Schwimmübungen statt Fußballtraining: VfB-Neuzugang Marco Rojas schiebt unter der Anleitung des Konditionstrainers im Pool Sonderschichten. Foto: Pressefoto Baumann

Er startete in Down Under und tauchte in einer fremden Welt auf. Jetzt kämpft Marco Rojas beim VfB Stuttgart um den Anschluss. Keine leichte Aufgabe, erst recht nach seinem Mittelfußbruch.

Donaueschingen - Wenn die Kollegen draußen in der Hitze trainieren, ist Marco Rojas nicht unbedingt neidisch. Er bleibt im Hotel, da muss er nicht schwitzen. Zumindest merkt er es nicht. Dass ihm trotzdem das Wasser am Körper hinunterläuft, liegt daran, dass er seine Arbeit vornehmlich im Pool verrichtet. Nicht beim Planschen, nein – mit Christos Papadopoulos. Unter der Anleitung des Konditionstrainers schiebt der Neuzugang von Melbourne Victory Sonderschichten. „Wir versuchen alle Muskelgruppen und Körperteile auszupumpen, außer die verletzten“, sagt Papadopoulos. Im Testspiel gegen eine Hohenlohe-Auswahl hatte sich Rojas den Mittelfußknochen gebrochen – fünf Wochen Pause. „Ich würde natürlich lieber mit der Mannschaft trainieren, aber das Wichtigste ist, dass ich schnell gesund werde und fit bleibe“, sagt der Neuseeländer. Dafür sorgt Papadopoulos. Im Wasser sollen die Ausdauereffekte ähnlich groß sein wie beim Training auf dem Platz.

Schließlich hat Rojas (21) schon genug zu kämpfen, um körperlich mitzuhalten. In Melbourne dauerte die Saisonvorbereitung vier Monate, beim VfB vier Wochen – und das auf einem höheren Niveau. „Es ist viel anstrengender hier“, stöhnt das schmächtige Offensivtalent über die drei Einheiten täglich, „das Training beim VfB ist so hart wie die Spiele in Australien.“ Auch das Training im Wasser: Rojas schwimmt sich frei.

Beim VfB muss er sich hinten anstellen

In Melbourne war ihm vieles zugeflogen, da hob ihn sein Talent über die anderen hinaus. Nach 15 Toren und acht Torvorlagen wählten ihn die Profis der A-League vergangene Saison vor Alessandro del Piero zum Spieler des Jahres und zum Talent des Jahres. Beim VfB muss er sich hinten anstellen. „Ich glaube an mich. Wenn ich fit bin, hebe ich die Hand und zeige dem Trainer, dass ich bereit bin für die erste Elf“, sagt Rojas.

„Exciting“, aufregend, sind die ersten Wochen für ihn gewesen. Gestaunt hat er über die 30 000 Fans, die vergangenen Sonntag zur Saisoneröffnung kamen: „In Melbourne kommen da höchstens 2000“, sagt er. Dass die Anhänger die Mannschaft zu allen Spielen und ins Trainingslager begleiten, kennt er so auch nicht. Wobei die Entfernungen in Australien auch deutlich größer sind.

Spätzle, Maultaschen und Wurstsalat – „Schmeckt alles gut.“

Papa Rodrigo begleitet ihn, er wird die ersten Monate mit dem Sohn in Stuttgart wohnen, vorerst noch im Hotel. „Das macht es einfacher für mich“, sagt Marco Rojas und lobt die Mitspieler: „Die haben es mir einfach gemacht, mich einzugewöhnen.“ Zwischen den Einheiten paukt er Deutsch. „Kleine Sätze kann ich schon sprechen“, sagt er. Im Restaurant etwa bestellt er auf Deutsch und wundert sich: „Zu jedem Essen gibt es hier Kartoffeln, immer wieder Kartoffeln.“ Nun ja, zum Glück gibt es auch Spätzle. Maultaschen und Wurstsalat. „Das habe ich alles schon probiert“, sagt Rojas. Und? „Schmeckt alles gut.“

Somit lenkt ihn, abgesehen von seiner Verletzung, nichts ab, was gut ist für den VfB, für Rojas – und für dessen Ambitionen in der Nationalmannschaft. Bei Olympia in London war er schon, zur WM nach Brasilien will er noch. Als Gruppensieger der ozeanischen WM-Qualifikation muss sich Neuseeland jetzt noch gegen den Vierten der Nord- und Mittelamerika-Qualifikationsgruppe durchsetzen, dann ist Rojas 2014 dabei. Das spornt ihn zusätzlich an, ganz zur Freude von Christos Papadopoulos: „Wenn ich zu Marco bei einer Übung sage, er soll 30 Wiederholungen machen, macht er 35.“ Er muss ja auch nicht schwitzen dabei. Zumindest nicht spürbar.

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