Mario Gomez trifft zum 1:0 gegen Arminia Bielefeld – das reichte dem VfB Stuttgart aber nicht zum Sieg. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hat den Sechs-Punkte-Rückstand auf Arminia Bielefeld nicht verkürzen können und will nun Rang zwei in der zweiten Liga ins Ziel retten. Im Topspiel gab es einen Grund für die verspielte Führung.

Stuttgart - Es war angerichtet für den VfB Stuttgart. Das Stadion trotz der Corona-Diskussionen mit über 54 000 Zuschauern besetzt, den Zweitliga-Spitzenreiter bis dahin weitestgehend unter Kontrolle – und dank einer verdienten 1:0-Führung auf dem Weg zum Big Point im Rennen um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Doch aus dem so wichtigen Heimsieg gegen Arminia Bielefeld wurde dennoch nichts. Weil den VfB plötzlich der Mut verließ.

Die Folge: Die Gäste schöpften noch mal Hoffnung, wechselten offensiv, erhöhten den Druck, nutzen die plötzliche Stuttgarter Passivität und Unordnung – und retteten durch das 1:1 (Liveticker zum Nachlesen) ihren Sechs-Punkte-Vorsprung auf den VfB, der sich wenigstens wieder am Hamburger SV vorbei auf den zweiten Rang schob. Aber eine große Chance verpasst hatte. „Das ist zu wenig, ganz klar“, sagte VfB-Profi Gonzalo Castro, „wir haben wieder ein bisschen die Kontrolle verloren.“

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So wirklich gut hatte der Abend für den VfB schon nicht angefangen. Bereits vor der Partie war klar, dass zwei Akteure, die entscheidenden Anteil am 1:0-Erfolg im Hinspiel hatten, gar nicht mitwirken können. Torjäger Hamadi Al Ghaddioui hat sich eine Entzündung am Unterschenkel eingefangen, Philipp Förster lag mit einer Mandelentzündung flach. Die beiden Offensivspieler also fielen aus – Neues gab es derweil von der Defensivabteilung.

Badstuber kehrt zurück

Wie erwartet rückte Holger Badstuber in die Startelf. Weil der VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo auf eine Vierer-Abwehrkette umstellte, musste Atakan Karazor weichen. Der beim 0:2 in Fürth noch unsichere Nathaniel Phillips durfte erneut von Beginn an ran – und hatte gemeinsam mit Badstuber zunächst richtig viel zu tun. Allerdings auf andere Art und Weise als gedacht.

Die Arminia reiste zwar mit Toptorjäger Fabian Klos und einer starken Offensive an, die Stuttgarter Innenverteidiger waren aber eher im Spielaufbau gefordert. Weil die eigene Offensive kaum Lücken in der kompakten Bielefelder Abwehr fand und sich durch Ungenauigkeiten immer wieder selbst im Weg stand, suchte das VfB-Team immer wieder den Umweg durch die eigene Hälfte. Das zeigte: Ein Spektakel war das Spitzenspiel der zweiten Liga nicht.

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Bis auf eine Chance von Mario Gomez (3.) kam der VfB in Hälfte eins zu kaum einer weiteren gefährlichen Aktion vor dem Tor der Gäste. Doch auch die Arminia konzentrierte sich auf das taktisch geprägte Spiel mit dem Ziel, nie die Kontrolle zu verlieren. Doch genau dies passiere in der 53. Minute.

Gomez trifft per Kopf

Der VfB war nach der Pause ein wenig offensiver geworden, störte den Spielaufbau der Arminia früher. Das zeigte Wirkung. Die Bielefelder ließen erst Orel Mangala zuviel Platz zum Passen, dann Nicolas Gonzalez zu viel Raum für eine Flanke – und Joakim Nilsson hatte nicht wirklich mitbekommen, dass sich Mario Gomez entscheidend abgesetzt hatte. Der Ex-Nationalspieler hatte dann keine Probleme, den Ball einzunicken. Doch das war noch lange nicht der Sieg.

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Die Gastgeber nämlich wirkten auf einmal seltsam passiv, statt den kurz geschockten Gegner weiter zu beschäftigen. Der Trainer unternahm den Versuch, das System wieder zu stabilisieren, doch die Herausnahme des bis dahin einzigen echten Stürmers (Mario Gomez) und die Einwechslung von Atakan Karazor samt Umstellung auf eine Fünferkette, wirkte zumindest nicht wie eine selbstbewusste Antwort auf den größer werdenden Druck der Gäste. Am Ende führte die Idee nicht zum Erfolg.

Drei wichtige Spiele stehen nun an

Erst hatte Klos zwei Kopfballmöglichkeiten, in der 76. Minute war der eingewechselte Cebio Soukou zur Stelle. Der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat wollte zwar ein „klares Foul“ an Pascal Stenzel erkannt haben. Doch ein Pfiff war ausgeblieben, der Stürmer traf zum Ausgleich – und den VfB damit empfindlich. Direkt vor den entscheidenden Wochen.

Am Sonntag tritt der VfB beim SV Wehen Wiesbaden an, am darauffolgenden Samstag bei Holstein Kiel, am 6. April kommt der Hamburger SV nach Stuttgart. Drei Spiele, die die Stuttgarter in der Hinrunde allesamt verloren hatten. Das sollte aus Sicht der Stuttgarter nun nicht noch einmal passieren. „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, werden wir am Ende Zweiter“, sagte Sven Mislintat, der Rang eins schon an die Arminia vergeben sieht. Viele Chancen sollte sein Team in den letzten neun Spielen aber nicht mehr auslassen.

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