Zuspielerin Pia Kästner, Außenangreiferin Michaela Mlejnkova, Mittelblockerin Mira Todorova (v. li.): Im Pokal-Halbfinale gegen den starken SC Potsdam erreichte kaum eine Volleyballerin des favorisierten Bundesliga-Spitzenreiters Allianz MTV Stuttgart ihre Normalform. Foto: Baumann

Deutliche Niederlage, deutliche Worte: Warum die Analyse nach dem frustrierenden 1:3 im Halbfinale gegen den SC Potsdam bei Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart schonungslos ausfällt.

Stuttgart - Die Stuttgarter Volleyballerinnen und der Pokal-Wettbewerb? Das ist schon länger keine Erfolgsgeschichte mehr. Zuerst scheiterte der klare Favorit im Halbfinale in eigener Halle am VC Wiesbaden (Saison 2017/18), dann folgte die enttäuschende Leistung beim 0:3 im Finale gegen den SSC Schwerin (2018/19), das nach fünf vergebenen Matchbällen verlorene Endspiel gegen Außenseiter Dresdner SC (2019/20) und am Donnerstag das bittere 1:3 (20:25, 19:25, 25:23, 13:25) im Halbfinale in der Scharrena gegen den SC Potsdam. „Seit ich Cheftrainer bin“, sagte Giannis Athanasopoulos, „lastet im Pokal ein Fluch auf uns.“

Klare Kritik von Geschäftsführer Aurel Irion

Zugleich sagt der Coach allerdings, an solche Mythen nicht zu glauben. Auch Sportdirektorin Kim Renkema und Geschäftsführer Aurel Irion halten sich lieber an die Realität. Weshalb bei Allianz MTV Stuttgart derzeit nicht nur nach Erklärungen für das unerwartete Debakel gesucht wird, sondern auch klare Worte fallen.

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Vor allem Aurel Irion übt deutliche Kritik. „Kaum eine Spielerin hatte gegen Potsdam Normalform, wir waren chancenlos. Wie wir uns im vierten Satz völlig ohne Kampfgeist ergeben haben, war schwach und enttäuschend“, meint der Geschäftsführer des Bundesliga-Spitzenreiters, der vor allem die fehlende Einstellung bemängelt: „Wir hatten kein Feuer auf dem Feld. Mir hat der Siegeswille gefehlt – bei den Spielerinnen, aber ich will auch einen Trainer, der brennt und dies vorlebt. Warum bekommen das andere wie Felix Koslowski oder Guillermo Hernández in den entscheidenden Spielen hin, wir aber nicht?“ Irion betont zwar, dass der Verein Athanasopoulos, der 2019 die erste Meisterschale nach Stuttgart holte, enorm viel zu verdanken habe. Er sagt aber auch: „Diese Negativerlebnisse im Pokal, das sind schon Dinge, die sich einbrennen.“

Der Frust resultiert auch daraus, dass – in normalen Zeiten – der Endspieltag im Cup-Wettbewerb der Höhepunkt des Volleyball-Jahres ist. Zuletzt versammelten sich stets mehr als 10 000 Zuschauer in der SAP-Arena, die Duelle der Männer und Frauen finden nacheinander statt. 2021 wird Allianz MTV Stuttgart nicht dabei sein, der erste Titel der Saison ist weg. „Klar ist, dass wir ein Team zusammengestellt haben, von dem wir viel erwarten. Deshalb war dieses Halbfinale für uns als Verein eine große Enttäuschung“, sagt Kim Renkema, „und wir müssen uns schon hinterfragen, warum es uns immer wieder passiert, dass sehr, sehr gute Volleyballerinnen ausgerechnet in den ganz wichtigen Spielen nicht ihre volle Leistung bringen und nicht einfach befreit aufspielen.“

Es gibt reichlich Verbesserungspotenzial

Natürlich haben auch Faktoren zum Ausscheiden beigetragen, die nicht oder kaum zu beeinflussen sind: der kurzfristige Ausfall von Zuspielerin Athina Papafotiou (Wadenprobleme), die Rückenbeschwerden von Libera Roosa Koskelo, der Substanzverlust bei einigen Spielerinnen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. „Manche sind physisch derzeit nicht mal bei 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit“, sagt Athanasopoulos, „aber warum in dem Moment, als es erstmals in dieser Saison wirklich zählte, keine gut war, müssen wir ganz genau analysieren. Auf der anderen Seite benötigt eine Mannschaft schwierige Situationen, um sich zu entwickeln. Nun haben wir eine solche Situation.“

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Verbesserungspotenzial, das hat das Spiel gegen den SC Potsdam gezeigt, gibt es reichlich – in der Annahme, im Zuspiel, in der Schlagvariabilität, im Blockverhalten. Aktuell fehlt zudem eine Führungsspielerin, die andere mitziehen und motivieren kann. „Im Halbfinale hatten wir keine gute Taktik. Dazu kam, dass wir derzeit nicht fit sind, was sicher ein Problem ist“, meint Kim Renkema, „zugleich waren die Potsdamerinnen viel aggressiver, sie wollten diesen Sieg mehr. Und das darf nicht sein.“

Zumindest nicht, wenn der Geschichte des dreimaligen Pokalsiegers (2011, 2015, 2017) bald mal wieder ein erfolgreiches Kapitel hinzugefügt werden soll.

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