Der Stuttgart Sportchef hat einen ehemaligen Schützling an der Angel: Maximilian Philipp von Dynamo Moskau. Foto: dpa/Tom Weller

Beim VfB wird ein Stürmer von Dynamo Moskau heiß gehandelt. Jenem Club, dem starkes Interesse an Erik Thommy nachgesagt wird. Gut möglich also, dass sich die Fans noch über einen Neuzugang im Sturm freuen dürfen.

Stuttgart - Der Flirt des VfB Stuttgart mit dem Angreifer Maximilian Philipp, er ist einer mit einer längeren Vorgeschichte. So begann das Buhlen um den Stürmer mit dem strammen Rechtsschuss, der auch auf Rechtsaußen spielen kann, bereits in der Ära des Ex-Managers Michael Reschke im November 2018. Der inzwischen 26 Jahre alte Philipp, der im Sommer 2017 den SC Freiburg für die damals clubinterne Rekordablöse von 20 Millionen Euro in Richtung Borussia Dortmund verlassen hatte, war beim BVB nicht mehr so richtig glücklich. Denn bei den Westfalen gab es unter dem Cheftrainer Lucien Favre an Marco Reus und Paco Alcácer kein Vorbeikommen.

 

Letztlich aber blieben Reschkes Anwerbeversuche seinerzeit erfolglos. Denn am Ende ist Profifußball ja auch eine Frage des Geldes, weshalb Philipp den Stuttgartern im Mai 2019 erneut einen Korb gab. Statt zum Absteiger VfB wechselte der Berliner, der schon das Ende seiner Juniorenzeit in Freiburg verbracht hatte, vergangenen Sommer nach Russland zum Traditionsclub Dynamo Moskau. Jenem Club, für den einst auch der Ex-VfB-Stürmer Kevin Kuranyi spielte.

Klappt der Wechsel im dritten Anlauf?

Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, könnte aus den losen Flirts zwischen Philipp und dem VfB nun im dritten Anlauf tatsächlich ganz schnell heiße Liebe werden. So sind sich beide Parteien nach Informationen unserer Zeitung in den vergangenen Wochen ganz nahe gekommen – auch eine schnelle Einigung ist nach aktuellem Stand der Dinge gut möglich. Drahtzieher des Planes, Maximilian Philipp endlich an den Neckar zu lotsen, ist dabei der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Jener Mann also, der sich zu seiner Zeit als Dortmunder Chefscout bereits intensiv mit dem Stürmer beschäftigt hat.

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In Pandemiezeiten samt leerer Clubkassen sind beim Aufsteiger allerdings viel Flexibilität und Kreativität gefragt, um Transfers dieser Größenordnung zu stemmen. Immerhin liegt der Marktwert des 1,83 Meter großen Stürmers, der bei Dynamo einen Vertrag bis 2023 besitzt, noch bei elf Millionen Euro. Für die Russen schoss Philipp in der Vorsaison in 20 Einsätzen acht Tore. In der laufenden Saison hat er es nach acht Erstligapartien noch zu keinem Spiel über 90 Minuten gebracht. Am Montag gegen Grozny fehlte er ganz im Dynamo-Kader. Um sich für den VfB frei zu dribbeln?

„Wenn wir keinen Spieler mehr abgeben, machen wir nichts“, hatte derweil der VfB-Sportdirektor Mislintat die Transferhaltung seines Clubs am Montag letztmals klar umrissen. Und tatsächlich könnte sich auch auf der Stuttgarter Abgabeseite etwas tun, wobei der Name des robusten Außenstürmers Erik Thommy immer deutlicher in den Fokus rückt.

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Klar ist, dass man den in der Vorsaison zum Erstliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf verliehenen Thommy bei den Stuttgartern für einen der Spieler hält, dessen Abgang im 31 Spieler starken Kader sportlich zu kompensieren wäre. Zudem könnte ein Verkauf des gebürtigen Ulmers, dessen Marktwert bei rund sechs Millionen Euro liegt, trotz der durch Corona weltweit schwierigen Gesamtlage auf dem Transfermarkt dem VfB rund vier Millionen Euro in die Kasse spülen.

Das Problem dabei: Thommy ist verletzt, seit er sich im ersten Testspiel der Stuttgarter im Tiroler Trainingslager gegen den FC Liverpool (0:3) am 22. August den Ellenbogen brach. Allerdings dürfte der 26-Jährige in ein bis zwei Wochen wieder auf dem Platz stehen – und es gibt für ihn laut diverser Medienberichte auch einen ganz heißen Interessenten. Der Name des Clubs: Dynamo Moskau. Schließt sich damit der Kreis zu Philipp?

Thommys Mutter ist Russin

Thommy beträte mit einem Engagement in Moskau jedenfalls keine völlig fremde Welt – denn seine Mutter ist Russin. „Ich spreche nicht wirklich sehr gut Russisch – ich verstehe alles, aber da ich die Grammatik nicht kenne, kann ich es wahrscheinlich nicht sehr gut sprechen“, erklärte der 26-Jährige vor Jahren in einem Interview.

Ein Leihgeschäft ist angedacht

Leihen und nicht kaufen – das scheint derweil die vom VfB angestrebte Erfolgsformel in Sachen Maximilian Philipp zu sein. Wobei in derlei Fällen meist von einer einjährigen Vertragslaufzeit auszugehen ist. Drei Millionen Euro könnten in diesem Fall für die Stuttgarter fällig werden, die zudem noch das Gehalt des Spielers stemmen und sich mit Dynamo obendrein über die Möglichkeit einer Kaufoption oder gar Kaufpflicht verständigen müssten. Klar ist, dass Philipp Gehaltseinbußen hinnehmen muss, weil beim VfB der Rubel nicht so schnell rollt wie in Moskau.

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Da allerdings keine der Hürden unüberwindbar erscheint, können sich die VfB-Fans womöglich noch auf einen namhaften Neuzugang freuen, ehe der Transfermarkt in diesem Jahr spät, nämlich am 5. Oktober, seine Pforten schließt.