Erleichterung: Die VfB-Profis Sunjic (li.) und Dié nach dem Sieg gegen Eintracht Braunschweig Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hofft zum Hinrundenfinale gegen den VfL Wolfsburg auf die positive Wirkung des Pokalsiegs gegen Braunschweig – denn danach wartet eine Herkulesaufgabe.

Stuttgart - Nein, als Kampfansage wollte er seinen Seitenhieb in Richtung Marcel Schäfer nicht verstanden wissen. Und wer Christian Gentner da stehen sah, am Mittwochabend in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena, der wusste auch, warum.

Der Kapitän des VfB Stuttgart trifft am Samstag (18.30 Uhr/Sky) mit seinem Team zum Hinrundenschluss auf den VfL Wolfsburg, dort spielt sein Kumpel Schäfer, der sich, so meinte Gentner, womöglich nach der Partie über eine Niederlage ärgern müsse. Ein Punktgewinn, ein Sieg – das sind Ziele, die sie haben beim VfB gegen einen anscheinend übermächtigen Gegner. „Es ist unser Wunsch, ein positives Ergebnis zu erzielen“, sagte auch Trainer Jürgen Kramny. Doch die reine Zuversicht strahlte kaum einer aus.

Gentner etwa wirkte müde, was kein Wunder war nach den 120 Minuten, die der VfB für das Weiterkommen im Pokal gegen Eintracht Braunschweg (3:2) gebraucht hatte. „Wir sind gut trainiert“, sagte er dennoch, „es darf jetzt keine Ausreden geben.“ Er gab aber auch zu, dass die Vorrunde mit dem neuerlichen Abrutschen, dem erneuten Trainertausch und der wieder einmal erforderlichen Aufholjagd die psychische Belastung auf hohes Maß hievte. „Prickelnd wird es selbst bei einem Sieg für uns nicht“, sagte Gentner. Dennoch wäre er enorm wertvoll.

Lieberknecht plädiert für Kramny

Für die Mannschaft, die ganz langsam das Vertrauen in das wiederfindet, was sie am Ende der vergangenen Saison stark gemacht hat: Defensiv sicherer stehen und dank einer ordentlichen Balance im Spiel dennoch Chancen herausspielen, die für einen Sieg reichen können.

Für den Trainer, der zwar schon fleißig Argumente für seine Weiterbeschäftigung gesammelt hat, letzte Zweifel bei einem Sieg in vier Spielen aber noch nicht wegwischen konnte. Torsten Lieberknecht, der Coach des Gegners vom Mittwoch, plädierte immerhin für Jürgen Kramny: „Ich glaube, sie tun gut daran, ihm das Vertrauen zu schenken.“ Die Zeichen gehen in diese Richtung.

Am Montag will Sportvorstand Robin Dutt verkünden, wie der Verein die Trainerfrage beantwortet. Klar ist schon jetzt: Die Rückrunde wird für den Coach und seine Mannschaft zur Herkulesaufgabe – denn selbst die maximal noch möglichen 15 Punkte wären alles andere als eine gute Basis. Und das Team macht zwar Fortschritte, gerade der mühsam errungene Erfolg gegen den Zweitligisten aus Braunschweig offenbarte aber auch bekannte Schwächen, die über den Jahreswechsel nicht wie eine Silvesterrakete gen Himmel entschwinden werden. „Wir machen nicht die entscheidenden Schritte“, klagte Genter. Das Erfolgserlebnis soll dennoch Wirkung erzielen.

„Das Gefühl des Sieges wird die Beine befreien“, hofft Jürgen Kramny mit Blick auf die überschaubare Regenerationszeit nach den 120 Minuten vom Mittwoch, „man braucht als Mannschaft diese Glücksmomente.“ Um aus dem Keller zu kommen, möglichst oft – und im besten Fall bereits wieder am Samstag gegen Wolfsburg. „Wir werden alles in die Waagschale legen“, sagte Gentner – als Versprechen an die Fans. Nicht als Kampfansage an den VfL.

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