Zweikampfstark und mit dem Blick für den Nebenmann: Das zeichnet Orel Mangala aus. Foto:  

Der VfB Stuttgart benötigt für die erste Bundesliga eigentlich neue Stabilisatoren, verpflichtet aber das Talent Orel Mangala aus Dortmund.

Stuttgart - Es hilft ja nichts. Am Ende des Arbeitstages hat es wieder dieses obligatorische Bild gegeben: Der Spieler steht vor dem Vereinswappen des VfB Stuttgart und hält das Trikot mit dem Brustring in die Kamera. Schön lächeln, heißt es dann und der Fotograf knipst das Motiv pflichtschuldig. Orel Mangala ist es am Freitag gewesen, der da an der Mercedesstraße in Szene gesetzt wurde.

19 Jahre ist der belgische Fußballer alt. Sein Stammverein ist der RSC Anderlecht und Mangala war zuletzt an Borussia Dortmund ausgeliehen. Doch der Bundesligist verzichtete darauf, die Kaufoption für den Meisterspieler seiner U 19 zu ziehen und nun erhält er in Stuttgart einen Vierjahresvertrag. Damit passt er bestens in das Gesamtbild beim VfB, weil ja auch der Trainer Hannes Wolf zuvor beim BVB tätig war und den Mittelfeldspieler kennt. Weiter gehört Mangala in die Kategorie Perspektivspieler, für die der Manager Jan Schindelmeiser in den vergangenen Monaten ein Faible entwickelt hat und die ihm im Fall des belgischen Bubis etwa 1,8 Millionen Euro an Ablösesumme wert ist.

Mangala: Gut ausgebildet und sehr ambitioniert

„Orel Mangala ist ein gut ausgebildeter und sehr ambitionierter Spieler, der sich durch herausragende Leistungen im Juniorenbereich für höhere Aufgaben empfohlen hat“, sagt der Sportchef, der schon Benjamin Pavard, Ebenezer Ofori und Julian Green gekauft sowie Carlos Mané, Takuma Asano und Josip Brekalo ausgeliehen hat. Allesamt Nachwuchskräfte, die von außen kommen, und dem Stuttgarter Team einen frischen Anstrich geben. Die Fans durften während der Aufstiegssaison das jeweils hoch interessante Entwicklungspotenzial dieser Talente auch schon kennen und schätzen lernen. Und nun verlängert eben Mangala („Die Philosophie des VfB Stuttgart hat mir sehr gefallen.“) als zentraler Mittelfeldspieler diese Reihe noch.

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem VfB-Transferticker.

Doch genau an der aktuellen Personalie lässt sich die Problematik des ersten Transfers aufzeigen. Denn die Anhänger blicken nicht nur in einer Mischung aus Vorfreude und Neugier auf die Verpflichtungen ihres Lieblingsclubs, sondern ebenso mit ein wenig Sorge. Trotz der 41 Millionen Euro, die demnächst vom Konto der Daimler AG auf das Konto der neugegründeten VfB Stuttgart 1893 AG wandern. Einen schönen Batzen davon würden die Anhänger gerne in einen stabilen Innenverteidiger sowie gestandenen Mittelfeldspieler oder brauchbaren Außenverteidiger investiert sehen.

Schindelmeiser will das auch. Nur weiß er ziemlich genau, dass sein finanzieller Spielraum durch die Ausgliederung der Profiabteilung sich nicht exorbitant erweitert hat. Schließlich gilt es, Infrastrukturmaßnahmen zu ergreifen und die Spielergehälter anzupassen. Um das sportliche Niveau durch Zugänge anzuheben, bleibt in einem völlig überhitzten Geschäftsfeld dann gar nicht so viel Geld übrig.

Der ein oder andere VfB-Akteur soll noch gehen

Unter 50 Millionen Euro soll der Personaletat in der Bundesliga betragen – was mehr ist als in der Abstiegssaison, aber eben weniger als die Topvereine veranschlagen. Schindelmeiser geht bei seinem Personalpuzzle deshalb in Etappen vor, um mit guten Ideen gegen das große Geld anzukämpfen. Der Manager beabsichtigt, frühzeitig erste Verpflichtungen perfekt zu machen, aber er hält bis zum Ende der Transferperiode am 31. August Kaderplätze frei. Denn es ist davon auszugehen, dass nach der Vorbereitungsphase und den ersten Pflichtpartien Akteure auf den Markt kommen, die jetzt noch nichts davon ahnen.

Klarheit herrscht dagegen beim VfB darüber, dass die Zahl an Profis nicht einfach nur erhöht werden kann. Schindelmeiser muss schon noch Spieler vom Hof bekommen – wenn auch nicht als Voraussetzung, um weitere Transfers zu tätigen. Allerdings wird er bei der weiteren Zusammensetzung der Mannschaft neben den sportlichen Aspekten verstärkt darüber nachdenken, wie groß der kulturelle Mix beim regional verwurzelten VfB denn sein soll. Man darf also gespannt sein, wer für das nächste Foto vor das Vereinswappen gestellt wird.

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