Härtetest gegen Manchester City: Martin Harnik (li.), Stephen Sama Foto: Bm

Härtetest gegen ManCity: Noch ähnelt der VfB Stuttgart einer Wundertüte. Gegen Manchester City muss er zeigen, was in ihm steckt – ein Duell unter ungleichen Vorzeichen.

Stuttgart - Sie sind weit gereist in den vergangenen Wochen. Rund 40 000 Kilometer haben die Fußballprofis von Manchester City in der Vorbereitung auf die neue Saison zurückgelegt, die nächstes Wochenende mit dem Premier-League-Spiel bei West Bromwich Albion beginnt. Von der Insel ging es über Australien und Vietnam zurück nach Manchester. Von dort ist die Millionentruppe nach Stuttgart geflogen, wo an diesem Samstag (17 Uhr/Sport 1 live) das Testspiel beim VfB ansteht. „Ich freue mich riesig“, sagt Trainer Alexander Zorniger, „Manchester ist ein Weltklasseteam, das wird eine richtige Standortbestimmung für uns.“

Er könnte auch sagen: ein Duell unter gänzlich ungleichen Voraussetzungen, finanziell und damit auch sportlich. Der VfB ist zuletzt mit seinem Vorhaben gescheitert, Antonio Rüdiger für 18 Millionen Euro an den Mann zu bringen und dadurch seine Kasse zu entlasten. Manchester dagegen hat kürzlich 69 Millionen Euro in die Hand genommen und das Talent Raheem Sterling (20) vom FC Liverpool verpflichtet, der 13 Millionen Euro pro Saison verdient – nur die jüngste einer Reihe von sündhaft teuren Neuerwerbungen. Über eine Milliarde Euro hat Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan in den Kader investiert, seit der Ölprinz aus Abu Dhabi den Club im Jahr 2009 übernommen hat. Im Dezember 2014 eröffnete der Verein ein 250 Millionen Euro teures Nachwuchszentrum mit 16 Fußballplätzen, einem Indoorplatz und einem Stadion für 7000 Zuschauer. Die Vier-Sterne-Zimmer, in denen die Spieler ihr müdes Haupt zur Ruhe betten, wurden von anerkannten Schlafforschern konzipiert. Luxus pur, doch über Geld reden die Neureichs von der Insel nicht – sie haben es einfach. Wozu auch die Fernseheinnahmen in der Premier League beitragen. 133,7 Millionen Euro kassierte City in der vergangenen Saison, der VfB kam auf rund 28 Millionen Euro. Mit dem neuen Fernsehvertrag, der von 2016 bis 2019 gilt, kommen die Clubs der Premier League sogar auf durchschnittlich 158 Millionen Euro pro Saison, City auf deutlich mehr.

Der Test als Mutprobe

So gesehen könnte den VfB-Anhängern vor dem direkten Duell angst und bange werden. Doch erstens ist Geld nicht alles – in der Champions League schied City in der vergangenen Saison schon im Achtelfinale aus. Und zweitens bekommt es das Team von Trainer Manuel Pellegrini ja jetzt mit dem neuen VfB zu tun. Und der will nicht nur brüllen, sondern zubeißen. Getreu dem Motto von Alexander Zorniger: „Wir wollen für jeden Gegner eine richtige Bedrohung sein.“

Also auch für ManCity – oder in der Liga für Bayern München und den VfL Wolfsburg. Vergangene Saison hat der VfB in der Bundesliga gegen keine der ersten neun Mannschaften einen Sieg gelandet, das soll sich ändern – nicht zuletzt dank des neuen Spielsystems, das jetzt erstmals ernsthaft auf dem Prüfstand steht. Und von dem Zorniger hofft, dass es jeder Einzelne seiner Profis auch innerlich annimmt. Deshalb ruft er den Test zur Mutprobe aus. „Ich will positive Typen in meiner Mannschaft sehen und keine, die sagen: Hoffentlich geht das gegen einen so starken Gegner nicht schief“, sagt Zorniger. Dabei weiß er: „Jeder hat seine Zuversicht in seine Stärken, aber auch seine Bedenken in Bezug auf seine Schwächen.“ Die, schärft er seinen Spielern ein, sollen die Nebenleute ausbügeln. So soll eine Einheit auf dem Platz stehen, die keinen Gegner fürchtet.

Und wenn es schiefgeht? Dann korrigiert Zorniger seine Tagesarbeit, über den Haufen werfen wird er sie nicht. „Mich fragen manche Leute: Müssen die Neuerungen so ex­trem sein? Da sage ich: Ja!“ Weil es nicht genüge, bloß rauszugehen und zu kicken, sondern weil die Mannschaft eine neue Handschrift benötige.

Zorniger jedenfalls ist nicht bange. „Wir haben ein Niveau erreicht, das zum jetzigen Zeitpunkt kaum höher sein könnte“, sagt er. Das muss die Mannschaft jetzt ausleben – und mit einem Erfolgserlebnis weiter Zuversicht tanken. „Was gegen City funktioniert, wird in der Bundesliga wahrscheinlich auch funktionieren“, hofft Zorniger.