Vier Mitglieder des VfB Stuttgart wollen eine außerordentliche Mitgliederversammlung erreichen und dort Abwahlanträge stellen. Präsidium und Vereinsbeirat haben darauf nun reagiert.
Dem VfB Stuttgart, so viel ist klar, stehen entscheidende Wochen bevor. In den restlichen acht Bundesligaspielen dieser Saison will der Club seine Zugehörigkeit an der Fußball-Bundesliga sichern. Womöglich über die Relegationsspiele. Das erste Quasi-Endspiel auf dem Weg zur Rettung steigt am Sonntag in Bochum. Doch auch abseits des Sportlichen wird es spannend. Zügig nach der Saison könnte es nämlich für die Vereinsgremien des VfB zu einer Art Endspiel kommen.
Am Mittwochabend jedenfalls ist online eine Aktion gestartet worden, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung erreichen möchte. Damit der Antrag erfolgreich ist, müssen ihn zehn Prozent der stimmberechtigten Mitglieder, also rund 6500, stellen. Wird dieses Quorum erreicht, ist der Club verpflichtet, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Dort wollen die Initiatoren der Aktion dann jeweils einen Antrag auf die Abwahl der drei Präsidiumsmitglieder Claus Vogt (Präsident), Rainer Adrion und Christian Riethmüller sowie aller sieben verbliebenen Vereinsbeiräte stellen.
Ziel, so heißt es, sei nicht zwingend die Abwahl aller Gremiumsmitglieder, man wolle aber „mit dem Votum klar machen, wem vertraut wird und wem nicht“. Das Misstrauen, dass der Aktion zugrunde liegt, richtet sich vor allem gegen Clubchef Claus Vogt. „Wir erleben neben der sportlichen Talfahrt auch ein durch die Mitglieder empfundenes Misstrauen gegenüber den Gremienmitgliedern“, heißt es. Und weiter: „Dies begründet sich vor allem im Auftreten und Verhalten von Präsident Claus Vogt und seinen Entscheidungen (und auch Nichtentscheidungen) im VfB.“ Verantwortlich zeichnen die VfB-Mitglieder Christoph Burandt, Andreas Waldner, Hans Dürr und Monica Wüllner.
Herausgabe von Daten kann rechtens sein
Präsidium und Vereinsbeirat des VfB Stuttgart e. V. haben mittlerweile auf den Antrag reagiert. In einem Schreiben an die Mitglieder bemängeln sie, aufgrund dieses Antrags könnten sie sich „nicht allein auf den Klassenerhalt konzentrieren“. Angeschrieben worden sind alle Mitglieder per Mail, auf der Homepage des Vereins wurde das Schreiben bislang nicht veröffentlicht. Man werde, so heißt es, sich auf der Mitgliederversammlung im September allen Fragen stellen. Eingegangen wird zudem darin auf eine mögliche Herausgabe von Mitgliederdaten zugunsten der Aktion. Es sei „zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen man den VfB Stuttgart e. V. zwingen kann, personenbezogene Daten aller Mitglieder an Dritte weiterzugeben“.
Hintergrund: Die Initiatoren würden gerne per Mail oder Brief so viele Mitglieder wie möglich anschreiben, versichern aber, dies „unter strikter Beachtung des Datenschutzes“ tun zu wollen. Dass ein zur Verfügung stellen der Daten zu einem solchen diesem Zwecke und bei berechtigtem Interesse für die Mitglieder rechtens sein kann, zeigt ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahre 2010, auf das in dem Aufruf verwiesen wird. 2019 wurde das Urteil in Hannover in Bezug auf Hannover 96 bestätigt.
Im Wortlaut, den der VfB in seinem Schreiben gewählt hat, sieht die Initiative „das übliche Muster“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Es werde „ ein satzungsgemäßes Recht der Mitglieder skandalisiert und vom eigentlichen Thema und Inhalt abgelenkt“.
Von den VfB-Mitgliedern, die bislang auf den Aufruf aufmerksam geworden sind, hatten bis zum Donnerstagabend 764 den Antrag unterzeichnet und eingereicht, mittlerweile sollen es über 1000 sein. Nach Ostern, heißt es, werde erneut die dann aktuelle Zahl veröffentlicht. Zudem sind bislang 2329 Euro von 62 Spendern eingegangen. Um Zuwendungen haben die Initiatoren gebeten, um anfallende Kosten zu decken, dabei gehe es um „die betreuende Anwaltskanzlei sowie die Datenverarbeitung durch einen externen Dienstleister, der E-Mail-Versand und vor allem der mögliche Postversand einige tausend Euro kosten“. 15 000 Euro sollen erreicht werden, die Abrechnungen am Ende der Aktion transparent dargestellt werden.
Bis 22. Mai wollen Burandt, Waldner, Dürr und Wüllner die nötige Zahl an Anträgen beisammen haben. Der VfB hat derzeit rund 76 000 Mitglieder, rund zehn Prozent davon sind nicht stimmberechtigt.