Marvin Bui, Geschäftsführer Duy Long Pham und Inhaber Duy Anh Nguyen haben das Innere des alten Waldhorns aufgemotzt. Foto: Simon Granville

Eine Gruppe junger Unternehmer hat das Innere des ältesten Gasthofs der Stadt aufgemotzt. Das „Yoake“ könnte die interessanteste Neueröffnung des Jahres sein. Wegen der Details und des kühnen Plans, Genuss und Party zu verbinden.

Jeder Ludwigsburger kennt das Gebäude an der B27, direkt gegenüber des Residenzschlosses. Das Waldhorn wurde vor mehr als 300 Jahren errichtet, das wohl älteste Gebäude der Stadt. Der Kontrast zwischen dem historischen Äußeren mit vergilbter Fassade und dem modernen Inneren des neuen Restaurants könnte nicht größer sein. „Jeder, der reinkommt hat diesen Wow-Effekt“, sagt Marvin Bui, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

 

Der alte Gastraum ist nicht wiederzuerkennen. Parkett, schwarz-weiß Fotografien, lila Stoffbahnen an der Decke, samt bezogene Stühle und eine offene Sushi-Bar an der geschnitten, gerollt und flambiert wird. Die Präzision und Detailverliebtheit der Köche findet sich im Gastraum und dem gastronomischen Konzept wieder.

Guter Geschmack kostet

Sechs Monate haben Marvin Bui, Geschäftsführer Duy Long Pham und Inhaber Duy Anh Nguyen an den 600 Quadratmetern gewerkelt, bis Ende September die Eröffnung des Yoake gefeiert wurde. Es habe etwas gedauert, bis der Gästeandrang gestiegen ist, mittlerweile seien am Wochenende aber meistens alle 150 Plätze reserviert.

Serviert wird vietnamesische Küche mit weiteren asiatischen Einflüssen und Sushi. „Der Fisch wird dreimal die Woche direkt vom Flughafen geliefert“, sagt Bui. Das schmeckt man. Das rohe Lachsfilet schmilzt im Mund, schmeckt unaufdringlich, hat aber trotzdem Wucht. Oder die traditionelle vietnamesische Pho-Suppe, die Geschmacksrezeptoren aktiviert, die so nur alle paar Jahre angeregt werden. Das kostet. Für Vorspeisen zahlt der Gast um die 8 Euro, Sushi-Platten kosten zwischen 12 und 25 Euro und Hauptgänge mit Fleisch zwischen 16 und 25 Euro.

Das Yoake wolle sich von anderen asiatischen Imbissen und Schnellrestaurants abheben, sagt Bui. Das Ausgehen, Beisammensein, der Genuss und guter Service stehen im Vordergrund. „Wir wurden schon gefragt, ob wir auch nach Hause liefern“, sagt Bui. „Aber das machen wir nicht, wir wollen bewirten.“ Eine feste Zielgruppe habe das Restaurant nicht, sagt Bui. Das Yoake sei ein Ort für Dates, für das Wiedersehen mit Freunden oder für Geschäftsessen.

Nicht das erste Restaurant der jungen Gastronomen

Marvin Bui, Duy Long Pham und Duy Anh Nguyen sind jung, aber auch erfahren. Das Yoake ist nicht das erste Restaurant der Gastronomen. In Nürtingen eröffneten die Unternehmer 2019 das Avada, das etwas unauffälliger daherkommt. 2021 folgte das erste Yoake in Villingen-Schwenningen, „das von Anfang an sehr gut lief“, sagt Bui. Der Name ist gleichgeblieben, „da sind wir etwas abergläubisch“ – aber warum Ludwigsburg? „Ich wollte hier schon lange ein Restaurant eröffnen“, sagt Duy Anh Nguyen. „Ich finde es einfach eine sehr schöne Stadt.“

Das Ludwigsburger Lokal soll das außergewöhnlichste der drei Restaurants werden. Im hinteren Teil des alten Gasthauses entstehen aktuell zwei Separees, eines davon mit Billardtisch und Zigarrenlounge. Die Räume sollen für den Abschluss von Geschäftsessen oder Geburtstagsfeiern genutzt werden, sagt Marvin Bui.

Und es gibt ein noch skurrileres Projekt: Über dem Eingang zum Gewölbekeller leuchtet ein LED-Schild mit der Aufschrift „Loki-Bar“. Noch lagern dort Weinkisten, Ende November soll hier getanzt werden. Neben der Bar soll es Sofas geben und eine Tanzfläche. „Wir wollen auch Karaoke anbieten“, sagt Bui. Die Mischung aus guter Küche und Party funktioniert bereits in Großstädten, etwa in Stuttgart. In den kleineren Städten leistet das Yoake mit seiner „Loki-Bar“ Pionierarbeit. „Ich bin gespannt, wie das ankommt“, sagt Bui. „Mal gucken, ob die Ludwigsburger bereit dafür sind.“