Justin Diehl soll zum VfB Stuttgart wechseln. Foto: IMAGO/Herbert Bucco/IMAGO/Herbert Bucco

Sportdirektor Fabian Wohlgemuth arbeitet bereits unter Hochdruck mit Blick auf die kommende Saison am Kader des VfB Stuttgart. Während man mit einem Kandidaten bereits sehr weit ist, ist in einem anderen Fall Geduld gefragt.

Der VfB Stuttgart hat bereits zwei Neuzugänge für die kommende Saison an der Angel. Mit Yannik Keitel (23) ist man schon sehr weit. Der Breisacher, beim SC Freiburg von Kindesbeinen an ausgebildet, hat den obligatorischen Medizincheck absolviert und wird sich dem Club mit dem Brustring aller Voraussicht nach ab Sommer anschließen. Ein ablösefreier Wechsel. In diese Kategorie soll auch ein weiterer gehören – Stürmer Justin Diehl (19) steht ganz oben auf der Liste des Fußball-Bundesligisten.

 

Der Flügelstürmer mit ghanaischen Wurzeln ist in den vergangenen Monaten zu einem Politikum beim 1. FC Köln geworden. Da Diehl seine Wechselabsichten bereits letztes Jahr selbstbewusst kommunizierte, wurde er in die zweite Mannschaft verbannt. Auf Geheiß des damaligen Trainers Steffen Baumgart, der den Youngster damit unter Druck setzen wollte.

Diehl tat, wie ihm geheißen und nahm die Regionalliga West nach allen Regeln der Kunst auseinander. Zwölf Tore und neun Vorlagen in 19 Spielen lautete seine beeindruckende Bilanz bis zur Winterpause. Dann überschlugen sich in der Domstadt die Ereignisse. Baumgart wurde freigestellt, die Kölner bekamen vom internationalen Sportgerichtshof Cas eine Transfersperre für den nächsten Sommer auferlegt, Diehl wurde von Sportchef Christian Keller begnadigt.

Der 1. FC Köln versucht alles, um Justin Diehl zu überzeugen

Seitdem versucht man am Geißbockheim alles, den hochveranlagten Angreifer, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, von einem Verbleib zu überzeugen. Bisher ohne Erfolg. Das Tischtuch zwischen der Spielerseite und Club gilt als völlig zerschnitten. Der Spieler hat intern nach Informationen unserer Redaktion noch einmal deutlich gemacht, dass ein Verbleib über den Sommer hinaus für ihn keine Option darstellt.

Die Frage ist also nicht, ob Diehl wechselt. Sondern nur wohin. Seine Verhandlungsposition wird nahezu wöchentlich besser. Kölns neuer Trainer Timo Schultz setzt auf Diehl. Einerseits notgedrungen, denn schließlich fehlen ihm mit Davie Selke und Luca Waldschmidt zwei nominelle Startelfstürmer verletzt. Andererseits sieht auch Schultz, welch großes Talent er da noch im Kader hat.

In den vergangenen beiden Bundesligapartien hat Diehl 28 und 30 Minuten Spielzeit erhalten, avancierte jeweils zum besten Einwechselspieler, brachte Esprit und Schwung. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm weiter nicht. Im Spiel gegen Heidenheim, Diehl kam für Kapitän Florian Kainz ins Spiel, nahm sich der Nachwuchsangreifer sofort alle Standards, als wäre es da Selbstverständlichste der Welt. Nun steht er vor dem nächsten Meilenstein. Am Wochenende tritt Köln in Wolfsburg an – aller Voraussicht nach mit Diehl in der Startelf. Die Schlange der Interessenten dürfte danach nicht kürzer werden.

Wird Alexander Wehrle zum entscheidenden Faktor?

Da trifft es sich gut, dass der VfB seine Hausaufgaben gemacht hat. Der Club hat sich nicht nur mit der Spielerseite getroffen und seine Absichten mehr als deutlich erklärt, sondern mittlerweile auch ein attraktives Vertragsangebot hinterlegt. Dazu kommt, dass derjenige, der einst in Köln Diehls nun auslaufenden Vertrag aufgesetzt hat, jetzt in Stuttgart am Verhandlungstisch sitzt.

Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende des VfB und davor beim FC tätig, könnte eine entscheidende Rolle in der Personalie einnehmen. VfB-intern schätzt man Diehl sogar so hoch ein, dass er für die kommende Saison als Soforthilfe darstellen könnte, der nicht noch extra aufgebaut werden müsste. Doch weitere Vorstöße seitens der Stuttgarter soll es erst einmal nicht geben.

Man wartet ab und setzt darauf, dass die klar kommunizierten Absichten und damit verbundenen Argumente verfangen und den Stürmer letztlich davon überzeugen, die Angebote der Konkurrenz auszuschlagen. Bayer 04 Leverkusen und die TSG Hoffenheim sollen dem Vernehmen nach ebenfalls sehr interessiert sein.

Mit einer kurzfristigen Entscheidung ist nicht zu rechnen. Auch ein Wechsel in diesem Transferfenster (in Deutschland bis 1. Februar, 18 Uhr geöffnet) gilt als ausgeschlossen. Geduld ist gefragt. Sollte der Deal mit Diehl funktionieren, wäre es bereits das vierte Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass sich der VfB beim Kölner Nachwuchs bedient. Darko Churlinov, Nikolas Nartey und Luan Simnica wählten zuletzt den Weg vom Rhein an den Neckar.