Die Leiterin der Korntal-Münchinger Volkshochschule, Cornelie Class-Hähnel, freut sich auf das neue Semester. Foto: factum/Simon Granville

Das Programm der Volkshochschule Korntal-Münchingen für das kommende Herbst-Winter-Semester ist fertig und wird in wenigen Tagen verteilt. Die Bildungseinrichtung hat aus der Corona-Krise einige Konsequenzen gezogen.

Korntal-Münchingen - In wenigen Tagen erscheint das neue Programm der Volkshochschule Korntal-Münchingen für Herbst und Winter – wegen Corona später als sonst. Das ist aber nur eine Sache, die nächstes Semester (Start: 21. September) anders ist.

Die Krise im Fokus

Das Semesterthema „Kommunikation in der Krise“ sei bereits vor der Pandemie, im Winter, geboren, berichtet die Leiterin der Korntal-Münchinger Volkshochschule Cornelie Class-Hähnel. „Dann überrollte uns die Welle.“ Und das Thema erwies sich als perfekt passend. „Im Mittelpunkt steht nun die Erfahrung, wie wichtig gute Information in den Monaten der Krise geworden ist“, sagt Class-Hähnel. Man hätte sich verlässliche Fakten aus der Wissenschaft erhofft, verständliche, klare Regelungen von der Politik benötigt und Zuspruch wie Trost seitens der Kirchen gesucht. Eine Vortragsreihe beschäftigt sich mit der Frage, wie gut das gelungen ist.

Grundsätzlich, so Class-Hähnel, sei gut und verständlich miteinander zu reden eine wichtige Grundlage für jede Form des Zusammenlebens im privaten und beruflichen Bereich. „Unter manchen Bedingungen gilt es, besondere Formen der Redekultur zu finden“, sagt die VHS-Chefin. So beleuchtet der Schwerpunkt etwa auch die Kommunikation mit schwer- oder demenzkranken Menschen. Die Leiterin der örtlichen Sozialstation erzählt, wie es Pflegekräften in der Corona-Krise ging.

Teilweise höhere Gebühren

Cornelie Class-Hähnel stellt fest, dass wegen Corona die Teilnehmer zurückhaltend und unsicher seien. „Es wird bei uns kein Corona-Hotspot entstehen. Sicherheit hat oberste Priorität“, versichert sie. In allen Kursen würde der Mindestabstand konsequent eingehalten. Das aber hat seinen Preis. Bei etlichen Kursen könnten nur noch halb so viele Teilnehmer wie sonst mitmachen, die jedoch in großen Räumen unterkommen. Kurse, die aufgrund der reduzierten Teilnehmerzahl dann überbelegt sind, werden geteilt und finden für die Teilnehmer im 14-Tage-Rhythmus statt.

Die VHS erwarten „erhebliche Mehrkosten an Mieten bei gleichzeitig niedrigerem Deckungsbeitrag“. Aus diesem Grund erhebt sie eine Kleingruppen-Gebühr – die Teilnehmer müssen tiefer in die Tasche greifen. So kosteten Kochkurse nun 39,50 statt 33,50 Euro. „Wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen“, sagt Class-Hähnel. Nach einem „Bombenjahr 2019“ mit Einnahmen von rund 280.000 Euro ging der VHS im vergangenen Semester fast der gesamte Umsatz von 130.000 Euro verloren. Im nächsten Semester rechnet die Leiterin mit der Hälfte der sonst üblichen Einnahmen.

Gleichwohl müssen aus ihrer Sicht die Gebühren moderat bleiben. Damit sich Menschen mit einem schmalen Geldbeutel trotzdem Bildung leisten können, hat die VHS einen Sozialfonds in Höhe von 10.000 Euro eingerichtet. „Bildung ist für alle und muss nicht am Geld scheitern“, betont Class-Hähnel. Die Bedürftigkeit werde nicht geprüft. Dennoch fürchtet sie, dass viele Betroffene das Angebot nicht nutzen – aus Scham. „Das Problem wird nicht sein, dass die Leute die Unterstützung ausnutzen, sondern ihre Hemmschwelle nicht überwinden können.“

Bereich Online wächst

Die Leiterin der VHS weiß: Das Gros der Teilnehmer will Präsenzkurse, schätzt das gemeinsame Lernen und die Gespräche. „Mit unserem Online-Angebot seit der Corona-Krise konnten wir die Leute nicht so wirklich hinterm Ofen hervorlocken.“ Künftig bleibe die persönliche weil bereichernde Begegnung zwar weiter das Herzstück – „aber wir fahren zweigleisig“, sagt Cornelie Class-Hähnel. Sie sieht Online-Kurse als ein zusätzliches Angebot, nicht als einen Ersatz für Präsenzveranstaltungen. „Perspektivisch werden Präsenz- und Onlinekurse einander ergänzen.“

Hierfür wurde der Fachbereich VHS online mit Kursen aus dem ganzen Angebot eingerichtet – Webinare gibt es schon länger. Aktuell sind elf Seminare enthalten. Class-Hähnel erhofft sich durch den Ausbau weitere Zielgruppen zu gewinnen, etwa Eltern, Berufstätige oder pflegende Angehörige, die nach einem anstrengenden Tag Aktivitäten zuhause bevorzugen. Auch geht sie davon aus, dass Angebote zu heiklen Themen wie das Messie-Syndrom oder Schulprobleme bei Kindern im Netz besser angenommen werden, weil die Teilnehmer anonymer sind. „Es ist viel vorstellbar“, sagt Class-Hähnel. Zudem helfe das wachsende Online-Programm, erneute Einschränkungen im Präsenzbereich abzufedern. Online-Kurse kosten so viel wie Präsenzkurse. Einige haben feste Termine, andere sind eine Woche lang verfügbar. Ihren Youtube-Kanal will die VHS ebenso ausbauen wie insgesamt stärker auf Social Media setzen. So sei man flexibler und beweglicher und könne rasch über Änderungen und Neues informieren.

Was ist sonst noch neu?

Der Fokus liegt auf Stadtspaziergängen statt weit entfernten Exkursionen. Eine Hauswirtschafterin gibt Nähkurse, Jugendliche können ihre Kleidung aufhübschen, Erwachsene zeichnen lernen oder sich in Selbstreflexion üben: Das neue Programm umfasst 338 Angebote. Wegen Corona müssen sich die Teilnehmer auch zu Vorträgen und kostenlosen Angeboten anmelden. Wer sich für einen Sprachkurs interessiert, sollte seine Kenntnisse zuvor unbedingt einstufen lassen.

Termin Das neue Programm erscheint am Donnerstag, 3. September. Die Hefte werden vin 8.30 Uhr an verteilt. Online sind Anmeldungen von 9 Uhr an möglich auf www.vhs-korntal-muenchingen.de.

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