Die Großbaustelle ist in der Mittleren Beutau angekommen. Die weiteren Arbeiten zum Neubau des Geiselbachkanals machen eine Vollsperrung erforderlich. Foto: Horst Rudel Foto:  

Die zentrale Verkehrsachse in die Esslinger Nordstadt ist vom nächsten Montag an komplett dicht: für 15 Monate. Mit einer Reihe von Maßnahmen will die Verwaltung dafür sorgen, dass sich das Verkehrschaos in Grenzen hält.

Esslingen - Größere Umwege und längere Fahrtzeiten müssen die Bewohner der Esslinger Nordstadt schon seit gut zwei Jahren in Kauf nehmen. Vom nächsten Montag an wird das Vorankommen für alle, die in RSKN, also in Rüdern, Sulzgries, Krummenacker oder auf der Neckarhalde, zuhause sind, aber noch mühsamer und zeitaufwendiger. Führt der Heimweg schon seit geraumer Zeit nur noch über Umleitungsstrecken bergan, so geht auf der direkten Verbindung in die Innenstadt nun ebenfalls nichts mehr.

Der Neubau des Geiselbachkanals in der Mittleren Beutau macht, wie die Verantwortlichen der Stadt einmal mehr versichern, eine beidseitige Sperrung notwendig, um die erforderlichen Arbeiten zwischen den Einmündungen der Sulzgrieser Steige und der Turmstraße durchführen zu können. Parallel dazu wird die gesamte Straße bis hinunter zur Augustinerbrücke von Grund auf neu erstellt. Dies geschieht abschnittsweise, damit der Zugang zu den Grundstücken für Anlieger und Rettungskräfte jederzeit gewährleistet bleibt.

Mit einem Maßnahmenpaket soll die Mobilität aufrecht erhalten werden

Die Sperrung sei unumgänglich, „um den Bewohnerinnen und Bewohnern von RSKN die Abnahme ihres Abwassers für die kommenden 100 Jahre zu ermöglichen“, betont der Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht. „Die Stadt hat aber gewaltige Anstrengungen unternommen, um die Mobilität während der Bauzeit bestmöglich aufrechtzuerhalten“, fügt er hinzu und verweist auf das umfangreiche Maßnahmenpaket.

In erster Linie setzt die Stadt dabei auf den ÖPNV. Vor allem die veränderte Route der Buslinie 109 soll für Entspannung sorgen. Diese fährt im Viertelstundentakt, in die eine Richtung über Rüdern und Stuttgart-Uhlbach bis zum S-Bahnhof Obertürkheim und in die andere Richtung bis zur Sulzgrieser Steige. Von dort aus sind es fußläufig dann noch etwa 600 Meter über das Baufeld hinweg bis in die Esslinger Innenstadt. Fahrradfahrer können diesen Weg ebenfalls benutzen, müssen allerdings absteigen und ihr Rad schieben. Wer bis zum Busbahnhof durchfahren möchte, muss derweil an der Haltestelle Krummenacker in die Linie 111 umsteigen.

OB Zieger: Erfolg der Vorkehrungen hängt an der Mitwirkung aller

Um die neue 109er-Strecke nicht zu einem illegalen Auto-Schleichweg durch die Weinberge werden zu lassen, steht zwischen Rüdern und Uhlbach zudem ein Poller, der von Berechtigten bei Bedarf im Boden versenkt werden kann. Vorrang sollen Businsassen aber auch mit dem 111er haben. So wurde von der Haltestelle Eugen-Bolz-Straße bis zum Neckar Forum eigens eine Busspur eingerichtet.

Vor allem bei direkten Anliegern hatte dieses Vorhaben Unmut ausgelöst – nicht zuletzt, weil deshalb Parkplätze wegfielen. Da die Busspur auch für Radler frei gegeben ist, hält Finanzbürgermeister Ingo Rust „das Gesamtpaket, gepaart mit dem vergünstigten Stadtticket, den Taktverdichtungen und etlichen Kapazitätserweiterungen, für eine attraktive Alternative zum Auto“. Allerdings geht die Verwaltungs davon aus, dass die Umleitungsstrecken auch für den Individualverkehr gerüstet sind. Verbesserte Ampelschaltungen, eine optimierte Abbiege-Regelung am Hirschlandkopf und weitere Änderungen sollen für möglichst wenig Staus sorgen.

Der Oberbürgermeister Jürgen Zieger weist jedoch darauf hin, dass der Erfolg dieser Vorkehrungen an der Mitwirkung aller hänge. „Je mehr Menschen aufs Rad umsteigen, laufen oder, soweit es angesichts der durch das Coronavirus bedingten Krise angemessen ist, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, desto besser kann der Verkehrsfluss während der Bauzeit aufrechterhalten werden“, stellt er klar.

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