„Ich habe niemandem den Krieg erklärt, deshalb muss ich auch niemandem ein Friedensangebot machen“, sagt VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt. Foto: dpa

Sieben Bewerbungen liegen inzwischen auf dem Tisch beim VfB Stuttgart. Aufsichtsratschef Dieter Hundt bietet Fans konstruktive Gespräche an.

Stuttgart - Die Vorarbeiten sind erledigt, Mitte des nächsten Monats soll Klarheit herrschen. Doch wer am Ende den VfB Stuttgart als Präsident führen wird, ist nach wie vor völlig offen. Bewerber gibt es inzwischen aber genügend.

Ein Problem hat der VfB allerdings: Das Amt des Präsidenten ist zwar lukrativ, offenbar aber nicht lukrativ genug für die Großen der Branche. Sie verdienen bisweilen das Drei- bis Vierfache dessen, was der Fußball-Bundesligist maximal zu bieten bereit ist. „Das erschwert die Suche nach einem passenden Kandidaten ganz erheblich“, sagt Aufsichtsratschef Dieter Hundt. Der neue Chef auf dem Cannstatter Wasen dürfte es auf 400 000 bis 500 000 Euro per annum bringen. Stimmen die sportliche und die wirtschaftliche Bilanz, kann sich das Salär nahezu verdoppeln.

Immerhin: Sieben Bewerbungen liegen inzwischen auf dem Tisch. Nach Informationen unserer Zeitung ist die des immer wieder ins Spiel gebrachten Ex-VfB-Profis Karl Allgöwer nicht darunter. Gesichtet werden sie nun von einer Findungskommission, die sich aus einem Personalberatungsunternehmen und sechs VfB-Funktionären zusammensetzt. Aus der Vorstandsetage sind Manager Fredi Bobic und Finanzchef Ulrich Ruf mit von der Partie, aus dem Ehrenrat sitzen der Vorsitzende Alfred Grupp und Ex-Profi Hermann Ohlicher mit am Tisch, vom Aufsichtsrat sind Ex-Bankier Rudolf Zipf und Mercedes-Marketingchef Joachim Schmidt am Ball.

Restlos überzeugt bisher keiner

„Ich selbst war nie vorgesehen für diese Kommission“, sagt Dieter Hundt, dessen zahlreiche Kritiker sein Fernbleiben von der Präsidenten-Findungskommission (PFK) als „Friedensangebot“ interpretieren. „Man mag das so interpretieren“, sagt der vor allem bei vielen Fans ungeliebte Chef des Kontrollgremiums, „aber ich habe niemandem den Krieg erklärt, deshalb muss ich auch niemandem ein Friedensangebot machen.“ Im Übrigen werde er sich sehr gern mit den Fans unterhalten, wenn sie zu kon­struktiver Mitarbeit an einem Zukunftsmodell VfB Stuttgart bereit seien. „Im Moment schließe ich keine Überlegung aus, die zu einer Lösung der Problematik führen könnte“, sagt Hundt.

Schwierig und angespannt bleibt sein Verhältnis zur weiß-roten Fan-Gemeinde aber allemal. „Es hilft nichts“, sagt Hundt, „der VfB ist ein mittelständisches Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro, das muss geführt werden.“ Ein Kandidat, der alle restlos überzeugt, ist bisher aber noch nicht in Sicht.

Mitte Juni soll sich Bewerberfeld lichten

DFB-Sportdirektor Robin Dutt und Ralf Rangnick, Sportdirektor in Diensten des Brause-Riesen Red Bull, haben bereits abgesagt. Ottmar Hitzfeld wäre wohl erst nach seiner Dienstzeit als Schweizer Nationaltrainer zu Gesprächen bereit. Er will sich aber zunächst mit den Eidgenossen für die WM 2014 qualifizieren. Diskutiert werden Namen wie die der Ex-Profis Thomas Helmer und Michael Zeyer. Auch die Lösung mit Hansi Müller als ehrenamtlichem Präsidenten und Fredi Bobic als Vorstandsvorsitzendem bleibt weiter nicht ausgeschlossen.

„Derzeit haben wir noch keine Lösung“, sagt Dieter Hundt. Spätestens Mitte Juni soll sich das Feld der Bewerber aber gelichtet haben. „Wir werden alles daransetzen, um am 22. Juli eine geordnete Mitgliederversammlung abhalten zu können“, versichert der Aufsichtsratschef, der sein Amt wohl zur Verfügung stellen wird, wenn sich ein neues Führungsteam formiert. Dann wäre der Weg auch frei für die komplette Neubesetzung des Kontrollgremiums. Ex-Präsident Erwin Staudt steht mit einer Mannschaft bereit, der unter anderen Kärcher-Chef Hartmut Jenner und Roland Fischer (Dübel-Fischer) angehören sollen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: