Die Geschäftsstelle des Clubs wurde zu Beginn der 80er Jahre errichtet. Obwohl inzwischen mehrfach modernisiert, geht es unter dem roten Dach beengt zu. Foto: Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart hat mit seinen Tagesbaustellen genug zu tun. Aber man wird auch als Zweitligist noch träumen dürfen – zum Beispiel von einem moderneren Trainingsgelände.

Stuttgart - Es gehört bei frisch verpflichteten Spielern zum guten Ton, auf die hervorragenden Bedingungen beim VfB Stuttgart hinzuweisen: der Club, das Stadion, die Fans, die Tradition – alles super. Auch das Trainingsgelände war in der Vergangenheit meist eine besondere Erwähnung wert. In letzter Zeit hörte man das mit den tollen Trainingsbedingungen allerdings nicht mehr so oft. Vieles beim VfB Stuttgart mag noch immer top sein – das Clubgelände mitsamt seinen Fußballplätzen ist es nicht mehr. Zumindest, wenn man gehobene (Bundesliga-)Ansprüche zum Maßstab nimmt und sich weiter mit Hoffenheim und Mönchengladbach vergleichen möchte statt mit Karlsruhe oder Heidenheim. Was man beim stolzen Club aus Cannstatt auch immer noch tut. Schließlich soll es nach nur einem Jahr in der zweiten Liga direkt ­wieder nach oben gehen.

Um dort nicht gleich wieder nach unten schauen zu müssen, sondern den Anschluss zu den Großen der hoch professionalisierten Branche wiederherzustellen, haben die Baumeister beim VfB erkannt, wo sie den Hebel ansetzen müssen. Im sportlichen Bereich inklusive der Jugendarbeit natürlich als Erstes. Als zweiter Grundstein gilt eine dauerhaft bessere finanzielle Ausstattung, für die der Verein seine Fußballabteilung gerne in eine AG ausgliedern möchte. Nur liegt dieses Projekt durch den Abstieg und die Wirren danach erst einmal auf Eis. Mit den wirtschaftlichen Ambitionen einher geht auch eine Vision, die der Verein schon länger verfolgt und die durch den Sportvorstand und den Trainer nun zumindest wieder aufgegriffen wurde: der Traum vom neuen Trainingszentrum.

Zwischen Hoffenheim und dem VfB liegen Welten

„Unser Anspruch muss es sein, uns überall zu verbessern“, sagt Jan Schindelmeiser. Das gelte auch für die Infrastruktur, meint der Sportvorstand, schließlich spielt dies beim Kampf um die besten Spieler ebenfalls eine Rolle. Noch ist ein neues Trainingsgelände für Schindelmeiser nicht mehr als ein „Zukunftsthema“. Bis jetzt sind lediglich Pläne für die Modernisierung der Rasen- und Kunstrasenplätze konkret, allein das eine Millioneninvestition. Der Faden für eine komplette Neugestaltung wurde aber zumindest aufgenommen.

Die Vision Schindelmeisers verwundert angesichts seiner Herkunft nicht: Der 52-Jährige war lange Manager bei 1899 Hoffenheim und hat den Club mit seinen heutigen Strukturen mit aufgebaut. „Da liegen Welten dazwischen“, sagt Schindelmeiser, ohne seinem jetzigen Arbeitgeber deswegen an den Karren zu fahren. Er kennt die Nöte und weiß, dass für einen gewachsenen Traditionsverein wie den VfB der Gestaltungsrahmen geringer ist als für den Emporkömmling aus dem Kraichgau. Dort wurde, ähnlich wie in Leipzig, das Trainingsgelände mit Übernachtungsmöglichkeiten, Räumen für Videoanalysen, Athletikbereich und allem modernen Pipapo auf dem Reißbrett entworfen und auf die grüne Wiese gesetzt.

Das fällt an der Mercedes­straße schon räumlich bedingt schwer. Begrenzt von Stadion, Nachwuchsleistungszentrum, Daimler-Zentrale und Bezirkssportanlage wachsen die Möglichkeiten nicht in den Himmel. Schon jetzt müssen die Jugendmannschaften immer wieder auf öffentliche Plätze ausweichen, weil selbst zu wenige Rasenflächen zur Verfügung stehen. Der hintere Teil der vereinseigenen Anlage gilt als Sumpfgebiet, weil sich bei Regen regelmäßig das Wasser staut. Was auch Trainer Hannes Wolf schon erkannt hat: „Heutzutage wird schnelles Spiel mit schnellen Bällen erwartet. Das muss man auch trainieren können.“

Die Möglichkeiten an der Mercedesstraße sind begrenzt

Auch der neue Trainer hat sich über die traditionsreiche Anlage schon seine Gedanken gemacht. Ohne zu fordern stellt er fest: „Ein modernes Trainingszentrum ist auf Dauer eine Notwendigkeit, um konkurrenzfähig zu sein.“

Der 35-Jährige kommt von Borussia Dortmund diesbezüglich sprichwörtlich aus einer anderen Liga. Es wundert also nicht, dass er und Schindelmeiser als Vordenker das Thema beim VfB wieder aufgreifen. Ein Entmüdungsbecken und eine Sauna mag in den 80ern der letzte Schrei gewesen sein. Auf die Profis von heute macht es kaum mehr Eindruck.

Von Wolf stammt der Ausspruch: „Die Tradition springt beim VfB aus allen Wänden.“ Er hat es positiv gemeint – und den Nagel auf den Kopf getroffen.

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