Florian Klein (links) saß beim Spiel gegen Düsseldorf auf der Tribüne. Alexandru Maxim (rechts) ist Edelreservist auf der Bank. Foto: Baumann

Hannes Wolf hat klare Auswahlkriterien welcher Spieler es beim VfB Stuttgart in die Startelf schafft. Zuletzt saß auch ein Nationalspieler auf der Tribüne, doch das kann sich schon gegen Sandhausen ändern.

Stuttgart - Das Feld war bereitet. Der VfB Stuttgart führte gegen Düsseldorf mit 2:0, aber von Minute zu Minute ließ die Mannschaft von Hannes Wolf nach, und sie lief auch Gefahr, die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Also war es Zeit, einen Impuls von außen zu setzen, um wieder etwas an Spielstruktur und Spielkultur zu gewinnen. Am besten mit einem frischen Offensivmann, dachte sich der Trainer.

Doch Wolf winkte nach einer Stunde nicht Alexandru Maxim heran, sondern Josip Brekalo – und spätestens in diesem Moment muss dem Mittelfeldspieler klar geworden sein, dass er beim Blick auf die Einwechselkräfte nicht mehr die erste offensive Option ist. Es gibt jetzt weitere Bankreserven, die den Kader des Zweitligisten für viele als Luxuskader erscheinen lassen.

Hannes Wolf variiert ständig seine Aufstellung

Nach dem Abpfiff hat Maxim jedoch keinen Missmut zur Schau getragen. Er hat mit der Mannschaft vor der Fankurve gejubelt und auch später nichts zu seiner sportlich schwierigen Situation gesagt. Im Club werten sie dieses Verhalten als clever, aber ebenso als ein Indiz dafür, dass sich der Rumäne mit einer neuen Rolle arrangieren könnte. Denn schließlich hat sich die Nummer zehn des VfB oft genug als verkannter Spielmacher gefühlt.

Doch nach den schwäbischen Wintertransfers ist die Leistungsdichte gerade so hoch, dass ein Nationalspieler wie Maxim auch vor Augen geführt bekommen hat, dass es ihn noch härter treffen kann. Statt auf der Ersatzbank würde er dann auf der Tribüne sitzen. Wie Florian Klein, ebenfalls Nationalspieler und im vergangenen Sommer noch EM-Teilnehmer für Österreich.

„Die Situation für jeden Einzelnen kann sich aber wieder ganz schnell ändern“, sagt der Manager Jan Schindelmeiser, denn was zählt, ist auch die hundertprozentige Bereitschaft, sich dem Mannschaftserfolg unterzuordnen. Zudem gibt es noch diesen von Spieltag zu Spieltag variierenden Matchplan des Trainers, der unter anderem dazu geführt hat, dass Wolf in seinen 14 Pflichtspielen als VfB-Chefcoach 14 unterschiedliche Aufstellungen bekannt gegeben hat.

„Wir kämpfen um jeden Spieler“

Es ist die Tuchelisierung des Stuttgarter Fußballs, weil Thomas Tuchel schon zu seiner Zeit als Mainzer Trainer den Stammspielerstatus selbst für Teams ohne Zusatzbelastungen durch den Europapokal für überholt erklärte. Es geht immer nur um die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit für die nächste Partie, wie Mentor Tuchel dem Nachwuchscoach Wolf während der gemeinsamen Zeit in Dortmund vermittelte. Entsprechend wird das Personal ausgewählt – und ausgewechselt.

„Es war eine krasse Entscheidung, Florian Klein nicht zu nominieren“, sagt der Trainer, „aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, dass Spieler auf der Tribüne sitzen.“ Zumal Wolf darauf achtet, dass er Profis nicht grundsätzlich auf das Abstellgleis schiebt, sondern nur vorübergehend. „Wir kämpfen um jeden Spieler“, sagt Wolf zu seinen Grundsätzen.

Keiner muss sich also abgehängt fühlen, nur weil er ein-, zwei- oder dreimal nicht dabei war. So rutschte Hajime Hosogai, der beim Rückrundenstart auf St. Pauli nicht zum 18-köpfigen Kader gehörte, gegen Düsseldorf wieder rein. Bedingt durch die Verletzung von Matthias Zimmermann. So stand aber auch Jean Zimmer am Hamburger Millerntor in der Anfangself und nicht Carlos Mané. Der Kämpfer hatte schlichtweg besser trainiert als der Techniker.

Lob für Reservist Maxim

Die Wahrscheinlichkeit, dass es für das Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den SV Sandhausen wieder Verschiebungen gibt, ist demnach hoch. Klein könnte in den Kader zurückkehren. Ebenso Berkay Özcan, das Talent, das in der Hinrunde viel Einsatzzeit erhielt und in der Rückrunde bisher nicht zu den Auserwählten zählte.

Gerade ihm wie auch Maxim wird eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. „Unsere Wertschätzung erfolgt ja nicht nur über die Einsatzzeit“, sagt Schindelmeiser, der gerne Energiebilanzen aufmacht, um zu sehen, welcher Spieler sich über das Spiel hinaus positiv in die Gruppe einbringt.

„Alexandru Maxim hat sich zuletzt exzellent verhalten“, sagt der Manager über den Edelreservisten. Und da Özcan sein körperliches Tief überwunden zu haben scheint sowie Klein unabhängig von seinem bald auslaufenden Vertrag Trainingsfleiß bescheinigt wird, könnte es nun neue Härtefälle geben. Denn bei Wolf gibt es nur klare Auswahlkriterien, aber keine Garantien. Auch nicht für den wieder genesenen Daniel Ginczek, der gegen Düsseldorf ebenfalls eingewechselt wurde – und dem Trainer zu sehr auf das eigene Tor aus war anstatt auf das Mannschaftsspiel.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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