Die Volleyballerinnen der Binder Blaubären Flacht haben eine weite Reise vor sich, erst spielen sie in Erfurt, danach in Dresden. Das erfordert akribische Planung – das ist der Zeitplan.
Volleyball ist nicht Fußball. Die deutschen Nationalkicker legten die 260 Kilometer von Stuttgart nach Basel für ein Länderspiel im September 2020 im Flugzeug zurück (wofür sie mächtig Kritik bezogen) – in der neuen, deutschlandweiten Zweiten Liga Pro im Volleyball legen die Clubs mitunter Spieltage zusammen, um Reisekosten zu sparen, auch wenn der Trip ziemlich strapaziös werden kann. „Man kommt so zwischen 3000 und 4000 Euro günstiger“, umreißt Manager Michael Kaiser von den Binder Blaubären aus Flacht.
Das Team des Clubs steht vor einem solchen Doppelspieltag. Am Samstag wird um 18 Uhr beim Tabellenzweiten Schwarz-Weiß Erfurt aufgeschlagen, am Sonntag um 15 Uhr bei VCO Dresden. Die knapp 1200 Kilometer legen die Blaubären im Reisebus zurück, eine Hotel-Übernachtung ist gebucht. „Das erfordert eine genaue Planung und einige Absprachen“, sagt Melanie Kutska, die die gesamte Reise organisiert hat. Die Team-Managerin verrät, was auf das Team zukommt.
Samstag, 10.30 Uhr Treffen in Weissach und Abfahrt in einem großen Reisebus, obwohl nur 14 Personen zusteigen – Trainer Nico Reinecke, ein Co-Trainer sowie die zwölf Spielerinnen. Hintergrund: Alle sollen zwei Sitzplätze zur Verfügung haben, um auf der Fahrt nach Erfurt ein wenig Bequemlichkeit zu genießen. „Die Spielerinnen sollen sich auch hinlegen und ausbreiten können“, betont Melanie Kutska. Samstag, gegen 16 Uhr Angepeilte Ankunft an der Riethsporthalle in Erfurt nach rund 360 Kilometern. Mindestens 90 Minuten vor dem Anpfiff soll die Mannschaft in der Kabine sein. Samstag, 16.30 Uhr Ansprache von Trainer Nico Reinecke in der Kabine, einstimmen auf die Partie. Samstag, 17 Uhr Es geht raus zum Warmmachen und Einschlagen aufs Spielfeld. „Diese Prozedur ist an jedem Spieltag gleich“, sagt die Team-Managerin, „egal ob Heim- oder Auswärtsspiel.“ Samstag, 18 Uhr Erster Aufschlag. Das Ziel lautet: den zweiten Saisonsieg einfahren. Samstag, gegen 20 Uhr Der Spielschluss ist nicht planbar, es können drei kurze Sätze werden oder fünf extrem ausgeglichene und lange. Fest steht für die Blaubären: Gleich nach der Übergabe der Trophäe für die beste Spielerin geht es zum Duschen und Umziehen in die Kabine. Sobald alle frisch sind, geht’s in den Bus zur Fahrt nach Dresden.
Spätes Frühstück in Dresden
Sonntag 0.00 Uhr Etwa um Mitternacht möchte der Tross aus Flacht am Hotel ankommen, das ein wenig außerhalb der sächsischen Landeshauptstadt liegt. Die Spielerinnen sprachen sich dafür aus, in Dresden zu übernachten und nicht in Erfurt, weil dann der Sonntag entspannter angegangen werden kann. „Ich habe mit dem Hotel ausgemacht, dass wir erst später frühstücken und einen späteren Check-out vornehmen“, erklärt Melanie Kutska. Sonntag, 9.30 Uhr Das Büffet für die Volleyballerinnen und ihre Trainer ist eröffnet. Eine Stunde lang dürfen sie sich für die Partie gegen VC Olympia Dresden stärken. Sonntag, 10.30 Uhr Trainer Reinecke lädt im Anschluss ans Frühstück zur Teambesprechung, dabei wird das Spiel in Erfurt aufgearbeitet sowie ein Blick auf die anstehende Partie gerichtet. Danach haben die Spielerinnen noch ein wenig Freizeit, in der sie spazieren gehen können oder auf dem Zimmer bei Musik noch ein bisschen abhängen. Sonntag, 12 Uhr Auschecken aus dem Hotel mit anschließender Abfahrt zur Schulsporthalle des Sportschulzentrums in Dresden – für die Fahrt sind zunächst 20 Minuten eingeplant. „Unter Umständen fahren wir nach Absprache mit dem Busfahrer auch ein wenig später weg“, sagt Melanie Kutska, „das kann das Team halten, wie es will.“
Rückkehr womöglich erst Montag
Sonntag, 13.30 Uhr Späteste Ankunft am Spielort, damit die übliche Prozedur eingehalten werden kann. Wieder wird der Cheftrainer seine Ansprache in der Kabine halten, dann werden die Spielerinnen um 14 Uhr zum Einstimmen aufs Spiel in die Halle marschieren und sich warmschlagen – Anpfiff in Dresden ist um 15 Uhr. Sonntag, gegen 17.30 Uhr Direkt nach Spielende ist wieder Beeilung angesagt. Es wird geduscht und dann geht’s fix in den Bus zur Heimfahrt – allerdings mit einem Abendessen. Schon vor dem Match haben sich die Spielerinnen darauf geeinigt, wo etwas zu essen bestellt werden soll und haben ihre persönliche Bestellung abgegeben. Die wird direkt an den Bus geliefert und auf der Fahrt verzehrt. Auch das ist in der Liga bei Doppelspieltagen üblich – so haben die Skurios Volleys Borken angefragt, wo sie ein Abendessen to go bestellen können, wenn sie am 28. Oktober in Weissach gespielt haben. „Auch dabei muss man früh aktiv werden, weil man ja vorab nicht weiß, ob das mit der Bestellung und Lieferung überhaupt möglich ist“, bemerkt die 32 Jahre alte Team-Managerin. Montag, 0.30 Uhr Angepeilte Ankunft nach gut 520 Bus-Kilometern in Weissach, in der Hoffnung, ein paar Punkte mit im Gepäck zu haben. „Da werden sich alle bestimmt auf ihr Bett freuen“, vermutet die Team-Managerin der Flachter. Danach geht jede Spielerin wieder bis zum nächsten Training ihre eigenen Wege – und Melanie Kutska bereitet sich auf die Aufgaben beim nächsten Spiel der Binder Blaubären vor.