VfB Stuttgart II Marc Kienle tauscht die Rollen

Von Jürgen Frey 

Freut sich auf seine neue Rolle: Marc Kienle. Foto: Baumann
Freut sich auf seine neue Rolle: Marc Kienle. Foto: Baumann

Er wäre 2014 beinahe der Assistent von Joachim Löw geworden und machte sich zu Beginn des Jahres als Manager Sportkoordination für den Erhalt der zweiten Mannschaft beim VfB Stuttgart stark. Nun übernimmt Marc Kienle Verantwortung als Trainer der Regionalligaelf.

Stuttgart - Natürlich schaut Marc Kienle, wann immer es geht, die Spiele der Fußball-WM. Und natürlich schießt ihm bei den Spielen der deutschen Mannschaft durch den Kopf, dass er selbst jetzt da unten auf der Bank sitzen könnte. Neben Bundestrainer Joachim Löw. Als sein Assistent. So war das vom DFB vorgesehen im September 2014 – doch Kienles damaliger Club, der Drittligist SV Wehen Wiesbaden, ließ ihn nicht ziehen und verwehrte dem 45-Jährigen diese Riesenchance. „Ich werde häufig darauf angesprochen, aber das Thema ist abgehakt, ich konzentriere mich auf meine aktuelle Aufgabe“, sagt Kienle.

Marc Kienle wird Nachfolger von Andreas Hinkel

Die aktuelle Aufgabe ist eine neue Aufgabe beim alten Verein. An diesem Mittwoch (10 Uhr) startet Kienle als Trainer des VfB II in die Vorbereitung auf die kommenden Regionalliga-Saison (Start 28./29. Juli). „Ich freue mich, wieder auf dem Platz zu stehen“, versichert der Nachfolger von Andreas Hinkel. Zuletzt war der ehemalige Profi von Juni 2016 an im roten Haus in der Mercedsstraße eher im Büro anzutreffen. Manager Sportkoordination nannte sich die Berufszeichnung. Jetzt ist er wieder Trainer. Wie schon von 2007 bis 2011 in der VfB-Jugend, wie schon 2012/13 in der U 19 des FC Bayern und wie schon in Wiesbaden, wo der Beinahe-Löw-Assistent im April 2015 entlassen wurde.

Lange war beim VfB diskutiert worden, ob die zweite Mannschaft nicht doch lieber abgemeldet werden sollte. Sportvorstand Michael Reschke legte keinen gesteigerten Wert mehr auf die Reserve, Kienle gehörte zu den glühenden Verfechtern einer U 23. „Nach intensiven Gesprächen“ (Kienle) kamen die VfB-Verantwortlichen zu der Entscheidung, mit einer U 21 weiter am Ball zu bleiben. Kienle ist heilfroh darüber. „Klar gibt es immer wieder Überflieger wie Timo Baumgartl oder Berkay Özcan, die sofort den Sprung in die Bundesliga schaffen, aber der eine oder andere Spieler braucht einfach Zeit, sich zu entwickeln.“ Er denkt an Rani Khedira, der über den VfB II den Sprung in die Bundesliga zu RB Leipzig und zum FC Augsburg schaffte. Oder an Phillipp Mwene, der künftig für den FSV Mainz 05 in der Beletage sein Können zeigt.

Kienle über die Zwischenstufe Regionalliga und seine junge Rasselbande

Die Zwischenstufe Regionalliga hält Kienle für optimal. Spiele gegen Teams wie Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach oder den 1. FC Saarbrücken seien „eine gute Schule“ für die Asse von morgen. Der Etat wurde nach unten geschraubt, der Kader verkleinert – und als Folge der selbst auferlegten U-21-Philosophie ist das Team noch jünger als bisher. Mittelfeldspieler Lukas Kiefer (25) ist die erfahrene Säule im Team. Auch Routinier Tobias Werner (32) steht beim Trainingsstart auf dem Feld. Ob er dabeibleibt, entscheidet sich im Laufe der Woche. Acht Abgängen stehen zehn Neuzugänge gegenüber, fünf davon aus der eigenen U 19. Im Laufe der Saison soll auch die eine oder andere Verstärkung aus dem eigenen Profikader das Team unterstützen. „Sonst wird es schwer für uns“, vermutet Kienle, der hofft, dass Nicolas Sessa beim VfB bleibt. Der Offensivmann (elf Regionalliga-Tore 2017/18) hat seine Klasse oft gezeigt, die meisten aus Kienles neuer Rasselbande müssen diesen Nachweis erst noch erbringen. Weshalb sich der Coach mit einem Saisonziel noch schwertut: „Wir müssen erst mal in die Saison reinkommen. In ein, zwei Monaten lässt sich alles besser einschätzen.“

Der Trainer jedenfalls gibt alles – gemeinsam mit seinem neuen Assistenten Walter Thomae, dessen bisherige Rolle als Sportlicher Leiter des VfB II Kienle in Personalunion übernimmt. Den bisherigen Co-Trainer Oliver Barth zieht es als Assistenztrainer zu Zweitligist SpVgg Greuther Fürth. Im Gegensatz zu Kienle 2014 wurde ihm der Karrieresprung nicht verbaut.

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