Der Transfer von Antonio Rüdiger vom VfB Stuttgart zu AS Rom steht bevor: Nach dem Medizincheck handeln die Vereine noch die Details aus.

Stuttgart - Der trainingsfreie Dienstag hielt Robin Dutt nicht davon ab, die unglückliche 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Köln weiter aufzuarbeiten. Wobei sich seine Einschätzung nicht sonderlich von der des Spieltags unterschied. „Jede Konzeption dieser Welt ist erfolglos, wenn du die Tore nicht machst“, sagte er. Das Spiel war gut, die Torausbeute kläglich – letzteres ist bedauerlich, lässt sich aber beheben.

Generell sei es beruhigend zu wissen, dass „die Jungs in die richtige Richtung laufen“. Sprich: Sie haben das neue Spielsystem schnell verstanden: „Ich habe nicht zu träumen gewagt, dass man nach so kurzer Zeit so deutlich sieht, wie wir spielen wollen.“

Das soll nun der Standard beim VfB sein. Weshalb sich die Spionagetrips der Konkurrenz nach Stuttgart erübrigten. „Die Clubs können sich die Reisekosten sparen. Denn wir wollen immer gleich spielen“, sagte Dutt – so aggressiv und laufstark wie gegen Köln.

Robin Dutt reagiert pikiert auf Rüdiger-Fotos mit Roma-Schal

Nur das Personal kann sich noch kurzfristig ändern, was in erster Linie mit dem möglichen Wechsel von Antonio Rüdiger zum AS Rom zusammenhängt. Am Dienstag absolvierte und bestand der Nationalspieler beim italienischen Vizemeister den zweiten Teil der medizinischen Untersuchung, seither sind beide Vereine dabei, die letzten Modalitäten des Transfers vollends auszuhandeln.

Rüdiger (22), so ist zu hören, soll bei dem Champions-League-Teilnehmer einen Vertrag bis 2020 erhalten und zunächst für ein Jahr ausgeliehen werden, wofür der VfB vier Millionen Euro erhalten soll. Danach tritt eine Kaufverpflichtung in Kraft, die ihm weitere acht bis zehn Millionen Euro bringen soll. Hintergrund der Aufteilung ist, dass der AS Rom die Gesamtsumme steuerlich in zwei Jahren verbuchen kann, was den Anforderungen des Financial Fairplays entspricht.

Dass Rüdiger bei seiner Ankunft in Rom gleich mit Roma-Schal und -Mütze für die Fotografen posiert hatte, ist beim VfB nicht gerade gut angekommen. „Das möchte ich gar nicht bewerten“, sagte Robin Dutt pikiert. Bisher hatte der VfB die Annäherung zwischen Rüdiger und dem AS Rom nicht kommentiert, nun kommt er nicht mehr umhin, zumindest den Fakt anzuerkennen. „Es ist ja bekannt, dass der Spieler unterwegs ist“, sagte Dutt mit einem weiteren Seitenhieb auf Rüdigers öffentlichen Auftritt.

Viele Fans sind die Hängepartie inzwischen leid, für Dutt gehört sie zum Geschäft. Zumal wegen Rüdigers Knieoperation „eine spezielle Situation entstanden ist, für die niemand etwas kann“. So geht das Tauziehen weiter. Was den VfB nicht daran hindert, die Augen nach einer Verstärkung für die Innenverteidigung offen zu halten – und zwar unabhängig von Rüdigers Zukunft. Aber: Es muss sportlich und finanziell passen.

Matthias Ginter braucht Spielpraxis vor der EM 2016 – beim VfB?

Zumal Adam Hlousek „die Messlatte für mögliche Kandidaten höher gelegt hat“, wie Dutt bekräftigt. Kalidou Koulibaly, der 1,95 Meter lange Kerl vom SSC Neapel, ist womöglich zu teuer – weshalb Matthias Ginter in den Fokus rückt. Zumal Dutt und er sich vom SC Freiburg bestens kennen. „Damals wäre er bei mir um ein Haar der jüngste Bundesligaspieler der Geschichte geworden“, sagt Ex-Trainer Dutt. Nur die DFB-Regeln hätten verhindert, dass Ginter im Alter von 16 Jahren sein Debüt gefeiert hat. Jetzt ist er Innenverteidiger Nummer vier bei Borussia Dortmund, was auf dem Weg zur EM 2016 nicht förderlich ist. Beim VfB könnte er wohl schneller zu Spielpraxis kommen.

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