Zahlreiche Honoratioren, darunter Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel, der komplette Vorstand und Vertreter des Aufsichtsrats der Volksbank Mittlerer Neckar, sowie viele Mitarbeiter freuen sich auf das neue zentrale Verwaltungsgebäude. Foto: /Kerstin Dannath

Die Volksbank Mittlerer Neckar will 2024 in ihr neues zentrales Verwaltungsgebäude in Wendlingen ziehen. Dort kommen auch die Kollegen unter, die durch die geplante Fusion mit der Volksbank Hohenneuffen-Teck dazu stoßen.

Nach rund vierjähriger Planungsphase folgte nun der offizielle Spatenstich für das neue zentrale Verwaltungsgebäude der Volksbank Mittlerer Neckar auf dem ehemaligen „Behr-Parkplatz“ in Wendlingen. Der Bau soll bis Ende 2024 fertig sein. Nach der Fertigstellung finden dort rund 300 Mitarbeiter Platz, die bisher an insgesamt sechs Standorten im gesamten Geschäftsgebiet verteilt arbeiten. Ein Teil des Gebäudes wird vermietet. Ursprünglich wurde nur mit rund 250 Mitarbeitern gerechnet. Dass es nun mehr werden, liegt an der geplanten Fusion mit der Volksbank Hohenneuffen-Teck – der Zusammenschluss der beiden Geldhäuser soll bis 2023 abgeschlossen sein.

 

„Wendlingen besitzt eine zentrale Lage mitten im Geschäftsgebiet unserer Bank“, erklärte Vorstandsmitglied Markus Schaaf von der Volksbank Mittlerer Neckar – mit den Hauptstellen in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen stelle Wendlingen quasi die Mitte da. Ebenso ausschlaggebend sei die ideale Anbindung an die Verkehrsnetze in der Region gewesen. „Wir sehen von hier sogar den Wendlinger Bahnhof und die Nähe zur A 8 und B 313 runden die Sache ab“, so Schaaf weiter. Und nicht zuletzt habe sich die Stadt Wendlingen von Anfang an als vertrauensvoller Partner erwiesen: „Wir haben uns von Anfang an willkommen gefühlt. Die Gespräche und Planungen im Vorfeld haben in einer außerordentlich guten Atmosphäre stattgefunden.“

In Wendlingen künftig einer der größten Arbeitgeber

Für Wendlingens Rathauschef Steffen Weigel war der Spatenstich von besonderer Bedeutung: „Spatenstiche sind für uns Bürgermeister immer kleine Festtage – denn sie bedeuten, dass wichtige Bauprojekte in die Phase der Realisierung eintreten.“ Auch er lobte die konstruktive Zusammenarbeit mit der Volksbank Mittlerer Neckar: „Es wurde stets auf die Belange der Stadt Rücksicht genommen. Letztlich wird das neue Verwaltungsgebäude ja auch unser Stadtbild auf entscheidende Weise prägen.“ Von der neuen Volksbank-Zentrale erwartet Weigel positive Impulse für die Innenstadt: „Die Volksbank wird in Wendlingen mit 300 Mitarbeitern schlagartig zu einem der größten Arbeitgeber.“ Und davon werde letztlich auch der Einzelhandel profitieren, ist sich der Bürgermeister sicher.

Der Entwurf für das 70-Millionen-Euro-Projekt stammt vom Architekturbüro Muffler (Tuttlingen/Stuttgart), das als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervorging. Das Projekt punktet mit einem klaren Grundriss und viel Nachhaltigkeit: Drei quadratische Baukörper mit ansteigendem Bauvolumen Richtung Bahnhof legen sich leicht versetzt – von vier Geschossen zu acht Geschossen angrenzend zum Bahnhof – aneinander. Der zentrale Eingangsbereich ist im nordöstlichen Bereich gegenüber der Villa Behr geplant. Die Volksbank wird die beiden kleineren Baukörper komplett nutzen. Im Erdgeschoss befinden sich Räume für Schulungen und Konferenzen. Die Büroflächen in den Obergeschossen bilden flexible Arbeitswelten, die moderne Nutzungsstrukturen für alle Formen der Zusammenarbeit ermöglichen.

Fotovoltaik auf dem Dach und an der Fassade

„Flexibilität war uns von Anfang an wichtig“, erklärte Schaaf. Das Konzept habe sich ja auch schon bezahlt gemacht: Denn die Raumgestaltung konnte unkompliziert angepasst werden, um zusätzlichen Platz für mehr Mitarbeiter zu schaffen. Deswegen wird die Bank entgegen den ursprünglichen Planungen nun auch zwei Geschosse des westlichen, achtgeschossigen Baukörpers, belegen. Als erster Mieter steht dort bereits der Wendlinger Polizeiposten fest, für weitere Vermietungen stehen noch vier Etagen zu Verfügung. Für diese Flächen haben laut Heinz Fohrer, dem Sprecher der Volksbank Mittlerer Neckar, auch schon einige Interessenten bei der Bank angeklopft.

In Sachen Nachhaltigkeit hat sich die Bauherrenschaft mit dem Bauprojekt ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Energieversorgung erfolgt praktisch komplett über eine große Fotovoltaikanlage, die nicht nur auf dem Dach, sondern auch rundherum an der Fassade angebracht wird. Die Wärmeversorgung soll über eine große Geothermieanlage gewährleistet werden. Laut Architekt Tano Muffler wird das Gebäude so in seiner Grundversorgung komplett autark sein. Dazu wird in großen Teilen für den Bau selbst in der Region recycelter Beton verwendet. „Wir streben an, dass unser Neubau den KW-Standard 40 plus erfüllt“, kündigt Schaaf an.

Geothermieanlage benötigt bis zu 160 Meter tiefe Löcher

Architekt Muffler rechnet damit, dass die nun startenden Tiefbauarbeiten bis Mitte September abgeschlossen seien. Dann werden in der gesamten Baugrube insgesamt 59 bis zu 160 Meter tiefe Löcher für die Geothermieanlage gebohrt. Mit dem Hochbau werde frühestens Ende des Jahres begonnen. Derzeit läuft die Ausschreibung für einen Generalunternehmer. „Vielleicht wird es auch Anfang Januar mit den Hochbaumaßnahmen. Das hängt von den Kapazitäten des Generalunternehmers ab“, erklärt Muffler.

Zwei Banken schließen sich zusammen

Zahlen
Die Volksbank Esslingen, die Berkheimer Bank und die Voba Kirchheim-Nürtingen fusionierten 2020 zur Volksbank Mittlerer Neckar. Ende 2021 zählte die Volksbank Mittlerer Neckar 595 Mitarbeiter auf 39 Filialen verteilt, 87 676 Mitglieder und 144 500 Kunden. Die Bilanzsumme betrug 4,7 Milliarden Euro. Die Volksbank Hohenneuffen-Teck hat eine Bilanz von rund einer Milliarde Euro, 23 198 Mitglieder und 34 100 Kunden. In neun Filialen arbeiten 142 Mitarbeiter.

Zusammenschluss
Der Zeitplan sieht vor, dass die Vertreterversammlungen im April und Mai des kommenden Jahres dem juristischen Zusammenschluss rückwirkend zum 1. Januar 2023 zustimmen. Die technische Fusion soll im Juli 2023 folgen. Momentan verfügen die beiden Banken zusammen über 48 Filialen. In Dettingen und Weilheim sollen die jeweils eigenen Standorte zusammengeschlossen werden, sodass es künftig 46 Filialen geben wird.