Walter besitzt in Kiel noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Foto: dpa

Tim Walter besitzt in Kiel noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020, er will den Verein jedoch verlassen und Trainer des VfB Stuttgart werden. Was zeichnet den Topkandidaten der Schwaben aus?

Kiel - Eine Sache ist bereits klar: Tim Walter will Holstein Kiel verlassen und Trainer des VfB Stuttgart werden. Kiels Sport-Geschäftsführer Fabian Wohlgemuth hat eine Anfrage der Schwaben und Walters Wechselwunsch vergangene Woche bestätigt - viel mehr ist aber noch nicht klar. Denn mittlerweile dürften die Verhandlungen zwischen dem Zweitliga-Club und dem abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten angelaufen sein. Walter besitzt in Kiel noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020, wodurch der VfB für ihn eine Ablöse von wohl rund einer Million Euro zahlen müsste.

Konzentration auf Aufgaben in Kiel

„Ich konzentriere mich auf die Aufgabe in Kiel. Alles andere liegt nicht in meinen Händen“, sagte der 43-Jährige. Der aktuelle Schwebezustand dürfte ihm aber missfallen. Denn es gehört zum beruflichen Selbstverständnis des gebürtigen Bruchsalers, den Blick ausschließlich nach vorne zu richten. Ohne Kompromisse und mit einem Selbstbewusstsein, das bisweilen die Grenze zur Arroganz schrammt.

Diesen unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke vermittelt er auch seinen Spielern. Eine Fähigkeit, mit der er aus dem einstigen Abstiegskandidaten Holstein Kiel ein Team formte, das lange um den Aufstieg in die 1. Liga mitmischte. Dabei mussten Walter und Sportchef Wohlgemuth bei ihrem Dienstantritt im Juni 2018 fast bei Null anfangen. Denn Coach Markus Anfang (Köln), Sportchef Ralf Becker (HSV) und diverse Leistungsträger hatten nach der sensationellen Serie des damaligen Aufsteigers und dem knappen Scheitern in der Relegation Kiel verlassen.

Konkurrenz zollt nach Auftritten der Störche Respekt

Als Walter begann, den Akteuren seines neu formierten Kaders seine innovative Spielidee zu implantieren und dabei alles zuvor Vertraute auf links drehte, schüttelten viele anfangs mit dem Kopf. Heute zollt die Konkurrenz nach Auftritten der Störche regelmäßig Respekt. Walter steht für Spielfreude, mutigen, attraktiven Offensivfußball inklusive der Akzeptanz defensiver Anfälligkeiten. Ein Markenzeichen, das er während seiner erfolgreichen Nachwuchsarbeit beim Karlsruher SC und FC Bayern München prägte und von dem er auch in Kiel, seiner ersten Station im Profi-Herrenbereich, nicht abwich.

Seine Philosophie basiert auf einer riskanten Spieleröffnung über den Torwart und zwei sich nach vorne orientierenden Innenverteidigern, steten Positionswechseln und Ballbesitz durch Kurzpass-Kombinationen über das ganze Feld. „Unvernünftig, aber wunderschön“, lautete eine treffende Schlagzeile nach dem spektakulären 4:4 in Paderborn im November. Die am 10. Februar zum 1:0 in Magdeburg führende Ballzirkulation feierten Taktik-Nerds als „Spielzug des Jahres“.

Walter hinterlässt sportlich tiefe Spuren

Die mediale Idylle in Kiel und die geringe Erwartungshaltung boten Walter die ideale Startrampe. Wenn sich der dreifache Familienvater speziell nach Niederlagen schroff, abweisend, teils sogar abfällig über Gegner oder auch Journalisten äußerte, gab es kein großes Nachbeben. Das könnte sich in Stuttgart ändern.

Wohlgemuth steht derweil in Kiel der zweite Trainerwechsel binnen eines Jahres bevor. Eine schwierige Mission, denn Walter hinterlässt sportlich tiefe Spuren. „Schlimmer kann es nicht kommen. Ich bin als Innenverteidiger noch nie so viel gelaufen wie unter Tim Walter. Er hat uns aber fußballerisch besser gemacht. Ich sehe deshalb einer neuen Taktik unter einem neuen Trainer gelassen entgegen“, sagte der in der Bundesliga erprobte Innenverteidiger Dominik Schmidt.

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