Jan Schindelmeiser (rechts, mit VfB-Marketingvorstand Jochen Röttgermann) braucht Weitblick. Foto: dpa

Der VfB tut sich schwer, einen Nachfolger für Alexandru Maxim zu finden – und das hat Gründe. So ist das Anforderungsprofil sehr anspruchsvoll – und es fehlt auch Geld.

Stuttgart - Am Tag danach ist Jan Schindelmeiser ein viel beschäftigter Mann. Für den Manager des VfB Stuttgart stehen von morgens bis abends einige Besprechungen auf dem Programm, in denen es auch darum geht, wer denn nun eigentlich der beste Nachfolger für Alexandru Maxim (26) ist. Der Regisseur aus Rumänien wechselte am Dienstag für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro zum FSV Mainz 05. Jetzt ist Schindelmeiser gefordert, der die Lücke im Kader schließen muss, die Alexandru Maxim hinterlassen hat.

Laut VfB spielt Mario Pasalic keine Rolle

Dabei hält sich ein Name hartnäckig: Mario Pasalic (22), der in der vergangenen Saison vom FC Chelsea an den AC Mailand ausgeliehen war. Der Mittelfeldspieler aus Kroatien ist auf dem Markt. Laut VfB spielt er in den aktuellen Überlegungen jedoch definitiv keine Rolle. Aber wenn nicht Pasalic, wer dann?

Noch scheint völlig unklar, wann überhaupt mit einer Antwort zu rechnen ist. Vermutlich dauert es auch, weil das Anforderungsprofil ziemlich anspruchsvoll ausfällt – eine Vorgabe, an der letztlich auch Maxim gescheitert ist, dessen Abgang von nicht wenigen Fans bedauert wird. Er war ein Publikumsliebling auf dem Wasen, er hatte Anteil am direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga, er machte gelegentlich den Unterschied aus – aber er passte trotz seiner technischen Fähigkeiten nur sehr bedingt in die Spielphilosophie, die Schindelmeiser mit seinem Trainer Hannes Wolf entworfen hat.

Dieses Konzept beruht in erster Linie auf Schnelligkeit. Hochgeschwindigkeitsfußball lautet das Stichwort. Mit dieser Tugend will sich der VfB wieder dauerhaft in der Bundesliga etablieren und mittelfristig sogar zur nationalen Spitze aufschließen – und diese Eigenschaften müssen dann auch die Spieler aufweisen, die schon beim VfB unter Vertrag sind.

Sonst haben sie in der nächsten Saison schlechte Karten – wie Jean Zimmer oder Tobias Werner, die kaum auf Einsätze hoffen dürfen und nach Möglichkeit in dieser Transferperiode noch abgegeben werden sollen. Dass es Schindelmeiser und Wolf mit der Umsetzung ihrer Strategie ernst ist, zeigt sich schon daran, dass bisher in Orel Mangala (19) vom RSC Anderlecht erst ein einziger Neuzugang verpflichtet wurde. Damit gehört der VfB in dieser Tabelle momentan zu den Schlusslichtern der Liga, aber das nimmt Schindelmeiser in Kauf.

Er will mit Wolf ein Team bauen, das eine Perspektive besitzt und die Voraussetzungen für die entworfene Spielidee erfüllt. Von daher reduziert sich der Kreis der Kandidaten schon einmal gewaltig. Dazu kommt der finanzielle Aspekt, denn die Mittel sind beim VfB beschränkt. Womöglich scheiterte der Transfer von Pasalic auch daran, denn er wäre kaum für eine Ablöse unter sechs Millionen Euro zu haben gewesen – zuzüglich des Gehalts eines von den Chelsea-Millionen verwöhnten Profis.

Das Grummeln wird lauter

Aber Schindelmeiser spürt auch, dass der Druck steigt und das Grummeln nicht nur im Umfeld, sondern auch in den eigenen Reihen lauter wird – nachdem der VfB einen bei vielen Anhängern beliebten Spieler wie Maxim für vergleichsweise wenig Geld ziehen ließ, ohne gleichzeitig einen Ersatz an der Hand zu haben, den man den aufgewühlten Gemütern präsentieren kann. Das ist eine mutige Herangehensweise, die Schindelmeiser praktiziert.

Aber trotz des Grummelns ist ja auch noch etwas Zeit. Im Augenblick laufen der Confed-Cup und die U-21-EM, zwei Turniere, die der VfB mit seinen Scouts im Blick hat und bei denen sich womöglich personelle Optionen eröffnen, die zuvor nicht auf dem Radarschirm aufgetaucht sind. So war es im Jahr 2005, als sich die beiden Mexikaner Pavel Pardo und Ricardo Osorio ins VfB-Rampenlicht gespielt haben. Wiederholt sich die Geschichte? Dann hätte Schindelmeiser alles richtig gemacht.

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