Am Band bei Daimler: Das ist seit Generationen der Traum von Studenten, die sich in den Ferien ordentlich was dazuverdienen wollen. Foto: dpa

Firmen bieten Tausende Ferienjobs – Schüler und Studenten gesucht in Produktion und Gastronomie

Stuttgart - Für Studenten und Schüler gibt es in diesem Sommer erneut zahlreiche Angebote, ihre Kasse aufzubessern. Daimler kündigte bundesweit 6500 Ferienjobs an, Bosch nicht viel weniger. Bei der Arbeitsagentur in Stuttgart rechnet man mit einem „guten Jahr“.

„Mehr als 1500 Ferienarbeitskräfte wird allein das Mercedes-Benz-Werk in Untertürkheim einstellen, das Werk Sindelfingen 500“, gab Personalvorstand und Arbeitsdirektor Wilfried Porth jüngst bekannt. Im Juli und August, der Hauptreisezeit während der Schulferien, sollen die Ferienjobber für die Urlauber ­im Konzern einspringen.

Vorbei die Zeiten, als Daimler kurzarbeiten ließ und die Werke Sommerpause einlegten. „Die Nachfrage nach unseren Produkten entwickelt sich weiterhin sehr gut, wir gehen davon aus, den Absatz auch in diesem Jahr weiter zu steigern“, so Porth.

Sechs, acht Wochen in der Fertigung am Band bringen ordentliche Stundenlöhne ein

Jobs beim Automobilhersteller sind begehrt bei Schülern wie Studenten. Sechs oder acht Wochen in der Fertigung am Band bringen ordentliche Stundenlöhne ein, Schichtzulagen außerdem. Von dem so angelegten Polster kann man anschließend während der Vorlesungszeit gut zehren. Deshalb sind die Stellen zumeist schnell weg. Zumal der Autobauer gern zugreift, wenn Werkangehörige ihre Kinder empfehlen, und sich die Interessenten für Jobs in der Produktion auf der Daimler-Website bewerben können. Darunter sind auch so reizvolle Angebote wie die Qualifizierung chinesischer Mitarbeiter in Sindelfingen, gedacht für Ingenieurwissenschaftsstudenten mit chinesischen Sprachkenntnissen.

„Wir bekommen von Daimler zwar auch Stellen gemeldet, das meiste aber spielt sich direkt zwischen Ferienjobbern und Firma ab“, sagt Doris Reif-Woelki von der Stuttgarter Arbeitsagentur. Noch habe die Saison nicht wirklich begonnen, Anfang Juni kämen die Stellenangebote in der Regel rein. „Im Moment haben viele Schüler und Studenten ihre Ferien noch gar nicht durchgeplant.“ In der derzeitigen konjunkturellen Lage rechnet die Arbeitsagentur aber wieder mit einem guten Jahr, „nachdem die Stellensituation in den Jahren 2008, 2009 und 2010 „ziemlich mau“ gewesen sei.

In Zahlen ausgedrückt sind mehr als 1000 Vermittlungen ein gutes Jahr, „so wie 2011“, sagt Doris Reif-Woelki. Dabei habe es sich nicht allein um Ferienjobs in der Produktion gehandelt, sondern auch um Angebote aus dem Handwerk, der Reinigungsbranche, des Einzelhandels und „sehr stark aus der Gastronomie“.

Bosch vergibt dieses Jahr 4500 Stellen

Jobs außerhalb der Werkhallen gibt es auch bei der Firma Bosch. „Wir suchen im Sommer zwar schwerpunktmäßig Personal für die Fertigung, zum Beispiel für Feuerbach, wo wir Dieseleinspritzpumpen herstellen, aber wir bieten auch Jobs im Büro an“, sagt der Sprecher Dirk Haushalter. Insgesamt 4500 Stellen, den Großteil davon im Raum Stuttgart, allein 500 in Feuerbach, habe Bosch in diesem Jahr zu vergeben. Oder besser gesagt: zu vergeben gehabt. „Die meisten Stellen sind schon besetzt“, so Haushalter. Für die übrigen Jobs gilt wie bei Daimler: Bewerbungen über die Homepage.

Die große Nachfrage nach lukrativen Ferienjobs zeigt auch, dass Studenten trotz der Umstellung auf Bachelor-Studiengänge Zeit fürs Geldverdienen haben. „Die vorlesungsfreie Zeit im Frühjahr ist dafür sicherlich zu kurz, zumal die Studierenden da auch Hausarbeiten und Prüfungen machen müssen“, sagt Andrea Mayer-Grenu, die Sprecherin der Uni Stuttgart. Im Juli, August aber würden die meisten eine Arbeit über sechs oder acht Wochen annehmen.

Angebote auch auf den schwarzen Brettern der Universitäten

Ähnliche Erfahrungen macht auch die Firma Stihl in Waiblingen. Für Maschinen-, Montage- und Lagertätigkeiten suchte das Unternehmen rund 50 Ferienjobber für den Zweischichtbetrieb. „Auch nach dem Wechsel vom Diplom- zum Bachelor oder Masterstudiengang liegen die Bewerbungszahlen für einen Ferienjob bei uns weiterhin auf hohem Niveau“, bestätigt Stefan Caspari, der Leiter der Unternehmenskommunikation.

Die Hochschulen, auch die in Hohenheim, bieten ihren Studenten auf schwarzen Brettern Hilfe bei der Suche, insbesondere aber auf ihren Internet-Auftritten. Allerdings sind dort Angebote in der Überzahl, wo Studenten für dauerhafte Nebenjobs gesucht werden. Die Angebote reichen vom Posten eines Pagen nachts im Hotel über Nachhilfe bis hin zum Barista in einer Kaffeebar.

„Jobs für wenige Stunden pro Woche sind in der Regel nach zwei bis drei Tagen vergeben“, sagt Günter Wörl von der Uni Hohenheim. Praktika verweilen länger auf dem Stellenportal: „So etwas für die Zeit von zwei bis drei Monaten ins Studium zu packen ist kaum noch möglich.“ 751 Praktikumsangebote stehen zurzeit auf der Datenbank, Nebenjobs gibt es nur noch 172 .

Daimler hat für Online-Bewerbungen in der Produktion die Seite http://career.daimler.com eingerichtet

Bosch nimmt Bewerbungen unterwww.bosch-career.de entgegen

Die Universität Stuttgart sammelt Stellenangebote unterwww.uni-stuttgart.de/jobs/

Das Unternehmen Stihl ist telefonisch unter 0 71 51 / 26 - 17 82 zu erreichen

Bei der Arbeitsagentur Stuttgart in der Nordbahnhofstraße 30–34 kann man in der Jobvermittlung ohne Terminverein­barung vorbeischauen.

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