Ron-Robert Zieler hat sich beim VfB als Nummer eins etabliert. Foto: dpa

Der 29-jährige VfB-Torhüter überzeugt mit seiner Routine und darf bislang auf eine starke Saison zurückblicken. Hoffnungen auf eine Nominierung für die WM in Russland macht sich Zieler indes keine mehr.

Stuttgart - Auf seinem Trikot prangt die Rückennummer 16, was zeigt, dass der Torhüter Ron-Robert Zieler bei seinem Wechsel von Leicester City zum VfB im vergangenen Sommer nicht das vorgefunden hat, was man im Ländle als gemähtes Wiesle bezeichnet. Schließlich gab es zu Saisonbeginn auf dem Wasen noch die alte Nummer eins Mitch Langerak, den man damals mit dem Attribut „Aufstiegsheld“ versah – und der seine Nummer eins auf dem Torwartleibchen deshalb behalten durfte.

Dann aber war die Saisonvorbereitung vorbei. Und als sich der damalige Trainer Hannes Wolf im ersten Pflichtspiel, der Pokalpartie bei Energie Cottbus „aus sportlichen Gründen“ für den 2014er-Weltmeister Zieler entschied, zog sich Langerak in den Schmollwinkel zurück. Nach allem, was später zu hören war, soll sich Langerak anschließend auch allzu eifrig bei der Clubführung für die eigene Position starkgemacht haben. Die Konsequenz: Der Australier wurde zum spanischen Erstligisten UD Levante abgegeben. Dort kam Langerak aber auch nicht zum Zug – und hütet daher seit diesem Januar das Tor des japanischen J-League-Clubs Nagoya Grampus.

Alle Pflichtspiele komplett absolviert

Ron-Robert Zieler hat sich in Stuttgart derweil als feste Größe etabliert. Als einziger VfB-Profi hat der Keeper vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen seinen langjährigen Arbeitgeber Hannover 96 alle Pflichtpartien über die volle Distanz absolviert. Bei den 96ern hält Zieler gar einen Clubrekord: Schließlich konnte er für die Niedersachsen zwischen 2010 und 2016 satte 180 Spiele am Stück absolvieren: „Ich hatte in Hannover sehr schöne Jahre, daher ist diese Partie weiter etwas Besonderes“, sagt Zieler vor dem Anpfiff am Samstag (15.30 Uhr): „Doch das Hinspiel war noch ein bisschen spezieller, weil es eben die erste Rückkehr war.“

Damals trennten sich beide Clubs am 13. Spieltag durch Tore von Takuma Asano und Niclas Füllkrug mit 1:1 – und der VfB hatte endlich seinen ersten Auswärtspunkt der Saison eingefahren. Viel ist seither passiert. Die Stuttgarter haben sich frühzeitig ihrer Abstiegssorgen entledigt, Hannover schmierte in der Tabelle ab, konnte aber am vergangenen Wochenende mit dem 2:1 über Werder Bremen einen wichtigen Dreier einfahren – und der stets sachlich spielende Zieler, der darf fünf Spieltage vor Schluss ein zufriedenes Zwischenfazit ziehen. „Wir haben eine ordentliche Saison gespielt, wenn man bedenkt, wo wir vor sieben Wochen noch standen“, sagt der Torhüter: „Da haben wir uns stark herausgekämpft. Das war nicht selbstverständlich.“

Schnell die 40-Punkte-Marke knacken

Nun wolle man es aber nicht austrudeln lassen, betont der 29-jährige Ruhepol im VfB-Tor, sondern schnellstmöglich die ominöse 40-Punkte-Marke knacken. „Niemand würde die Augen vor dem internationalen Geschäft verschließen. Wir sind ja Sportler“, ergänzt Zieler: „Aber aktuell kommt das zu früh – und spielt keine Rolle. Zumal das Restprogramm schwer ist.“

Persönlich darf sich der Torhüter, der neben dem Kapitän Christian Gentner und den Routiniers Mario Gomez, Holger Bad­stuber, Andreas Beck und Dennis Aogo zu den Wortführern in der Kabine zählt, ebenfalls ein gutes Zwischenzeugnis ausstellen. „Ich glaube, meine Leistungen stimmen“, sagt der Torhüter, der sich in der gesamten Saison bisher nur einen ganz dicken Bock erlaubte, als er beim Spiel in Hamburg (1:3) im Anschluss an einen Freistoß von Aaron Hunt neben den Ball griff. Mit 34 Gegentoren musste Zieler trotz des 0:3 von Dortmund, der höchsten VfB-Saisonniederlage, weiter die viertwenigsten Treffer hinnehmen – und lobt dabei die Kollegen: „Wir standen hinten zuletzt meist sehr kompakt, was die Basis für unseren Erfolg war.“

Kein Kontakt mehr zur Nationalelf

Einen Traum hat der Schlussmann allerdings zu den Akten gelegt. Als Torhüter Nummer drei hinter Manuel Neuer und Roman Weidenfeller wurde Zieler 2014 in Brasilien Weltmeister. Für die WM in Russland rechnet sich der gebürtige Kölner aber kaum Chancen aus. „Der Bundestrainer hat auf der Torwartposition ja ein Luxusproblem“, sagt Zieler: „Zuletzt hatte ich keinen Kontakt zur Nationalelf. Also mach ich mir darüber auch keine Gedanken.“

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