Dreikampf im Tor: Przemyslaw Tyton (li.),Mitch Langerak (Mi.) und Odisseas Vlachodimos Foto: Baumann

Sven Ulreich und Thorsten Kirschbaum machen Platz im Kasten der Roten, doch Torwart-Trainer Andreas Menger setzt lieber auf externe Keeper statt auf eigene Talente – ein verzwicktes Puzzle mit fragwürdigen Folgen.

Mayrhofen - Mitch Langerak und Przemyslaw Tyton belegen im Trainingslager des VfB im Zillertal gemeinsam ein Zimmer. Dabei sind die beiden nicht nur Torhüter, sondern auch Rivalen im Kampf um die Nummer eins – und entsprechend ehrgeizig. „Es ist normal, dass jeder von uns spielen will“, sagt Langerak (26). „Wenn einer mit der Reservistenrolle zufrieden wäre, würde etwas falsch laufen“, sagt Tyton (28) und verspricht: „Wir werden uns gegenseitig antreiben.“ Was Torwarttrainer Andreas Menger gern hört: „Das ist ein gutes Zeichen für einen sauberen, fairen Zweikampf.“

Genau dieser Zweikampf aber irritiert manche Beobachter. Schließlich ist Menger stolz darauf, alle Stammkeeperpositionen bis hinunter zur U 15 mit Nationalspielern besetzt zu haben. Mehr noch: Ziel ist es, sie kontinuierlich nach oben zu führen, bis in die Bundesliga. Zumindest ist das die Theorie. In der Praxis aber lauern Fallstricke.

Die Abgänge der Profi-Torhüter Sven Ulreich (26/für 3,5 Millionen Euro zum FC Bayern) und Thorsten Kirschbaum (29/für knapp 500 000 Euro zum 1. FC Nürnberg) ­relativieren das schöne Modell, weshalb Menger seinerseits bemüht ist, die Zweifel an ihm und seiner Arbeit zu relativieren. „Gedacht war, dass Kirschbaum in diesem Sommer, ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags, gegen eine Ablöse nach Nürnberg geht. Deshalb haben wir einen erfahrenen Konkurrenten für Ulreich gesucht und in Tyton gefunden“, sagt er – für eine Million Euro. Als sich Ulreichs Wechsel nach München abzeichnete, sei klar gewesen: „Wenn wir einen Torhüter auf diesem Niveau finden, holen wir ihn.“ Deshalb ist der bisherige Dortmunder Langerak für 2,5 Millionen Euro jetzt beim VfB, wo er sich dem Duell mit Tyton stellt. Auf der Strecke – und Nummer drei im Tor – bleibt Odisseas Vlachodimos (21). Dem Eigengewächs haben sie den Stammplatz noch nicht zugetraut, „und als Nummer zwei würde er kaum spielen. Spielpraxis ist für ihn aber das A und O“, sagt Menger. Die holt sich Vlachodimos, was angedacht ist, womöglich bald als Leihspieler in der zweiten Liga. Oder weiter beim VfB II, wo er ebenfalls auf neue Konkurrenz trifft.

Die Nummer zwei in der zweiten Mannschaft ist an Marius Funk vergeben. Dennoch verpflichtete der VfB jüngst Niklas Bolten (21) von Borussia Mönchengladbach. „Marius ist bei der U-19-EM und fällt den ganzen Juli aus“, sagt Menger, „deshalb können wir unsere Spiele ja nicht absagen.“ Also musste Ersatz für den Ersatz her, zumal der interne Kandidat Kenan Mujezinovic (20) gerade zu den Würzburger Kickers gewechselt ist. „Wir bringen nach wie vor viele Torwarttalente heraus“, sagt Menger, „aber es kann nur einer spielen. Fördern bedeutet für mich aber, dass die Torhüter zum Einsatz kommen.“ Bestenfalls beim VfB oder gegen Ablöse woanders. „Seit ich hier bin, hat der VfB einen zweistelligen Millionenbetrag aus Verkäufen von Torhütern eingenommen. So schlecht kann unser Modell also nicht sein“, sagt Menger – und tritt Meldungen entgegen, er selbst habe zuletzt einen Wechsel zu Schalke 04 angestrebt: „Ich habe mit niemandem dort gesprochen“, beteuert er, „mein Antrieb ist es, das Beste für den VfB und seine Torhüter herauszuholen.“ Auch wenn Irritationen unvermeidlich sind.