Prozent Hinduisten, feiern kein Weihnachten. Und Schnee, der zwar in Stuttgart auch selten ist, aber für Hannah zu Heiligabend gehört, gibt es dort gar nicht, „obwohl es nachts sehr kalt ist“, so die 18-Jährige. Um doch ein bisschen Weihnachten in das indische Dorf zu bringen, hat Hannah für die Schüler, die sie betreut, eine „Christmas-Lektion“ vorbereitet: ein Quiz bei dem sie den Jungen und Mädchen Fragen über das Fest gestellt hat. „Dass es die Christen sind, die Weihnachten feiern, wusste keiner. Die meisten dachten, es seien Muslime“, hat Hannah festgestellt.

Weihnachtsplätzchen im Gepäck

Den Weihnachtsmann kennen die indischen Kinder aber. Deshalb setzt sie ihre rote Mütze aus Mumbai auf und spielt den Nikolaus. Und ihre Schüler dürfen die Mütze auch Mal anprobieren. Und in die Schuhe ihres Gastbruders hat sie Süßigkeiten gesteckt. Die Gastmutter hat Hannah erklärt: Du feierst unsere Feste mit uns, und wir deine Feste mit dir. „Eine tolle Einstellung“, findet Hannah. Heimweh nach dem weihnachtlichen Stuttgart und dem Weihnachtsmarkt? „In den Artikel würde das gut passen. Aber das kann ich nicht bieten“, mailt Hannah und erinnert sich daran, dass die Adventszeit wegen der vielen Klassenarbeiten im vergangenen Jahr alles andere als romantisch war.

Außerdem hat Hannah bereits Weihnachtsbesuch bekommen: Ihre Eltern und ihr 14-jähriger Bruder Leo sind nach Indien geflogen – mit Weihnachtsplätzchen im Gepäck und kleinen Geschenken für Hannahs Gastfamilie. Hannah wünscht sich nichts. „Ich finde, dass die in Deutschland üblichen reichen Bescherungen nicht in ein so armes Dorf wie Setrawa passen“, stellt sie fest..

Wo sie und ihre Familie das Fest feiern, steht noch nicht fest. Die Familie blieb nur eine Nacht in Setrawa, und reist nun gemeinsam mit Hannah zwei Wochen durch den Bundesstaat Rajasthan reisen, in dem auch Setrawa liegt. Es soll keine großen, sondern nur kurze Distanzen zurückgelegt werden. Darüber, dass die Familie nur einen Tag in ihrem Dorf war, ist Hannah ganz froh. „Setrawa ist eine kleine eigene Welt für mich geworden, in der es nur ihre ebenfalls aus Deutschland stammende Freundin Linda, und die Gastfamilie gibt. „Es war schön, aber auch ungewohnt in dieser Welt meine Familie zu sehen“, mailt sie.Silvester feiert Hannah mit ihrer Familie, Linda und deren Eltern in Jodpur im Stammhaus der Indischen Organisation Sambhali Trust, an deren Projekt Hannah mitarbeitet.

Neugierig geworden, wie es Hannah geht? Im Blog schreibt sie Tagebuch unter www.hannah-in-setrawa.auslandsblog.de

Hannah Lange Nach dem Abitur Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart hat sich die 18-jährige ­Hannah Lange auf nach Indien gemacht. Dort ­arbeitet sie in Setrawa an einem Projekt der indischen Organisation Sambhali Trust mit, das Mädchen und Frauen in ihrem Selbstwertgefühl ­stärken will. In loser Folge berichten wir über ­Hannahs ­Erfahrungen.

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