Silas muss 50 000 Euro bezahlen und zwei mehrstündige Trainingseinheiten mit Jugendlichen abhalten. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel/IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

VfB-Profi Silas Katompa wird wegen Urkundenfälschung verurteilt, bricht vor dem Amtsgericht aber aus anderen Gründen in Tränen aus.

Im Fußball hängt viel von der richtigen Taktik ab, manchmal auch außerhalb des Platzes. Dass es dabei nicht immer läuft wie geplant und gewünscht, bekam Silas Katompa Mvumpa (24) am Mittwoch bei seinem Duell mit der Stuttgarter Justiz zu spüren. Gewonnen hat der VfB-Profi in dieser Auseinandersetzung nichts – und dazu noch im Amtsgericht einen emotional schmerzhaften Vormittag erlebt, der in Tränen endete. „Heute bin ich frei“, sagte Silas Katompa sichtlich bewegt, „aber es gab Zeiten, da habe ich gelebt wie ein Sklave.“ Vor einer Verurteilung schützte ihn das nicht.

 

Der Fußballprofi war 2019 unter dem Namen Silas Wamangituka für eine Ablösesumme von acht Millionen Euro vom französischen Zweitligisten Paris FC zum VfB gewechselt. Im Frühjahr 2021 machte er öffentlich, dass er von seinem früheren Berater gezwungen worden war, diese falsche Identität anzunehmen. Nach einer Anzeige der Stuttgarter Ausländerbehörde erließ die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. Unter anderem wegen Urkundenfälschung und Erschleichung eines Aufenthaltstitels sollte Silas Katompa 48 000 Euro bezahlen (60 Tagessätze zu 800 Euro) – ausgehend von einem Vertrag aus Zweitligazeiten des VfB, in dem ein monatlicher Mindestverdienst von 24 000 Euro netto festgeschrieben war. Nachdem der Profi seinen Kontrakt kürzlich bis Juni 2026 verlängert hat, gehört er nun zu den Topverdienern bei dem Bundesligisten. Sein Jahresgehalt liegt nach Informationen unserer Zeitung bei rund 2,5 Millionen Euro.

Berater Mehmet Eser: „Silas ist ein Opfer“

Insofern wäre es kein großes Problem für Silas Katompa gewesen, die 48 000 Euro an die Staatskasse zu überweisen und damit die Sache aus der Welt zu schaffen. Er, seine Berater Mehmet Eser und Yanataio Manuel sowie sein Anwalt Dietrich-Wilhelm Fortmann (Bochum) haben sich anders entschieden – und Widerspruch eingelegt. „Der Junge ist ein Opfer“, sagte Eser, „er kann nichts für das, was sein früherer Berater in Frankreich mit ihm gemacht hat.“

Dass es nicht die Idee von Silas Katompa gewesen sei, mit einem gefälschten Pass nach Deutschland einzureisen, räumte auch Oberstaatsanwältin Alexandra Neidhard ein. Und trotzdem hätte sich der VfB-Profi ersparen können, was er sich sonst noch anhören musste.

Tiefe Einblicke ins Privatleben

Richterin Susanne Böckeler attestierte dem Fußballer, der von einer Dolmetscherin jedes Wort übersetzt bekam, „in Dingen des täglichen Lebens sicher nicht der Bewandertste“ zu sein, „nicht unbedingt die Reife eines 24-Jährigen zu besitzen“ und dass er sich als Vorbild vieler Jugendlicher überlegen müsse, „mit gutem Beispiel voranzugehen und zu seinen Fehlern zu stehen“. Weiter erklärte die Richterin, „enttäuscht“ darüber zu sein, dass ihr auch nach Aufforderung der aktuelle Vertrag mit dem VfB nicht vorgelegt worden sei. Zudem habe Silas Katompa einen Gesprächstermin mit der Jugendgerichtshilfe nicht wahrgenommen: „Das ist nicht prickelnd und sehr schade.“

Doch damit nicht genug: Silas Katompa musste auch tiefe Einblicke in sein Privatleben gewähren. Er erzählte, wie er als Jugendlicher im Kongo die Schule abbrechen musste, weil seine Eltern die Gebühren nicht mehr bezahlen konnten. Wie er mit dem ersten Geld, das er als Fußballer verdiente, seine Eltern und die drei Schwestern unterstützte. Wie er nach Europa kam, an den falschen Berater geriet („Er hat sogar meine Bankkarten verwendet“) und nicht reisen durfte. Wie er selbst Vater von heute zweijährigen Zwillingsmädchen wurde, die mit seiner Verlobten in Belgien leben. Nur auf die Frage, wie viel er derzeit netto verdient, gab Silas Katompa keine Antwort: „Das weiß ich nicht.“

Silas Katompa ist Deutschland dankbar

Zu diesem Zeitpunkt hatte der VfB-Profi mit seinem Anwalt und den Beratern bereits entschieden, den Einspruch auf die Rechtsfolgen zu beschränken – es wurde also nur noch über die Höhe des Strafmaßes verhandelt. „Es tut mir sehr leid. Ich übernehme die Verantwortung für mein Verhalten“, sagte Silas Katompa abschließend in einer emotionalen Erklärung, „das alles ist sehr schwer für mich. Ich habe viele schlechte Dinge erlebt. Erst mein Wechsel nach Deutschland hat mir die Augen geöffnet und mir ermöglicht, glücklich und unabhängig zu sein. Dafür bin ich Deutschland dankbar.“ Nun muss er allerdings auch etwas zurückgeben.

Staatsanwältin Neidhard forderte eine Geldstrafe von 60 000 Euro für Silas Katompa. Vieles sei dabei zu seinen Gunsten zu werten: sein Geständnis, sein Vertrauen in den falschen Berater, dass kein Vermögensschaden entstanden sei, dass er durch die gefälschte Identität keine Vorteile gehabt habe. Ähnlich sah es Richterin Böckeler. „Wir haben heute nicht den Profi kennengelernt, der angehimmelt wird, sondern den Menschen, der einem leidtun kann, weil er ein Gefangener im goldenen Käfig war, während sein Geld ein anderer ausgegeben hat“, sagte sie, „eigentlich ist Herr Mvumpa ein anständiger Kerl, der nun die Rechnung für Dinge bezahlen muss, die er nicht zu verantworten hat.“

Das Geld geht an karitative Organisationen

Zu einer Strafe von 50 000 Euro wurde Silas Katompa verurteilt, das Geld geht an fünf karitative Organisationen in Stuttgart. Und der VfB-Profi muss an zwei Tagen ein mehrstündiges Training mit Jugendlichen abhalten. Nach dem Urteil zeigte sich, dass nicht nur im Fußball taktische Feinheiten unterschiedlich bewertet werden können, sondern auch vor Gericht. „Das Geld geht statt in die Staatskasse nun an soziale Einrichtungen“, meinte Mehmet Eser, der Berater von Silas, „der Widerspruch hat sich also gelohnt.“