Top oder Flop? Die Stuttgarter Neuverpflichtungen zu Beginn der Saison liefern bislang viel Durchschnitt – nur eine sticht heraus.
Viel wird über die Qualität des Stuttgarter Kaders und die Einkaufspolitik des Sportdirektors Sven Mislintat diskutiert. Doch wie haben sich die diesjährigen Neuzugänge im bisherigen Saisonverlauf geschlagen? Wir nehmen Serhou Guirassy, Josha Vagnoman, Luca Pfeiffer, Dan-Axel Zagadou und Juan José Perea einmal genauer unter die Lupe.
Serhou Guirassy (26/Angriff): Mit vier Toren führt der Franzose die interne Torjägerliste der Stuttgarter an. Vier Tore in neun Spielen sind eine gute Quote für den Angreifer, der den VfB am vergangenen Dienstag mit seinem sehenswerten Führungstreffer gegen Hertha BSC auf die Siegerstraße brachte. Vor dem Tor erweist sich die Leihgabe von Stade Rennes als abgebrühter Torjäger, der nicht nur auf Zuspiele wartet, sondern sich Chancen auch selbst erarbeitet und andere in Szene setzt. 21 Torschüsse und neun Torschussvorlagen sind ebenfalls eine gute Bilanz. Schwächen offenbart Guirassy im Spiel gegen den Ball (nur eine Balleroberung in neun Spielen) und in puncto Schnelligkeit. Weder agiert der Stürmer besonders handlungsschnell noch übermäßig sprintstark. Seine gemessene Höchstgeschwindigkeit auf dem Platz beträgt 32,6 Stundenkilometer. Teamintern reicht das nur zu Platz 14. Dennoch: Guirassy ist der Top-Neuzugang.
Josha Vagnoman (21/Verteidiger): Der Ex-Hamburger war von Saisonbeginn an auf der rechten Seite gesetzt. Als sogenannter Wingback, als Flügelverteidiger mit Offensivdrang, ähnlich wie Borna Sosa auf links. Doch dann wurden all jene in ihren Zweifeln bestätigt, die vor der Verletzungsanfälligkeit des 3,5 Millionen Euro teuren Neuzugangs gewarnt hatten. Ein Knochenödem zwang Vagnoman zu einer sechswöchigen Pause. So stehen erst sieben Einsätze in 14 Partien zu Buche, zwei davon über 90 Minuten, die sich am ehesten mit solide überschreiben lassen. Offensiv wie defensiv ohne Ausschläge nach oben wie nach unten, sticht bei Vagnoman seine Kopfballstärke hervor: Mit 71,4 Prozent gewonnener Luftzweikämpfe führt er die teaminterne Rangliste an.
Luca Pfeiffer (25/Angriff): 2,5 Millionen Euro ließ sich der VfB den Mittelstürmer kosten, der zuletzt in Dänemark auf Torejagd ging. Anders als bei Vagnoman ging es für Pfeiffer im Verlauf der Hinrunde nach stotterndem Start langsam aufwärts. Unter Pellegrino Matarazzo anfangs wenig berücksichtigt, nahm sich Pfeiffer durch seine Rote Karte beim Spiel in Köln selbst aus dem Spiel. Erst unter Nachfolger Michael Wimmer kommt der 1,96 Meter große Hüne häufiger zum Zug – meist als Teil einer Doppelspitze mit Guirassy. Pfeiffer ist stets anspielbar und ein guter Ballverteiler. In zehn von 14 Spielen (eines davon über 90 Minuten) kommt er auf 22 Torschussbeteiligungen und neun Torschussvorlagen. Als Torjäger trat der frühere Kickers-Stürmer dagegen noch nicht in Erscheinung. Die nackte Bilanz mit zwei Treffern im Pokal liest sich mager. Vor dem Tor agiert der Angreifer oft unglücklich. Besonders schnell ist Pfeiffer auch nicht. Sein Maximaltempo betrug 31,5 Stundenkilometer – nur drei VfB-Spieler waren langsamer.
Dan-Axel Zagadou (23/Verteidiger): Überraschend zauberte Mislintat den früheren Dortmunder nach Ende der Wechselfrist noch aus dem Hut. An Daxo scheiden sich unter den Fans die Geister. Die einen halten ihn für einen technisch begnadeten Innenverteidiger, robust und mit viel Vorwärtsdrang, die anderen schlicht für einen Bruder Leichtfuß. Beides hat man von dem Franzosen im VfB-Trikot schon gesehen. In Erinnerung bleibt vor allem sein schlimmer Patzer im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Seine bisherigen Daten sind mittelmäßig. Seine Zweikampfquote von 58,3 Prozent ist schlechter als die anderer Innenverteidiger wie Konstantinos Mavropanos (63,1) und Waldemar Anton (61,6), aber immer noch die fünftbeste im Team. Und mit 86 Prozent erfolgreicher Zuspiele ist Zagadou der beste unter den Stuttgarter Abwehrspielern.
Juan José Perea (22/Angriff): Der Kolumbianer, vor der Saison für 2,5 Millionen Euro aus Griechenland gekommen, trat bisher am wenigsten von allen Neuzugängen in Erscheinung. Perea kam in sieben von 14 Partien zum Einsatz, jeweils als Einwechselspieler. Noch ist der Angreifer ohne Scorerpunkt. Unterm Strich steht also eine durchschnittliche Bilanz der Stuttgarter Neuzugänge, die auch in der Marktwertentwicklung Ausdruck findet: Laut der Plattform „Transfermarkt.de“ blieben sämtliche Werte seit Saisonbeginn unverändert.