Fordert mehr Mitspracherecht für VfB-Mitglieder: Thomas Haas Foto: Baumann

Der neugegründete VfB-Fanclub „Vision Zukunft“ setzt sich für mehr Transparenz, Demokratie und Mitbestimmung im Verein ein – bisher ohne Resonanz der VfB-Granden.

Stuttgart - Sie sind teilweise seit Jahrzehnten Mitglieder, ihr Herz schlägt Tag und Nacht für Weiß-Rot. Sie ahnen oder wissen, wo es im Verein klemmt, was dessen Fortschritt hemmt. Und sie haben Vorschläge. Viele Vorschläge, denen bisher eines gemein ist: Sie werden nicht erhört. Das soll sich ­ändern. Deshalb hat eine Initiative aus engagierten, nicht organisierten VfB-Mitgliedern, die meisten aus der Wirtschaft und der Kommunalpolitik, den Fanclub „Vision Zukunft“ gegründet. „Einziger Zweck ist eine strukturelle Neuaufstellung des Vereins“, sagt das Gründungsmitglied Thomas Haas.

Haas (58) ist kein Unbekannter. 2013 bewarb er sich (vergebens) um das Präsidentenamt, davor und danach warb er bei Jahreshauptversammlungen um eine stärkere Einbindung der rund 45 000 Mitglieder in die Entscheidungsprozesse des Vereins. „Nach der anstehenden Umwandlung in eine AG müssen die Mitglieder mehr Mitspracherecht bekommen“, sagt Haas – und ist darin einig mit den anderen Gründungsvätern: Erich Hägele (71/Vorsitzender des Sportkreises Rems-Murr), Julian Osswald (50/OB von Freudenstadt) und Peter Drescher (54/Zahnarzt aus Bad Cannstatt).

Künftig soll mehr als ein Bewerber für das Präsidentenamt möglich sein

Ihr Anliegen umfasst mehrere Punkte: Die VfB-Satzung aus dem Jahr 1995 ist veraltet, eine neue muss her. Analog zum Fanausschuss soll ein Mitgliederausschuss das Präsidium beraten und die Verwendung von Stimmrechten und die Abgabe von Aktien kontrollieren. Und: Ein Vereinsbeirat mit gewählten Vertretern aus dem Fan- und dem Mitgliederausschuss sowie kooptierten Vertretern soll das entscheidende Organ unterhalb des Präsidiums sein, das Mitspracherecht und Einfluss erhält. So soll der Beirat Wahlvorschläge für das Amt des (ehrenamtlichen) Präsidenten prüfen dürfen, wobei mehr als ein Kandidat möglich sein soll. Den Kandidaten für den Aufsichtsrat muss der Beirat zwingend zustimmen – Ergebnis der zuletzt zweimal versagten Entlastung durch die Mitglieder, die Julian Osswald „eine Bankrotterklärung für den VfB“ nennt. „Bisher gab es einen inneren Zirkel, der sich selbst für Ämter vorgeschlagen hat und sich hat wählen lassen. Das muss transparenter werden“, fordert Haas.

Die Inhalte der „Vision Zukunft“ sind dem VfB seit Januar bekannt, geschehen ist nichts. „Der VfB ist nicht erkennbar bereit, andere Strukturen einzuführen“, folgert Julian Osswald daraus – und hofft, dass sich mehr gleichgesinnte VfB-Mitglieder dem neuen Forum anschließen – ohne Beitrag übrigens (Kontakt: erich.haegele@gmx.net).

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