Augsburg, der VfB, Hannover und Nürnberg kommen am Tabellenende der Fußball-Bundesliga kaum vom Fleck. Foto: Ruckaberle

Der VfB hat seit der Winterpause erst einen Punkt aus fünf Spielen geholt – und ist trotzdem noch nicht abgeschlagen. Dies liegt daran, dass das Quartett am Tabellenende so wenige Punkte besitzt wie lange nicht.

Stuttgart - Der Blick in die Bundesliga-Datenbank ist für die Freunde des VfB Stuttgart kein angenehmer, denn für Erheiterung sorgt die Statistik dieser Tage auf gar keinen Fall. Hier nur die wichtigsten Zahlen und Fakten rund um das rot-weiße Dilemma: Niemals zuvor in seiner Clubgeschichte hat der Verein für Bewegungsspiele nach 22 Spieltagen so wenige Punkte geholt wie in der laufenden Runde. Lediglich 15 Zähler haben die Akteure mit dem Brustring bisher erspielt. Nur vier Siege und drei Unentschieden bei 15 Niederlagen nach 22 Ligapartien, das hat es auch vor Einführung der Dreipunkteregel, bis zurück in die glorreichen Zeiten von Robert Schlienz und Co. in den fünfziger Jahren, beim VfB noch nicht gegeben.

Auch die Tordifferenz von minus 32 sorgt beim VfB für einen clubinternen Negativrekord. 18 Tore haben die Stuttgarter erst geschossen, sage und schreibe 50-mal musste der Stuttgarter Torwart Ron-Robert Zieler in dieser Runde bereits hinter sich greifen. Zum Vergleich: Im vergangenen Mai war es derselbe Torhüter, der mit damals nur 36 Gegentreffern bei Saisonschluss hinter dem FC-Bayern-Schlussmann Sven Ulreich auf den zweitbesten Wert in der Bundesliga kam.

Die Werte der VfB-Spieler stimmen nicht

Zudem durfte der ehemalige Sportvorstand Michael Reschke kurz vor seinem Abgang beim VfB zu Recht darauf verweisen, dass er ohne den zum VfL Wolfsburg abgewanderten Daniel Ginczek zwölf von 13 Stammspielern aus der vergangenen Saison gehalten hatte. „Doch alle unsere Spieler ohne Ausnahme“, so klagte Reschke noch mit Blick auf Zweikämpfe, Laufleistung et cetera, „weisen in dieser Runde schlechtere persönliche Werte auf als in der vergangenen Saison.“

Bei all dieser numerischen Tristesse mutet es fast schon wie ein kleines Fußballwunder an, dass der VfB im Abstiegskampf auch nach dem 1:3 gegen RB Leipzig, der sechsten Niederlage im siebten Spiel in ­Serie, keinesfalls auf verlorenem Posten steht. Vorausgesetzt, er punktet wieder. Dies liegt daran, dass sich in dieser Spielzeit die letzten vier Vereine der Bundesliga ein wahres Schneckenrennen im Tabellenkeller liefern. Mit seinen 15 erspielten Punkten rangiert der VfB aktuell auf dem Relegationsplatz 16. Eine so geringe Ausbeute hat in den vergangenen Jahren zum selben Zeitpunkt nie gereicht, um Drittletzter zu sein. Denn im Schnitt hatten die Teams auf Rang 16 in den letzten zehn Jahren 19,5 Punkte.

Mario Gomez sieht den VfB im Aufwind

„Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir zwei Teams hinter uns lassen – vielleicht sogar drei“, sagt der Stürmer ­Mario Gomez, der die Stuttgarter trotz der abermals null Punkte aus dem Duell mit Leipzig im Aufwind sieht. „Vieles von dem, was in den vergangenen Spielen nicht gepasst hat, war diesmal viel besser“, sagt Gomez – und meint damit neben dem deutlich selbstbewussteren Auftreten gegen die Sachsen auch den wenn auch nur leichten Aufwärtstrend in Sachen Zweikampfführung und Kombinationsspiel.

Auf den Fünftletzten Schalke besitzt der VfB zwar bereits acht Punkte Rückstand, doch Augsburg (18 Punkte) liegt durchaus in Schlagdistanz, Hannover (14) und Nürnberg (13) sind gar noch schlechter. „Wir müssen uns natürlich auch mit der Relegation beschäftigen“, sagt Torhüter Zieler. Die beiden K.-o.-Spiele um den Klassenverbleib werden am 23. und 27. Mai ausgetragen. Wäre jetzt Schluss, hieße die Paarung hier VfB gegen den 1. FC Köln, und es würde unter anderem ein Wiedersehen mit dem ehemaligen VfB-Torjäger Simon Terodde geben sowie mit dem 2007er-Meistertrainer Armin Veh, der beim FC aktuell als Geschäftsführer Sport fungiert.

Doch so weit ist es noch nicht. Zwölf Spiele liegen noch vor dem VfB, darunter auch die drei Partien gegen die direkten Konkurrenten im Schneckenrennen um den Klassenverbleib. Gegen Augsburg (1:0) sowie in Nürnberg (2:0) hat die Elf von Trainer Markus Weinzierl in der Vorrunde gewonnen, in Hannover gab es eine 1:3-Niederlage, nach welcher der Weinzierl-Vorgänger Tayfun Korkut gehen musste.

Hannover 96 als treuer Wegbegleiter

Klar ist trotz aller Schwächen der Konkurrenten, dass die Klasse ohne weitere Siege nicht gehalten werden kann. Am Freitag (20.30 Uhr) tritt der VfB in Bremen an, wo die letzten drei Partien verloren gingen. In Erinnerung ist dabei noch das bittere 2:6 am 32. Spieltag des Abstiegsjahres 2016. In zwei Wochen geht es im Anschluss an das Bremen-Gastspiel dann gegen Hannover 96, den treuen Wegbegleiter des VfB bei dem Abstieg 2016 sowie dem sofortigen Wiederaufstieg 2017. Dies ist ein sogenannten Sechs-Punkte-Spiel gegen einen direkten Konkurrenten.

Hoffnung gibt es also noch. Denn zu guter Letzt findet sich auch im statistischen Datenmaterial ein Mutmacher von Gewicht: So sind in den vergangenen zehn Jahren von den Teams, die nach 22 Spieltagen Drittletzter waren, nur der SC Freiburg 2005 sowie der 1. FC Kaiserslautern 2012 direkt abgestiegen. Die restlichen acht haben sich direkt gerettet – oder es zumindest in die Relegation geschafft.

Der VfB ist nach 22 Spieltagen Drittletzter. Lesen Sie in unserer Bildergalerie, wie es den Clubs am Saisonende ergangen ist, die in den vergangenen zehn Jahren auf Platz 16 rangierten.

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