Jubeln oder ärgern? Das Team des VfB Stuttgart wusste nach dem 3:3 gegen den 1. FC Heidenheim nicht so recht. Foto: Baumann/Volker Müller

Der VfB Stuttgart hat gegen den 1. FC Heidenheim einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben. Nun muss das Team schnell lernen, mit der Euphorie, die es selbst auslöst, noch besser umzugehen, kommentiert unser Autor Dirk Preiß.

3:3 gewonnen oder 3:3 verloren? Stimmt: Geht beides nicht. Doch hat dieses Heimspiel des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Heidenheim eben verschiedene Gefühlswelten geöffnet. Und am Ende waren alle Beteiligten bemüht, das Positive darin zu sehen.

 

Die Heidenheimer hatten trotz eines 0:2 ein Spiel gedreht und einen Punkt geholt – es war der vierte in dieser Saison gegen den VfB. Und die Stuttgarter dürften sich immerhin freuen, dass die Partie am Ende nicht ganz in die Hose gegangen war. Dieser eine Punkt, sichergestellt in den letzten Sekunden der Nachspielzeit, sei wichtig, meinte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Für Moral und Tabelle.

Tatsächlich hat der VfB dieser Spielzeit 2023/2024 jedes Recht dazu, auch mal einem 3:3 gegen einen Aufsteiger (Liveticker und Statistiken) etwas Positives abzugewinnen. Zumal mit Blick auf das fünftplatzierte Team von RB Leipzig tatsächlich wichtig war, den Abstand bei mindestens sieben Punkten zu halten. Der Trainer und das in Teilen nach wie vor sehr junge Team tun aber auch gut daran, sich die Gründe dafür anzuschauen, weshalb die Partie noch gekippt war.

Die Euphorie ist groß rund um den VfB Stuttgart

Sieht man von den vereinsinternen Querelen ab, herrscht um den Club derzeit eine riesige Euphorie. Das merkt man am Ticketverkauf, den Mitgliederzahlen und den Umsätzen im Fanshop. Man merkt es aber auch an der Stimmung, wenn der VfB mal wieder dominant agiert und in Führung liegt. Sehr schnell macht sich eine Stimmung breit, die aus der Lust auf Party, dem Gefühl der Unbesiegbarkeit und der Aussicht auf internationale Reisen in der kommenden Saison genährt.

Diese Stimmung darf sein – sie darf sich aber nicht auf die Mannschaft übertragen. Zumindest nicht, ehe das Tagwerk erfolgreich erledigt ist. Am Ostersonntag konnte man durchaus das Gefühl bekommen, das Team hat sich zu sehr anstecken lassen von der Atmosphäre im erstmals wieder voll besetzten Stadion.

Dabei ist es wichtig, sich weiter zu besinnen, denn die Chance auf ein ganz besonderes Ergebnis am Ende dieser Saison ist so groß wie nie, das Restprogramm mit Partien bei Borussia Dortmund, in Leverkusen und gegen den FC Bayern aber anspruchsvoll. Personelle Probleme – beim BVB fehlt in Waldemar Anton der nächste Innenverteidiger gesperrt – erfordert nicht nur Improvisationskunst, sondern auch bedingungslosen Einsatz der Einsatzfähigen.

Die Europapokalteilnahme ist quasi fix durch den Punkt gegen den 1. FC Heidenheim, die Königsklasse weiter möglich. Da lohnt es sich, die Party zumindest auf dem Platz noch ein bisschen aufzuschieben – damit am Ende so richtig gefeiert werden kann.