Trainer Pellegrino Matarazzo will den VfB Stuttgart in Kitzbühel optimal auf die Bundesliga-Saison vorbereiten. Foto: imago//Robin Rudel

Der VfB Stuttgart begibt sich ins Trainingslager nach Kitzbühel – und bereits zu Beginn steht für das Team von Pellegrino Matarazzo mit dem Testspiel gegen den FC Liverpool ein Höhepunkt an.

Kitzbühel - Dieses Spiel wäre so ganz nach Holger Badstubers Geschmack gewesen. Höchstes Niveau, internationaler Standard. Eine Begegnung mit den Besten – Badstuber mag das und hat diesen Anspruch immer an sich gestellt. Noch vor zwei Jahren wollte er zu einem ambitionierten Club im Europapokal wechseln. Es kam ganz anders und nun wird der Abwehrspieler an diesem Samstag (18 Uhr/Servus TV Deutschland) nicht mehr dabei sein, wenn der VfB Stuttgart auf den großen FC Liverpool mit dem in Deutschland noch größer erscheinenden Jürgen Klopp an der Seitenlinie trifft.

 

Badstuber (31) ist beim Bundesligisten auf das Abstellgleis geschoben worden. Er bleibt in Stuttgart, während sich der schwäbische Tross mit 29 Spielern an diesem Samstag auf den Weg in das Trainingslager in Kitzbühel gemacht hat. Jetzt sollen beim VfB jüngere Leute wie Waldemar Anton, Pascal Stenzel und Marcin Kaminski zeigen, dass sie auf der Höhe der Zeit verteidigen können. Auch gegen den Champions-League-Sieger des vergangenen Jahres und aktuellen englischen Meister. Konstantinos Mavropanos gehört ebenfalls zur neuen Garde der VfB-Abwehrspieler. Schnell, hart, zweikampfstark. Die Leihgabe des FC Arsenal ist jedoch angeschlagen und wird die Testpartie, die aufgrund der Corona-Pandemie unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wird, verpassen.

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Im Trainingslager ist der Grieche aber ebenso dabei wie Nicolas Gonzalez (muskuläre Probleme), Atakan Karazor (nach Infekt), Philipp Förster (Wadenbein) und Orel Mangala (muskuläre Probleme), die zuletzt kürzertreten mussten. Auch Marc Oliver Kempf reist nach seiner schweren Schulterverletzung mit. Clinton Mola (Überlastungsreaktion an der Hüfte) und Maxime Awoudja (Achillessehnenriss) fehlen dagegen in Österreich, wo der Aufsteiger eine Woche lang an der Form und Fitness für den Saisonstart arbeiten will. Unter anderem in zwei weiteren Testspielen: am nächsten Mittwoch gegen den Hamburger SV und am Samstag darauf zum Abschluss der Tage in Tirol gegen Arminia Bielefeld.

Pech mit Testspiel-Absagen

„Es steckt viel Energie in der Gruppe“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo nach den ersten Eindrücken. In den nächsten Tagen soll vieles in den Übungseinheiten intensiviert und verfeinert werden. Den emotionalen Höhepunkt bildet aber bereits der Start ins Trainingslager. „Gegen den FC Liverpool wird es interessant zu sehen sein, wo unsere Grenzen liegen“, sagt Matarazzo. Der Coach musste aufgrund von positiven Corona-Tests bei den Gegnern jüngst auf zwei Testspiele verzichten. Erst gegen Olympique Marseille, danach gegen den FSV Mainz 05. „Wir haben jetzt zwei Wochen lang trainiert, ohne ein externes Spiel zu absolvieren. Da hat die zweite Absage schon etwas wehgetan“, sagt Matarazzo.

Neue Erkenntnisse sind so nur schwer zu gewinnen. Vor allem für ein Trainerteam, das sehr analytisch und detailverliebt vorgeht. Matarazzo erwartet aber im nächsten Feldversuch nicht nur zu sehen, wo sein Team im Augenblick spieltechnisch und athletisch steht, sondern er erhofft sich vor allem für die jungen Spieler, „dass sie ein Bild davon bekommen, wohin es gehen soll“. Die Liverpooler gelten, obwohl sie in der europäischen Königsklasse bereits im Achtelfinale gescheitert sind, noch immer als Maßstab. Sie verteidigen mit Virgil van Dijk aggressiv und sie greifen mit Mohamed Salah tempo- und fintenreich an.

Neuer Abwehrchef gesucht

Beide Elemente sollen auch das Stuttgarter Spiel in Zukunft prägen. „Wenn wir den Ball haben, wollen wir weiter konstruktiv nach vorne spielen“, sagt Matarazzo. Allerdings wird die Ballbesitzquote nicht mehr so hoch liegen wie in der zweiten Liga. Jedenfalls nicht durchgängig. Da heißt es oft: Räume verengen, Druck auf den Ballführenden ausüben, Bälle erobern – und dann ab die Post. Um dies zu simulieren, haben die Stuttgarter starke Gegner für die Vorbereitungsphase ausgewählt. „Wir haben sie entsprechend unseren eigenen Inhalten und deren Spielweise ausgesucht“, sagt Matarazzo.

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Das Aufeinandertreffen mit dem Premier-League-Club wird in erster Linie ein Härtetest für die Defensive. Ohne Badstuber wird dabei niemand auf dem Platz brüllen und niemand mit den Armen fuchteln. Ohne ihn wird aber auch niemand so präzise lange Pässe von hinten diagonal nach vorne spielen. Es braucht einen neuen Abwehrchef, in der Dreier- oder Viererkette. Matarazzo will weiter beide Varianten praktizieren lassen, um möglichst flexibel antreten zu können.