Die Fußballerinnen des FC Bayern wollen ihren Meistertitel verteidigen. Foto: imago/Michaela Merk

Rund einen Monat nach den Männern startet die Frauen-Bundesliga in ihre neue Saison – mit Änderungen, die für noch mehr Sichtbarkeit sorgen sollen. Wie wirkt sich das WM-Debakel aus?

Bernd Neuendorf legte sich recht schnell fest. „Generell“, meinte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), „lässt sich diese Entwicklung nicht mehr aufhalten.“

 

Nicht ohne Stolz blickten sie beim DFB schließlich noch vor Wochen auf das vergangene Jahr zurück. Im Sommer 2022 hatte die Nationalmannschaft der Frauen bei der EM die Massen begeistert, war bis ins Endspiel gestürmt und schaffte dann auch noch das, worum schon so lange gerungen wurde: Die neu erlangte Aufmerksamkeit auch in den Alltag mitzunehmen.

Noch in der Saison 2021/2022 waren lediglich 806 Zuschauer im Schnitt zu den Spielen der Bundesliga gekommen. In der Spielzeit 2022/2023 waren es dann 2723 – auch deshalb, weil es einige besondere Begegnungen mit großem Andrang gegeben hatte. Das Eröffnungsspiel sahen in Frankfurt 23 000 Zuschauer. Noch besser besucht war die Partie des 1. FC Köln gegen Eintracht Frankfurt, das am 18. Spieltag 38 365 Fußballfans live erlebten. Der Plan für die kommende Saison war klar: Beschwingt von einem Erfolg bei der WM in Australien und Neuseeland den Trend fortsetzen. Doch nun kam alles anders.

„Das war ein Dämpfer“, musste Bernd Neuendorf auch zugeben. Denn nach dem so überraschenden wie blamablen Vorrundenaus bei der WM ist erst einmal unklar, wie sich das auf die Liga und die Entwicklung des Fußballs der Frauen in Deutschland auswirken wird.

Vier Spieltermine pro Spieltag

Am 15. September eröffnen der SC Freiburg und die Titelverteidigerinnen vom FC Bayern die neue Bundesligasaison – doch schon ein Blick auf die teilnehmenden Clubs zeigt, dass die Entwicklung wohl auch durch eine WM-Enttäuschung nicht grundsätzlich infrage steht. Von den zwölf Teams gehört lediglich noch eines nicht zu einem Männer-Proficlub (SGS Essen). Als Aufsteiger hinzugekommen sind im Sommer RB Leipzig und der 1. FC Nürnberg. Weitere Traditionsvereine der Männer-Bundesligen haben sich zudem auf den Weg Richtung Oberhaus gemacht, etwa der VfB Stuttgart, Borussia Dortmund oder Hertha BSC. Darüber hinaus hat der DFB der Liga einen neuen Großsponsor als Namensgeber verschafft: Google Pixel.

Für noch mehr Bilder ist sowieso gesorgt, denn ab der neuen Saison gilt ein neuer TV-Vertrag. Bislang zeigte der kostenpflichtige Streamingdienst Magenta die Spiele der Bundesliga live. Nun ist zusätzlich die Streamingplattform DAZN (ebenfalls kostenpflichtig) eingestiegen. 32 Liveübertragungen im Free-TV bei Sport 1 und den Öffentlich-Rechtlichen sind zudem garantiert. Von freitags bis montags werden die Spieltage künftig gestreckt. Der neue Vertrag soll der Liga 5,17 Millionen Euro bringen. Das bisherige Volumen der TV-Erlöse steigt damit deutlich. Ab Mitte September muss es dann umgekehrt laufen als im vergangenen Sommer. Die Bundesliga muss wieder Lust auf die Nationalmannschaft machen.