Der VfB Stuttgart ist mittendrin in einer Zeit der Weichenstellungen. Sowohl sportlich als auch auf Entscheider-Ebene. Nun hat man sich wohl in einer langen Zeit offenen Frage endgültig festgelegt.
„Kommt Friehling, kommt VfB“, wusste fast 40 Jahren schon Ex-VfB-Trainer Otto Baric. Der legendäre Spruch des exzentrischen Kroaten stammt aus dem Spätwinter der Saison 1985/86. Und er scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten. Seit zehn Spielen hat der VfB Stuttgart nicht mehr verloren, steht damit Tabellenplatz drei – mit direktem Kontakt zum Tabellenzweiten FC Bayern München.
Damit ist nicht nur Baric´ Spruch wieder einmal belegt. Mit dem Frühling ist auch eine immens wichtige Zeit im schnelllebigen Business Bundesliga angebrochen: die Zeit der Weichenstellungen. Sportlich hat die Mannschaft bereits vorgelegt. „Man kann jetzt wirklich davon ausgehen, dass wir am Ende über Champions League oder Europa League reden“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß nach dem Statement-Sieg am Samstagabend bei Borussia Dortmund (1:0). Ganz sicher ist bereits, dass man international spielen wird. Und vor dieser Ausgangslage kann man nun in aller Ruhe den Kader für die kommende Runde planen und auf die anstehenden Herausforderungen ausrichten.
Wichtige Weichenstellungen abseits des Rasenrechtecks
Noch wichtigere Weichenstellungen wurden aber bereits einen Tag vor der Partie getroffen – weit abseits des Rasenrechtecks. Es war wieder einmal eine Aufsichtsratssitzung beim VfB anberaumt. Das Gremium, das in den letzten Wochen aus vielfach berichteten Gründen deutlich häufiger tagte als im regulären Modus, war dabei jedoch nicht vollständig. VfB-Präsident Claus Vogt, der nach seiner Abwahl als Vorsitzender des Aufsichtsrats weiter als normales Mitglied Teil des Gremiums ist, war nach Informationen unserer Redaktion nicht zugegen.
Statt Vogt war jedoch jemand anders dabei, vorerst zumindest nur als Gast: Armin Veh machte seine Aufwartung. Der Meistertrainer von 2007 ist ein Kandidat für den Aufsichtsrat, sprach nach Informationen unserer Redaktion auf Einladung vor. Der Plan dahinter: Erweiterung der Sportkompetenz im Gremium, das nach dem Rücktritt von Christian Riethmüller aktuell noch zehn Sitze umfasst und damit immer noch zu den personell größten Aufsichtsräten der Liga zählt. Bisher ist Vizepräsident Rainer Adrion das einzige Mitglied des Gremiums, das nachweislich über Sportkompetenz verfügt.
Wann und ob Veh tatsächlich in den Aufsichtsrat berufen wird, ist offen. Nach Informationen unserer Redaktion soll jedoch noch eine weitere Entscheidung am Freitagnachmittag gefallen sein. Bekanntermaßen sucht man beim Club seit längerer Zeit einen Sportvorstand. Der Aufsichtsrat hat sich nun offenbar für die nahe liegende Lösung entschieden: Fabian Wohlgemuth, bisher Sportdirektor und somit auch ein Vater des aktuellen sportlichen Höhenflugs, soll aufrücken und Sportvorstand werden. Eine Variante, für die der Vorstandschef Alexander Wehrle zuletzt immer offensiver geworben hatte.
Wer wird Übergangsmanager im Schnittstellenbereich?
Christian Gentner, bisher Leiter Profifußball, soll in diesem Zuge dann Wohlgemuth als Sportdirektor nachfolgen. Da der langjährige Kapitän aber noch nicht über genügend Erfahrung auf dem Sektor verfügt, plant man offenbar, ihm noch jemanden zur Seite zu stellen, um die vielfältigen Aufgaben gemeinsam zu schultern. Darunter ein sogenannter „Übergangsmanager“, der sich explizit um die an der Schwelle zum Profiteam befindlichen Toptalente kümmern soll, um ihnen einen besseren Eintritt in den Aktivenbereich zu ermöglichen.
Eine Rolle also, die Gentner bisher mit ausgefüllt hat und die ab der kommenden Saison vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit einer gewissen Summe bezuschusst wird. Wer dieser „Mister X“ sein könnte beziehungsweise werden soll, ist momentan noch offen. Sicher ist nur, dass es nicht Julian Schieber werden wird. Der ehemalige VfB-Mannschaftskollege von Christian Gentner hat sich just in dieser Rolle erst kürzlich den Stuttgarter Kickers (Regionalliga) angedient.