Thomas Schneider, Co-Trainer der Nationalelf. Foto: dpa

Thomas Schneider, der Co-Trainer der Nationalelf spricht über den Jugendfußball, seine Aufgaben – und den VfB Stuttgart.

Sindelfingen - Thomas Schneider (42) staunt nicht schlecht, als er die Zahlen der Superlative auf dem Podium zu hören bekommt. Insgesamt 97 Vereine aus 38 Nationen, mehr als 3000 Spieler, fünf deutsche Weltmeister, 21 Jungspunde, die später zu deutschen Nationalspielern wurden – das sind die Pfunde, mit denen der Mercedes-Benz-Junior-Cup in seiner Geschichte wuchern kann. Im Januar steigt nun die 25. Auflage des U-19-Turniers im Glaspalast – und Schneider hat vorher in Sindelfingen vorbeigeschaut, um über den Jugendfußball und andere wichtige Dinge zu sprechen.

Seit Oktober ist der ehemalige VfB-Coach Assistent von Bundestrainer Joachim Löw – er ist ein gefragter Mann, der sich noch genau an seinen eigenen großen Auftritt als ­Jugendspieler im Glaspalast erinnert. 1991 war das, als er mit der VfB-Jugend im Halbfinale ausschied. Der RSC Anderlecht holte später den Pott, doch für den damaligen Jungkicker Schneider war allein die Teilnahme „ein absoluter Höhepunkt“. Nur ein Jahr später, 1992, wurde Schneider dann mit den VfB-Profis deutscher Meister – wovon der Club mittlerweile so weit entfernt ist wie Griechenland von der Schuldenfreiheit.

Der VfB kämpft gegen den Abstieg, was Schneider große Sorgen macht. „Ich leide natürlich immer noch mit“, sagt der Coach, der im März nach einer Niederlagenserie entlassen wurde. Damals kam Huub Stevens für Schneider und sicherte den Klassenverbleib – nun ist der Niederländer wieder an Bord, und Schneider traut ihm die Rettung wieder zu. „Ich bin mir sicher, dass Huub Stevens das Schiff auf Kurs bringen kann, wenn er im Winter eine richtige Vorbereitung absolvieren kann“, sagt er.

Wie auch immer – beruflich widmet sich Schneider mittlerweile der Form der Nationalspieler, und er hat als Co-Trainer hohe Ziele. „Wir werden den ersten Platz in unserer EM-Qualifikationsgruppe attackieren“, sagt er, „und ich bin mir sicher, dass wir unsere Spiele gewinnen werden.“ Das große Ziel sei dann der EM-Titel 2016. Schneiders Aufgabenfeld ist dabei im Arbeitsalltag genau abgesteckt. „Ich plane viele Trainingseinheiten“, sagt er, „ich betreue verschiedene Gruppen auf dem Platz, widme mich den Standards und bereite die Einheiten analytisch auf, zudem beobachte ich die Spieler bei ihren Einsätzen im Alltag und bilde eine Art Schnittstelle im Austausch mit Sportdirektor Hansi Flick und den Junioren-Nationalteams.“

Und manchmal, da zeigt der ehemalige VfB-Jugendtrainer eine klare Kante. Dann etwa, wenn es um die Champions League für U-19-Teams, die Youth League, geht. Die Belastung für die jungen Spieler sei „Wahnsinn“, sagt Schneider: „Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht verheizen. Man darf nicht das Gesamtkonstrukt mit Schule und Ausbildung aus den Augen verlieren und immer mehr draufpacken.“ Junge Menschen, sagt Schneider, bräuchten in ihrer Entwicklung auch Erholungsphasen.

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