Bereitet Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung vor: Rainer Mutschler Foto: Bm

Der ehemalige Marketingchef bereitet die umstrittene Ausgliederung der VfB-Lizenzspielerabteilung vor. Dabei steht ihm viel Überzeugungsarbeit bei den kritischen Fans bevor.

Stuttgart - Sein Büro hat er vom Carl-Benz-Center hinüber in die Clubzentrale verlegt. Das sind zwar nur ein paar Meter, doch die bringen Rainer Mutschler einen entscheidenden Vorteil. Er sitzt jetzt mitten in der Zentrale der Macht beim VfB Stuttgart – und damit näher bei jenen Kollegen, die er für seine neue Aufgabe so dringend benötigt wie der Ball die Luft. Beim Präsidenten Bernd Wahler, beim Finanzvorstand Stefan Heim, beim Kommunikationschef Oliver Schraft und beim Hausjuristen Jan Räker. Sie alle bringen ihr Expertenwissen ein ins Projekt „Perspektive VfB“, das Mutschler leitet und das nichts anderes zum Thema hat als die angestrebte Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung und die Umwandlung des VfB e.V. in eine VfB AG. „Das Projekt ist in vollem Galopp“, sagt Mutschler, der seit 1999 fürs Marketing beim VfB zuständig war. Zumindest bis zum 30. Juni 2015.

Dann verpasste sich der VfB eine straffere Führungsstruktur, in der sich Mutschler neu orientieren musste. Jochen Röttgermann, mit dem er seit Jahren das Marketing geleitet hatte, rückte als alleiniger Marketingchef in den Vorstand auf, die darunter angesiedelte Ebene der Direktoren wurde aufgelöst. So kam Mutschler die knifflige Aufgabe zu, die Ausgliederung vorzubereiten – als Nachfolger des bisherigen Projektleiters Stefan Heim, der als neuer Finanzchef in den Vorstand rückte und an dessen Ressort Mutschler angedockt ist. „Das ist alles im Guten gelaufen“, betont er, „ich war selbst seit über einem Jahr an der Strukturgruppe beteiligt, die an der Neuordnung der Vereinsspitze gearbeitet hat.“ Und anspruchsvoll ist ja auch seine neue Aufgabe, wobei kaum auszumachen ist, was bei deren Umsetzung größer ist – die Chancen oder die Risiken.

Jetzt soll sportlich vieles besser werden

Am 11. Oktober wird der VfB bei der Mitgliederversammlung in der Porsche-Arena die möglichen Wege zur angestrebten Ausgliederung aufzeigen. Mitte 2016 soll die VfB-Familie dann darüber abstimmen, ob sie die Tür für neue Investoren öffnet, von denen sich der Verein zusätzliche Einnahmen von bis zu 80 Millionen Euro verspricht. Bis dahin sind noch viele wirtschaftliche, juristische und steuerliche Details zu klären, doch die Mammutaufgabe für Rainer Mutschler wird darin bestehen, Fans und Mitglieder von der Notwendigkeit der Ausgliederung zu überzeugen. Und das wird schwer. Denn die Vorbehalte unter den nicht wenigen Traditionalisten sind immens. Sie fürchten um die Identität des Vereins. Außerdem treibt sie die Sorge vor Fremdbestimmung und weniger eigenem Mitspracherecht um. Deshalb betont Mutschler: „Die Beteiligung unserer Mitglieder an dem Prozess der Ausgliederung ist dem Verein sehr wichtig.“

Auf Regional- und einzelnen Fanclubversammlungen will er für Inhalte und Ziele des Projekts werben. Öffentlich redet er darüber nicht, um falsche Zungenschläge zu vermeiden. Schließlich benötigt der VfB bei der Mitgliederversammlung eine 75-Prozent-Mehrheit, um die Ausgliederung auf den Weg zu bringen. Wie schwierig sie zu erreichen ist, hat der Verein im Frühjahr erfahren, als ihm Fans und Mitglieder aufgrund der sportlichen Schieflage die Gefolgschaft verweigerten.

Jetzt soll sportlich vieles besser werden, zudem ist Mutschler ein kommunikativer Typ. „Wir wollen und müssen alle relevanten Gruppen auf unseren Weg mitnehmen“, sagt er. Bis zu 2000 Reformgegner werden dem VfB-Umfeld zugerechnet, dafür muss Mutschler mindestens 6000 Befürworter einer Ausgliederung mobilisieren. Es gibt einfachere Aufgaben.

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