Ein Mann macht klare Ansagen: VfB-Profi Geoffroy Serey Dié Foto: Baumann

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Der Hamburger SV wird den Jungs des VfB Stuttgart im Abstiegsknüller an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) mit einer ordentlichen Portion Aggressivität und Härte begegnen. Ein Problem für die Roten? Wohl kaum. Sie haben ja Geoffroy Serey Dié.

Stuttgart - Wenn es um Fußball-Weisheiten geht, ist Huub Stevens selten um einen Spruch verlegen. Auch vor dem so wichtigen Heimspiel gegen den HSV hat der Trainer des VfB Stuttgart in dieser Hinsicht einiges parat. Zum Beispiel: „Wir müssen versuchen, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner.“ Und: „Es wird bis zum Ende schwierig bleiben.“ Oder: „Mit elf Messis kannst du nicht spielen.“ Nur gut also, dass Stevens eine Art Anti-Messi im Team hat.

Ein Edeltechniker, da tut man ihm nicht Unrecht, ist Geoffroy Serey Dié jedenfalls nicht. Auch als großer Stratege gilt der Mann von der Elfenbeinküste nicht. Dass sie beim VfB Stuttgart dennoch heilfroh sind, dass sie den bereits 30-jährigen defensiven Mittelfeldspieler im Winter vom FC Basel nach Stuttgart gelotst haben, hat andere Gründe. Es sind Diés zwei entscheidende Qualitäten.

Die eine davon bekommen die Mitspieler im Training, vor allem aber Woche für Woche die Kontrahenten des VfB zu spüren: Diés Aggressivität. Die hat ihm in neun Spielen zwar schon fünf Gelbe Karten eingebracht, war für das bislang viel zu brave Team aber eine notwendige Ergänzung. „In der Aggressivität gegen den Ball haben wir zuletzt noch mal draufgelegt“, sagt Sportvorstand Robin Dutt, „Serey Dié kommt dabei im Zusammenspiel mit Christian Gentner eine wichtige Rolle zu. Auf dem Platz kennt er nicht viele Freunde.“

Mit dieser fußballerischen Grundhaltung als Basis entwickelt der Ivorer seine zweite große Stärke: Er ist ein echter Führungsspieler. „Hätte es den Begriff Aggressivleader nicht schon gegeben, hätte man ihn für Serey erfinden müssen“, sagt Dutt, der in Dié einen Mann mit zwei Gesichtern ausgemacht hat.

Das eine zeigt er abseits des grünen Rasens, wenn er zurückhaltend erscheint, zwar viel lacht, aber eher leise spricht. Wer ihn nur so kennt, kann sich kaum vorstellen, wie der 30-Jährige mit der markanten Frisur dann auf dem Spielfeld agiert. Immerhin: Seine Mitspieler haben sich schnell daran gewöhnt und Dié längst als Anführer akzeptiert. „Seine Erfahrung und Aggressivität tun uns sehr gut“, sagt Spielführer Christian Gentner, „er ist einer, der vorangeht.“

Zu sehen ist das in jedem Training – zu hören auch. Wo Serey Dié ist, wird gegrätscht, um Siege gekämpft und gerannt. Wo der Ivorer mitmischt, ist es auch laut, schließlich gibt er permanent Anweisungen und schreckt nicht davor zurück, Kollegen auch mal zusammenzustauchen. Für den Trainer ist er damit ein äußerst wertvoller Spielertyp, Stevens weiß aber auch um die Gefahren: „Die Mannschaft muss damit umgehen können.“ Beim VfB ist das der Fall. Obwohl Geoffroy Serey Dié erst nach dem Start der Rückrunde nach Stuttgart kam, ist er mittlerweile eine der Führungsfiguren. Wohl auch, weil er bereits im ersten Training seine Mitspieler beim Namen nannte.

Der Mann, der kurz zuvor den Afrika-Cup gewonnen hatte, strahlte also vom ersten Moment an volle Identifikation aus. Nur öffentlich reden will er weder über sich noch über die Lage beim VfB. Nur so viel: „Wir können es nur gemeinsam schaffen.“ Und: „Jetzt gilt es, bis zum Schluss absolut fokussiert zu bleiben.“ Und natürlich aggressiv.

An diesem Samstag jedenfalls wird der HSV beim Gastspiel in der Mercedes-Benz-Arena nicht mit Watte werfen. Seit Bruno Labbadia das Team übernommen hat, stimmen zumindest Einsatzwille und Emotionen. Der VfB muss sich wohl gerade zu Beginn der Partie auf eine gewisse Härte einstellen – und da ist es nicht schlecht, wenn man dem etwas entgegensetzen kann. Zum Beispiel Antonio Rüdiger. Oder eben Serey Dié.

Den verbindet übrigens eine sehr enge Freundschaft mit Gladbachs Torhüter Yann Sommer, mit dem er einst in Basel zusammenspielte und dessen Namen er sogar auf manchen seiner Fußballschuhe eingestickt hat. In dieser Rückrunde kam es zu keinem direkten Duell, weil Dié erst nach der Partie des VfB gegen die Borussia nach Stuttgart kam. Das Treffen wollen die beiden in der kommenden Saison nachholen. Voraussetzung dafür: der Klassenverbleib des VfB. Wie das vollends gelingen soll? „Mann muss auch Spaß haben“, sagt Stevens. Und einen Typen wie Serey Dié.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: