Die Binder Blaubären des TSV Flacht haben ihre Generalprobe für den Saisonstart in der Zweiten Liga mit Bravour bestanden und NawaRo Straubing 3:2 besiegt. Nur Kleinigkeiten sind noch zu verbessern.
Der Geschäftsführer von NawaRo Straubing staunte nicht schlecht. Karl Kaden stellte mit einer guten Portion Anerkennung fest, dass die Heckengäusporthalle II in Weissach ohne jeden Zweifel zweitligatauglich sei. Exzellent verlegter Volleyball-Boden, gepflegter und bestens sortierter VIP-Bereich, gutes Catering, schmucke Halle; das Drumherum passte, und der Mann bescheinigte Michael Kaiser, dem Manager der Binder Blaubären Flacht, ein „hohes Level in der gesamten Infrastruktur“. „Darauf dürfen wir schon stolz sein“, bemerkte Kaiser.
Am Freitagabend hatten die Blaubären des TSV Flacht ein Testspiel gegen den Ex-Bundesligisten und künftigen Liga-Konkurrenten in der Zweiten Liga Pro aus Straubing – es sollte der letzte, der ultimative Testlauf sein vor dem Saisonauftakt am 30. September gegen Bayer Leverkusen. Alles rund um die Partie war so eingetaktet, als würde es bereits um Liga-Punkte gehen. Ticketing via Internet, Parkplatzeinweisung, Scanner an der Tageskasse, VIP-Hospitality, Merchandising-Stand, Catering, ein Hallensprecher machte Stimmung, ein Livestream wurde gesendet, zwei Kommentatorinnen waren am Mikrofon. Generalprobe. „Unser Ziel war, das Flair der Schulturnhalle zu übertünchen und ein Sportevent im passenden Ambiente zu veranstalten“, betonte Michael Kaiser.
Denn für den kleinen TSV Flacht, der eine Wildcard für den Start in der Zweiten Liga Pro von der Deutschen Volleyball-Liga (VBL) erhalten hatte, stand nicht weniger auf dem Spiel als der gute Ruf. Es hatte Stimmen gegeben, die gehörig daran zweifelten, ob der damalige Frauen-Siebtligist (Bezirksliga) diese anspruchsvolle Aufgabe wird stemmen können. Michael Kaiser musste sich im unbekannten im Profi-Umfeld etablieren und die Kollegen der großen Clubs überzeugen, dass im Schwäbischen nicht ein paar schaffige Schildbürger am Werk sind, die eine Holztreppe zur Sonne bauen wollen.
Ordentlich Stimmung unter den rund 200 Fans
Am späten Abend stand fest: Der TSV Flacht und seine Binder Blaubären haben ihre Feuerprobe mit Bravour bestanden. Das Dorf blieb draußen vor der Türe, in der Heckengäusporthalle II ging es absolut professionell zu. Bis auf wenige Kleinigkeiten, so funktionierte kurz der Ticketscanner nicht und auf der Preisliste hatte der Fehlerteufel seine Finger im Spiel, gab es nichts von niemandem zu beanstanden. Der Hallensprecher machte ordentlich Stimmung, die gut 200 Fans waren lautstark – und Trainer Nico Reinecke muss keine sportliche Havarie beklagen. Am Ende stand ein Erfolg mit 3:2 (25:19, 25:21, 18:25, 19:25, 16:14).
Zwei Spielerinnen geben den Ton an
„Es war wichtig“, bemerkte Sportdirektor Jan Lindenmair, der einst den Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart trainiert hatte, „dass wir belegen, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig ist und wir in der Liga mithalten können.“ Mit dem 3:2 über den Konkurrenten aus Bayern kann hinter diesen Punkt ein Häkchen gesetzt werden. Wobei erkennbar war, dass die Binder Blaubären vor allem von der Klasse von Julia Cedeno (früher Wenzel) und Frauke Neuhaus leben. Die ehemaligen Erstliga-Spielerinnen waren für die wichtigen Punkte zuständig, sie tragen das Team – als sie im dritten Satz draußen standen, wurde das sichtbar. „Deshalb haben wir sie ja geholt“, sagte Lindenmair, „aber das Team funktioniert nur, wenn alle gemeinsam funktionieren.“ Der erste Eindruck jedenfalls war ein guter, selbst Rom wurde bekanntlich nicht an einem Tag erbaut. Und eine Weltmacht im Volleyball wollen die Binder Blaubären aus Flacht ja gar nicht werden.