Weiter mit Jürgen Kranny (re.) oder doch lieber mit einem neuen Trainer? VfB-Sportvorstand Robin Dutt überlegt noch Foto: Rudel

Nach dem letzten Vorrundenspiel will Sportvorstand Robin Dutt das Geheimnis auf der Trainerbank des VfB Stuttgart lüften. Noch ist Interimscoach Jürgen Kramny im Rennen.

Stuttgart - Bestimmte Formulierungen lassen eigentlich wenig Raum für Interpretationen. So auch nicht der Satz, ausgesprochen von VfB-Sportvorstand Robin Dutt nach dem 0:0 beim FSV Mainz 05. „Lasst den Jürgen doch noch in Ruhe diese zwei Spiele machen.“ Danach ist Schluss für Kramny – und ein neuer Trainer übernimmt. Alles klar also – oder etwa nicht?

Nichts ist klar. Auch wenn Robin Dutt seinen „Plan“, von dem er sprach, „ein, zwei Tage“ nach dem letzten Hinrundenspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen den VfL Wolfsburg verkünden will. Den kleinen zeitlichen Aufschub möchte er sich gewähren, um die Arbeit von Jürgen Kramny abschließend zu bewerten – wozu freilich auch der Auftritt im Achtelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch (19 Uhr/Sky) gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig einfließt. Solange gilt nach drei Bundesligaspielen und zwei Punkten unter der Regie des Interims-Coaches: Alles ist offen.

Das spricht für Kramny: Die Tendenz nach der Entlassung von Alexander Zorniger stimmt positiv – auch den Sportvorstand. „Ich habe in Mainz weitere Fortschritte erkennen können“, sagt Dutt. Auch wenn sich die Punkteausbeute bescheiden ausnimmt und die Roten auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen sind: Der Auftritt in Mainz war das beste, was der VfB seit langem auf den Rasen brachte. Kramny habe an den „richtigen Stellschrauben gedreht“, lobte Dutt, speziell in puncto Mannschaftsführung und Taktik. Tatsächlich erinnert das Gebaren an die Anfangszeit unter Huub Stevens. Vor ziemlich genau einem Jahr gelang es dem Niederländer nach dem Rücktritt von Armin Veh, die Mannschaft mit ähnlich simplen Mitteln zu stabilisieren. Allen voran mit einer engen defensiven Grundordnung, die es dem Gegner schwer macht, sein Spiel aufzuziehen. Das neu formierte Innenverteidiger-Duo Toni Sunjic und Georg Niedermeier schloss in Mainz die Schießbude und spielte zu Null – erst zum dritten Mal in dieser Saison. Kramny schreckt vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück – wie etwa den Verzicht auf Timo Baumgartl in der Innenverteidigung oder die frühe Auswechslung des in Mainz neben sich stehenden Serey Dié. Vereinsintern kommt das gut an.

Magath ist kein Kandidat

Fakt ist: Viel falsch gemacht hat der 44-Jährige in seinen ersten drei Bundesligaspielen auf der Trainerbank des VfB Stuttgart nicht. Bekäme er die Chance als Chef, dann aber sicher nicht ohne einen erfahrenen Co an seiner Seite. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder der Name Damir Buric auf – ein alter Bekannter aus Dutts Trainertagen.

Das spricht gegen Kramny: An der grundlegenden Skepsis gegenüber dem vormaligen VfB-II-Trainer haben all die Mini-Erfolge nichts ändern können. Nach wie vor gibt es im Vorstand Zweifler, die dem 44-Jährigen die schwierige Mission in der Rückrunde nicht zutrauen. Mit nur zwölf Punkten aus 16 Spielen steht der VfB-Trainer vor einem Himmelfahrtskommando. Dafür braucht es einen Trainer mit Erfahrung – und Nerven wie Drahtseile.

Zum Vergleich: In der Vorsaison brachten es die Jungs aus Cannstatt vor dem letzten Spieltag der Hinrunde immerhin auf 16 Zähler. Den Verantwortlichen wäre inzwischen wohler beim Gedanken an einen Retter bis Saisonende, auch wenn Präsident Bernd Wahler dies bis vor kurzem noch als B-Lösung abtat. Der am Sonntag hoch gehandelte Felix Magath ist aber kein Kandidat. Daran ändert auch der im letzten Moment geplatzte Deal mit dem japanischen Club Sagan Tosu nichts. Damit beschränkt sich der Kreis der Kandidaten weiter auf die Namen Lucien Favre, Tayfun Korkut und einen unbekannten Dritten.

Die Mannschaft hat sich mit öffentlichen Bekundungen pro Kramny bislang zurückgehalten. Das ist zwar nicht ihr Job – es hat ihr aber auch niemand verboten, klar auszusprechen, mit Kramny in die Rückrunde gehen zu wollen.

Diese Chance bietet sich ihr aber immer noch auf dem Platz. Zwei Siege gegen Braunschweig und Wolfsburg wären ein schlagendes Argument.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: