Zeigt gleich Präsenz: VfB-Neuzugang Serey Di Foto: Baumann

Routinier, Kämpfer, Siegertyp: VfB-Neuzugang Serey Dié zeigt beim Kurzdebüt gegen die TSG Hoffenheim und im Training gleich Präsenz. Schafft er die Wende beim VfB?

Stuttgart - So genau wissen sie beim VfB noch immer nicht, wen sie da neu hinzubekommen haben. Erst langsam verschwimmen die Schemen und legen eine Kontur frei, hinter der sich Serey Dié verbirgt. Ein Routinier, ein Kämpfer, ein Siegertyp – dieser Ruf eilt dem Neuzugang des FC Basel voraus. Seit Sonntag wissen sie beim VfB aber auch: Dié ist eine gespaltene Persönlichkeit.

Das hat der Mittelfeldspieler aus der Elfenbeinküste am Tag nach der bitteren 1:2-Niederlage in Hoffenheim selbst zugegeben. Er hat es nur ein wenig anders formuliert, ein wenig positiver: „In mir stecken zwei Persönlichkeiten“, hat er gesagt. Die eine Persönlichkeit ist locker, vergnügt und gesellig: „Privat lache ich gerne, bin mit Freunden und mit meiner Familie zusammen und genieße das Leben.“ Die andere Persönlichkeit steckt in einem Trikot und stellt den Schweiß über den Spaß: „Auf dem Platz zählt nur Arbeit, harte Arbeit“, sagt Serey Dié – und führt das gleich mal vor.

Beim Spiel in Hoffenheim waren ihm nach seiner Einwechslung nur wenige Minuten auf dem Platz vergönnt, doch die genügten, um seine Einstellung ein wenig näher kennenzulernen. Dié (30) kam rein, fuchtelte mit den Armen und quasselte auf die Mitspieler ein. Es ging um die Absprache, wo sein Platz auf dem Feld war, wo genau er sich in die Mannschaft einfügen sollte. Klare Ansagen minimieren die Missverständnisse, das gilt bei Dié in vielen Lebenslagen. Auch am Sonntag im Training dirigiert er die Nebenleute, gibt Anweisungen und macht an seinem dritten Tag in Stuttgart den Eindruck, er sei schon ewig beim VfB. „Er scheut sich nicht, den Mund aufzumachen“, sagt Sportvorstand Robin Dutt.

Das ist Dié zuletzt beim FC Basel nicht so gut bekommen: Sein Zerwürfnis mit Trainer Paulo Sousa machte den Trennungsschmerz für beide Seiten erträglich – und Robin Dutt vorsichtig optimistisch: „Wir sind stolz, dass wir einen Afrika-Cup-Sieger verpflichten konnten. Das hatte sich bei den Gesprächen noch nicht abgezeichnet“, sagt der Sportvorstand und hebt „die aktive Balleroberung“ als feinste Qualität von Dié hervor: „Seine kämpferischen Qualitäten werden uns helfen.“

Der VfB sei „ein großer Club“ und verfüge über „eine sehr gute Mannschaft“ mit „sehr guten Spielern“, sagt Dié höflich. In Hoffenheim habe er „gute Dinge gesehen, die Mannschaft hat gut gespielt“, und Platz 18 in der Tabelle empfindet er offenbar als vorübergehende Erscheinung: „Jede Mannschaft hat mal einen Moment, in dem es nicht läuft.“ Das ehrt ihn, im besten Fall gibt er damit seinen neuen Mitspielern ein Signal, das so wertvoll sein kann wie seine körperliche Präsenz: Womöglich ist Dié der Mutmacher, den alle so dringend nötig haben.

Christian Gentner wollte es genau wissen und hat Basels Kapitän Marco Streller angerufen, der früher selbst das VfB-Trikot getragen hat. Bei Streller hat er sich nach Dié erkundigt. Was er da gehört und seither gesehen hat, ist weitgehend deckungsgleich: Dié geht dahin, wo es wehtut – ihm oder auch dem Gegner. Dié ist aber auch Therapeut und Seelsorger, wenn er prophezeit: „Mit einem einzigen Sieg können wir unsere Blockade lösen.“ Was zu beweisen wäre.

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