Haben aktuell viel zu tun: Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle bauen den VfB-Kader der Zukunft. Wie der aktuelle aussieht und welche Vertragslaufzeiten die einzelnen Akteure besitzen, sehen Sie in der Bildergalerie. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der VfB Stuttgart hat bei den Personalplanungen für die nächste Saison einen Balanceakt zu meistern, bei dem die Leihspieler eine besondere Rolle spielen. Bei einem ausgeliehenen Akteur ist mittlerweile schon klar, dass er bleiben wird.

Der 30. Juni 2024 spielt beim VfB Stuttgart aktuell eine große Rolle. Es ist der Tag, an dem Verträge enden. Aktuell hat der Club aus Cannstatt die stattliche Anzahl von 18 (!) Spielern unter Vertrag, für die dieses Datum eine entscheidende Rolle in ihrer Zukunftsplanung einnimmt. Denn sie stehen beim VfB entweder bis dahin unter Vertrag, sind bis zu diesem Datum vom VfB an andere Clubs verliehen oder haben bei den Stuttgartern ein nur noch bis zu diesem Datum gültiges Arbeitspapier.

 

Dem VfB muss Balanceakt gelingen

Bei so einer Ausgangslage ist es kein Wunder, dass der Club seine Personalplanungen unter Hochdruck vorantreibt. Zumal er auch den Balanceakt schaffen muss, einen Kader zu entwickeln, der zwei Ziele erreichen kann – nämlich potenziell dem internationalen Wettbewerb mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus gewachsen und zusätzlich in der Lage zu sein, auch in der kommenden Saison den sicheren Klassenverbleib in der Bundesliga zu schaffen. Das ist und bleibt das Primärziel der Verantwortlichen.

Sie werden alles daran setzen, nicht wie vor rund 15 Jahren noch einmal in die sogenannte Champions-League-Falle zu tappen, die den Club damals um Jahre zurückwarf. Wovon er sich jetzt gerade erst so richtig zu erholen scheint. Der Club wird daher auch zukünftig auf einen Kader setzen (müssen), bei dem Leihspieler eine große Rolle spielen. Abhängig vom Wettbewerb, in dem man unterwegs sein wird, wird sich nur die Regalhöhe ändern, in der man sich bedient.

Zudem müssen Sportvorstand Alexander Wehrle und Sportdirektor Fabian Wohlgemuth die Begehrlichkeiten im Zaum halten. So weckt die aktuell hervorragende sportliche Ausgangslage intern wie extern eine gewisse Erwartungshaltung, wieder am ganz großen Rad drehen zu wollen. Was schon aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge, denen der Club immer noch Rechnung tragen muss, gar nicht möglich ist. In diesen Personalplanungen markierten die winterlichen Vertragsverlängerungen mit den Schlüsselspielern Waldemar Anton, Enzo Millot, Chris Führich und Pascal Stenzel nur den Auftakt. Die viel größere Baustelle sind die eingangs erwähnten 18 Spieler, deren Verträge in vier Monaten enden.

Für ein Quartett wird es eng, verliehene Spieler mit wenig Perspektive

Am einfachsten ist die Lage bei einem Quartett, dessen Verträge auslaufen. Ersatzkeeper Florian Schock, Außenbahnspieler Roberto Massimo, Routinier Genki Haraguchi und Eigengewächs Lilian Egloff. Während Haraguchi wohl in seine Heimat zurückkehren wird, ist der Weg in Stuttgart für Massimo und wohl auch Schock beendet. Sie werden den Verein ablösefrei verlassen. Bei Eigengewächs Egloff besteht die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit, der 21-Jährige hat sich nach einer schwierigen Zeit wieder herangekämpft. Möglicherweise versucht man über eine Ausleihe, der Karriere noch einmal Schwung zu verliehen.

Dazu kommen gleich acht Akteure, die aktuell an andere Clubs ausgeliehen sind. Ausnahmslos Spieler offensiver Prägung. Und ausnahmslos Akteure, deren Perspektiven in Stuttgart höchst überschaubar sind. Während man für Gil Dias (Legia Warschau), Juan Perea (Hansa Rostock), Ömer Beyaz (Hatayspor) und Luca Pfeiffer (Darmstadt 98) nach finalen Lösungen sucht, scheint es bei Wahid Faghir (SV Elversberg), Thomas Kastanaras (SSV Ulm), Jovan Milosevic (FC St. Gallen ) und Mohamed Sankoh (Heracles Almelo) eine Option, dass sie sich noch einmal bei VfB-Trainer Sebastian Hoeneß beweisen dürfen. Gelingt ihnen das nicht, sind weitere Ausleihen denkbar.

Undav und Nübel sollen, Rouault wird bleiben

Besonders interessant ist die Lage bei den Spielern, die regelmäßig unter Sebastian Hoeneß zum Einsatz kommen oder gar Stammspieler sind. Leonidas Stergiou (FC St. Gallen), Jamie Leweling (Union Berlin) und der erst kürzlich dazu geholte Mahmoud Dahoud (Brighton & Hove Albion) sind nah dran an der Startelf und leisten einen wichtigen Beitrag. Leweling und Stergiou wären für vergleichsweise überschaubare Summen fest zu verpflichten, bei Dahoud dürfte das Gesamtpaket für den VfB kaum zu stemmen sein.

Das gilt auch für Deniz Undav und Alexander Nübel – doch in beiden Fällen ist man beim Club bereit, bis an die Grenze des Machbaren zu gehen. „Ja, auf jeden Fall“, antwortete Undav zuletzt auf die Frage, ob er beim VfB bleiben wolle. „Ich fühle mich hier wohl.“ Vom Club wurden diese Aussagen wohlwollend registriert, auch der VfB will Undav halten. Doch so einfach ist das nicht. „Wir wünschen uns, dass er bleibt. Aber da muss auch der Verein, der ihn abgeben muss, mitmachen. Wir werden unsere Finanzen gegenüberstellen und dann schauen, in welche Richtung es geht“, sagt Sportchef Wohlgemuth, der neben einer satten Ablöse (die Kaufoption für Undav liegt bei etwa 10 Millionen Euro, dazu können erfolgsabhängige Zuschläge kommen) auch das künftige Gehalt, Handgelder und Beraterprovisionen mit bedenken muss. Da kommt so ein Paket schnell auf 30 Millionen Euro und mehr.

Ähnlich sieht es im Fall Nübel aus. Der Keeper kann sich nach Informationen unserer Redaktion einen Verbleib in Stuttgart mehr als nur vorstellen. Doch bevor er beim VfB einen neuen Vertrag unterzeichnen kann, muss er sich zuerst mit Bayern München einigen. Dort hat er noch einen Vertrag bis Juni 2025 – eine erneute Ausleihe wäre also nicht ohne vorherige Vertragsverlängerung möglich. Die Alternative wäre ein kompletter Wechsel nach Stuttgart, was für den VfB mindestens ein Gesamtpaket in Undav-Dimension bedeuten würde. Möglich, dass in die Personalie demnächst Schwung kommt – jetzt wo die Münchner mit Max Eberl einen neuen Sportvorstand installiert haben und bisher aufgeschobene Personalentscheidungen nun abgearbeitet werden.

Immerhin: Einen Neuzugang für die kommende Runde haben die Stuttgarter sicher. Nachdem der Club nicht mehr absteigen kann, greift die verpflichtende Kaufoption im Leihvertrag von Anthony Rouault. Diese war nach Informationen unserer Redaktion an den Nichtabstieg gekoppelt. Der Franzose wird bald einen langfristigen Vertrag beim VfB unterzeichnen.