Gonzalo Castro (vorne) will sich beim VfB wieder in die Startelf spielen. Foto: Baumann

Weil der 31-Jährige in Stuttgart bisher unter Form spielte, hatte ihm der Trainer Markus Weinzierl zuletzt eine kleine Auszeit verordnet. Im Spiel bei Ex-Club Leverkusen dürfte Castro aber wieder auflaufen.

Stuttgart - Das Zahlenwerk seiner Karriere ist ein beeindruckendes: 486 Pflichtspiele in der Bundesliga, im DFB-Pokal sowie auf internationalem Parkett hat Gonzalo Castro bereits auf dem Buckel, wenn an diesem Freitagabend (20.30 Uhr) für den Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart unter dem Bayer-Kreuz ein Rendezvous mit der Vergangenheit ansteht.

Allein 370-mal trat Castro im Trikot der Leverkusener an. Jenem Club also, in dem der in Wuppertal geborene Sohn spanischer Auswanderer bereits als Zwölfjähriger anheuerte. Ein gewisser Michael Reschke, seinerzeit Nachwuchsleiter im Hause Bayer, hieß den jungen „Gonzo“ damals herzlich willkommen, ehe dieser dann bis zu seinem Wechsel zu Borussia Dortmund 2015 ein Leverkusener blieb.

Als Letzter der Liga kehren Reschke und Castro nun an die alte Wirkungsstätte zurück. Dabei sieht sich der VfB nach dem 2:0-Erfolg von Nürnberg vor der Länderspielpause klar im Aufwind. „So ein Sieg tut gut. Der macht die Köpfe frei“, sagt der Stuttgarter Trainer Markus Weinzierl, der mit seiner Elf in Leverkusen gegen einen der vermeintlich Großen der Liga nun „die schlechte Startphase korrigieren“ will. Denn es kriselt auch beim Team von Trainer Heiko Herrlich. „Wenn du dir nur die Offensivqualität anschaust, ist es eigentlich unvorstellbar, dass sie nur auf Tabellenplatz 13 stehen“, findet Weinzierl.

Weinzierl nimmt Castro aus der Startelf

Auf vertrautem Terrain darf sich aller Voraussicht nach auch Gonzalo Castro als Teil der VfB-Startelf mit an die Stuttgarter Aufholjagd machen. Zuletzt war der 31-Jährige bei Weinzierl ein wenig in Ungnade gefallen, hatte in der Partie gegen Frankfurt (0:3) nur fünf Minuten, sowie zuvor in Hoffenheim (0:4) und danach in Nürnberg gar nicht gespielt. „Gegen Dortmund war es in der ersten Hälfte nicht ganz so stabil – das lag aber nicht nur an ihm“, erklärt Weinzierl, der den Routinier aber aus der Startelf nahm.

Nun dürfte dem im Sommer für eine Ablöse von fünf Millionen Euro von Borussia Dortmund verpflichteten Gonzalo die Rückkehr ins defensive Mittelfeld der Stuttgarter gelingen. Dies hat allerdings auch damit zu tun, dass der Sechser Santiago Ascacibar noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im argentinischen Mendoza beim 2:0-Sieg des zweimaligen Weltmeisters gegen Mexiko 55 Minuten auf dem Rasen stand. Ascacibar hat sich anschließend per Flugzeug direkt ins Düsseldorfer Teamhotel des VfB aufgemacht – allerdings dürfte der Blondschopf in Leverkusen zunächst auf der Bank sitzen. Dies ist für Castro also die Chance, seiner bisherigen Vorstellung im VfB-Dress eine positive Wendung zu geben. Denn bisher spielte Castro deutlich unter der Form.

Ein Lichtblick war das Siegtor gegen Bremen

„Er hat in Stuttgart noch nicht seine beste Leitung abgeliefert. Aber wir wissen, dass er es kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass er wieder die alte Form zeigt. Da bin ich mir relativ sicher“, sagt Markus Weinzierl. Einige punktuelle Lichtblicke, wie etwa das Siegtor Castros gegen Bremen, hat es gegeben – doch insgesamt hatte man sich von der Verpflichtung des Routiniers beim VfB deutlich mehr Stabilität erwartet. Auch der langjährige Wegbegleiter Michael Reschke („Er war mit ein Grund, zum VfB zu gehen“) hat seinem Neuzugang bereits öffentlich ins Gewissen geredet.

„Ich will hier vorne weg gehen und den anderen Spielern helfen“, das hatte Gonzalo Castro zu Saisonbeginn erklärt. Vor dem Gastspiel im alten Revier am Freitagabend möchte der fünfmalige Nationalspieler dagegen nichts sagen. Seinen eigenen Kopf hat der U-21-Europameister von 2009 ohnehin schon länger. Auf der Position des rechten Verteidiger etwa, wo er in Leverkusen bis 2013 spielte, sah er in der Nationalelf seine Zukunft nicht. So verbaute er sich unter Joachim Löw möglicherweise eine größere Karriere. Viel gespielt hat Gonzalo Castro dennoch. Am Freitag winkt ihm mit dem VfB nun die Profipartie Nummer 487.

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