Wieder im Team: Martin Harnik (Mi., mit Filip Kostic/li. und Serey Dié) Foto: Bm

VfB-Angreifer Martin Harnik trifft auf seinen Lieblingsgegner SC Freiburg. Unterdessen blühen die Spekulationen um einen Wechsel zum FC Schalke 04.

Stuttgart - Das Spiel in Augsburg erlebte Martin Harnik auf der Tribüne. Dass der gesperrte Angreifer dort einen ruhigeren Nachmittag erlebt hätte als sonst auf dem Rasen, lässt sich nicht gerade behaupten. Der VfB war die bessere Mannschaft und hatte die besseren Torchancen – und verlor dennoch 1:2. Wieder eine Hoffnung weniger im Kampf um den Klassenverbleib. Das geht an die Nerven. Andererseits kennt es Harnik kaum noch anders. Fünf Jahre trägt er das Trikot mit dem Brustring, doch die meiste Zeit verbrachte er mit dem Verein im Bundesliga-Keller. Was hilft, um Enttäuschungen schneller abzuschütteln. „Wir haben schon häufiger Spiele erlebt, in denen wir mehr verdient gehabt hätten als einen oder keinen Punkt. Deshalb trauern wir dem Spiel in Augsburg nicht nach – weil es nichts bringt“, sagt Martin Harnik (27).

Kopf hoch und weiter!

An diesem Samstag darf Martin Harnik wieder ran. Er hat seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen, und dass nun der SC Freiburg kommt, spielt dem gebürtigen Hamburger in die Karten. Denn das Team aus dem Breisgau ist sein Lieblingsgegner. In elf Partien gegen den SC hat Harnik acht Treffer erzielt, so viele wie gegen keinen anderen Gegner in der Bundesliga. Auch seine drei Torvorlagen gegen Freiburg hat er nur gegen den Hamburger SV (5) übertroffen. Harnik, der Freiburg-Jäger. Woran das liegt? Am SC Freiburg am wenigsten, sagt er, denn die Mannschaft und ihr Personal wandeln sich ja über die Jahre. Harnik sieht die Ursache eher im Derby-Charakter: „In Spielen gegen Freiburg steckt eine besondere Brisanz. Vielleicht setzt das ja etwas frei in mir“, sagt er – und hofft, dass die besondere Atmosphäre die Mitspieler genauso stimuliert.

Denn spätestens jetzt, fünf Spiele vor Saisonende, geht es um alles. Um die Zukunft des Vereins – und um die Zukunft der Spieler, vor allem der etablierten Spieler. Spieler, die beim möglichen Gang in die zweite Liga Begehrlichkeiten der Konkurrenz wecken. Und im Falle des Klassenverbleibs womöglich auch.

Martin Harnik jedenfalls steht bei ­Schalke 04 hoch im Kurs.

Horst Heldt hatte den Österreicher als VfB-Manager einst nach Stuttgart gelockt und seinen weiteren Weg mit Wohlwollen verfolgt. Nun, so ist aus Gelsenkirchen zu hören, prüft er die Eckdaten eines möglichen Wechsels – was Harnik, der beim VfB bis 2016 unter Vertrag steht, kalt lässt. „Im Sommer wird es ein Gespräch mit dem VfB geben“, sagt er, „ich fühle mich wohl hier, deshalb ist eine Verlängerung eine Option. Vielleicht sagt aber auch der VfB, er wolle mich aus wirtschaftlichen Erwägungen ­lieber abgeben.“

Spannender – und offenbar konkreter – ist die zweite Variante. Für den Fall des Abstiegs hat Harnik angeblich eine Ausstiegsklausel von zwei Millionen Euro im Vertrag, was ihn für jeden Bundesliga-Verein interessant macht, wie Harnik bestätigt: „Bei einem Abstieg ist meine Situation eine ganz andere. Natürlich fragen Vereine an, wie es im Falle eines Abstiegs mit mir weitergeht.“

Noch kann er darauf keine Antwort geben, noch ist die Hoffnung auf Rettung groß, beim VfB und bei Martin Harnik. „Ich habe einen ganz wichtigen Auftrag hier“, sagt er. Den will er erfüllen, dafür will er sich reinhauen bis zur letzten Minute der Saison. Weshalb ihm die Pfiffe im Spiel gegen Werder Bremen bis heute wehtun. „Ich bin enttäuscht von den Leuten“, sagt er und meint das Publikum auf der Haupttribüne, das nach zwei vergebenen Riesenchancen keinen Hehl aus seinem Unmut gemacht hatte: „Ich bin fünf Jahre hier, und es gab wenige Spiele, in denen ich nicht alles gegeben habe. Ich habe gezeigt, dass ich nie aufgebe.“

Das können sich alle VfB-Profis zuguteschreiben. Am Wollen lag es ja nie, dass die Mannschaft auf Platz 17 der Tabelle steht. Lange Zeit lag es eher am fehlenden Können. Oder besser: am mangelnden Bewusstsein. Es sind ja noch viele Spiele, hieß es lange im Verein und im Umfeld, die Qualität der Mannschaft sei groß genug, das werde schon gutgehen. Pustekuchen! „Das hat sich beim einen oder anderen Spieler eingebrannt, der dann die Situation vielleicht unterschätzt hat.“ Spät haben sie den Schalter umgelegt – zu spät? „Die letzten Spiele haben gezeigt: Wir können kämpfen, beißen, Chancen herausspielen und Tore erzielen“, sagt Harnik. Dieses Wissen ist im Endspurt der Saison zusätzliches Kapital für den VfB. Der SC Freiburg soll es zu spüren bekommen.

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