Um das Heimspiel gegen das Schlusslicht VC Neuwied zu sichern, finanziert der Meister seinem Gegner den Bus und ein Vesper – was nichts am grundsätzlichen Problem der Bundesliga ändert.
Sportlich ist die Bundesliga der Volleyballerinnen ohne Zweifel ein sehr attraktives Produkt. Es gibt hochklassige Spiele, Spannung an der Spitze, überraschende Ergebnisse – aber auch große Sorgen. Denn in dieser Saison sind nur zehn Teams am Start, und eines davon hat im Dezember auch noch einen Insolvenzantrag gestellt. Der VC Neuwied, mit null Punkten und 0:42 Sätzen abgeschlagenes Schlusslicht, kämpft ums finanzielle Überleben, will aber zumindest die letzten vier Partien der Hauptrunde noch bestreiten. Unterstützung gibt es dabei von Allianz MTV Stuttgart.
Für den deutschen Meister ist es wichtig, seinen Dauerkartenbesitzern und Sponsoren alle angekündigten elf Heimspiele (neun in der Haupt-, zwei in der Zwischenrunde) auch bieten zu können. „Das sind wir unseren Fans und Partnern schuldig“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „deshalb sind wir froh, dass der VC Neuwied angekündigt hat, bis zum Ende der Saison durchzuhalten.“
Um ganz sicherzugehen, dass der Tabellenletzte an diesem Samstag (19 Uhr/Scharrena) auch wirklich in Stuttgart aufschlägt, greift der MTV seinem Kontrahenten bei der Finanzierung der Reisekosten unter die Arme. Genauer will sich Aurel Irion nicht äußern, es dürfte aber um die Bezahlung des Busses gehen. Weil sich die Volleyballerinnen vom VC Neuwied für die Heimfahrt zudem bei einem der MTV-Partner gesunde Bowls und Sandwiches bestellen dürfen, kommt letztlich ein höherer dreistelliger Betrag zusammen. „Das ist keine Riesensumme. Sie zeigt aber trotzdem, wie wichtig es uns ist, dass diese Partie stattfindet“, erklärt Aurel Irion, „und sie unterstreicht zugleich, wie groß die Solidarität in der Bundesliga ist, wie ja zum Beispiel auch die Verteilung der TV-Gelder belegt, von denen jeder Club den gleichen Anteil erhält.“
Was nichts daran ändert, dass derzeit niemand weiß, wie viele Teams nächste Saison in der höchsten deutschen Klasse spielen. Stand heute sind es neun, ob und – wenn ja – wie viele Vereine aus der 2. Bundesliga Pro nach oben streben, ist offen. „Es gibt gute Signale, optimal wäre eine Liga mit zwölf oder 14 Clubs“, sagt Irion, „zugleich ist nicht zu leugnen, dass der Fall Neuwied exemplarisch für die Schwierigkeit vieler Sportarten steht, sich professionell breit aufzustellen.“