Im Trainingslager darf sich der VfB-Nachwuchs beweisen Foto: Baumann

Wesentlich verändert hat sich das Gesicht des VfB gegenüber der Vorsaison nicht. Aber einige Spieler aus der zweiten Reihe klopfen ans Tor zur ersten Mannschaft. Das neue Spielsystem könnte die eine oder andere Überraschung bereithalten.

St. Gallen - Der zweite Anzug sitzt – so lautete eine der Erkenntnisse, die VfB-Trainer Alexander Zorniger aus dem letzten Testspiel gegen den VfR Aalen mit ins Trainingslager nach St. Gallen nehmen konnte. Nach der Pause drehte der Nachwuchs auf, erzielte das Siegtor – und zeigte den Arrivierten eine lange Nase. „Sie haben es viel besser gemacht“, lobte Zorniger seine zweite Garde und kritisierte die Stammkräfte. „Da wurde mir zu viel verwaltet.“

Ihr Spiel war ihm zu langsam, zu behäbig. Erst einmal nur eine Momentaufnahme, mehr nicht. Doch auch die ersten Tage von St. Gallen zeigen, dass sich die Noch-Ergänzungsspieler mit ihrer Rolle nicht zufriedengeben wollen. Einigen ist mehr zuzutrauen als nur ein Platz auf der Bank oder in der zweiten Mannschaft.

Ein Überblick:

Stephen Sama: Viele erinnert Sama mit seiner Spielweise an Antonio Rüdiger, mit dem der 22-jährige Innenverteidiger befreundet ist. Nach wie vor ist die zentrale Defensive spärlich besetzt. Sollte Rüdiger den VfB verlassen und die Verpflichtung von Hector Moreno scheitern, könnte Samas Stunde schlagen – wie vergangene Saison bei Timo Baumgartl, der sich vom VfB II direkt in die Viererkette der Profis spielte. „Stephen macht sich vor allem im Eins-gegen-eins sehr gut“, lobt Zorniger.

Lukas Rupp: Der Neuzugang vom SC Paderborn ist die klassische Allzweckwaffe. Im Mittelfeld kann er jede Position bekleiden. Gegen Aalen trat er durch seinen sehenswerten Siegtreffer erstmals nennenswert in Erscheinung. Sein Vorteil: Als spiel- und laufstarker Antreiber passt er genau in Zornigers Anforderungsprofil. Den Ball nach der Eroberung direkt in die Spitze zu spielen, beherrscht der 24-Jährige im Trainingslager schon sehr gut. Auch mannschaftsintern genießt Rupp bereits einen hohen Stellenwert. „Ich will mich hier unbedingt durchsetzen“, sagt der Heidelberger.

Kevin Stöger: Nach zwei erfolgreichen Lehrjahren in der zweiten Liga beim 1. FC Kaiserslautern ist der Österreicher nah dran an der ersten Elf. Sportvorstand Robin Dutt wollte den spielstarken und variabel einsetzbaren Ballverteiler unbedingt zurückhaben. Hinsichtlich Tempohärte muss der 21-Jährige noch dazulernen – anders als vor seiner Leihe in die Pfalz bekommt er dieses Mal aber sicher seine Chance beim VfB. Beim in der Mannschaft beliebten Brettspiel Blöffen hat er sie bereits genutzt.

Arianit Ferati : Der nur 1,68 Meter große Mittelfeldspieler gilt als vielleicht größtes VfB-Talent. In den Testspielen musste er als rechter Außenverteidiger ran, was Dutt lapidar begründete: „In der Ausbildung gehört das dazu.“ Der 17-Jährige durfte bereits im vergangenen Sommer die Vorbereitung mitmachen und hat seither viel dazugelernt, wie es heißt. Auch dem pfeilschnellen Juniorennationalspieler dürfte Zornigers Tempofußball entgegenkommen.

Mart Ristl: Beim VfB loben sie die Zuverlässigkeit und den Ehrgeiz des 19-Jährigen, der zwischen den Strafräumen jede Position einnehmen kann. Nicht umsonst stattete ihn Dutt vor der Saison mit einem Profivertrag aus. Allerdings ist das Angebot an Mittelfeldspielern seines Typus beim VfB recht groß.

Vor demselben Problem steht Marvin Wanitzek (22). Torhüter Odisseas Vlachodimos (21) ist nur aufgrund der Verletzung von Mitch Langerak vorübergehend die Nummer zwei, wird sich aber wohl bald mit der Rolle als Nummer drei bescheiden müssen. Philip Heise (24) hat Emiliano Insua vor der Nase; Jan Kliment (21) konkurriert mit Timo Werner, der seinen Platz in der ersten Elf ebenfalls nicht sicher hat. Jerome Kiesewetter (22) hat seinen Rhythmus im neuen System noch nicht ganz gefunden.

Zur zweiten Garde gehört streng genommen auch Alexandru Maxim (25), der unter Zorniger weiter hinter Daniel Didavi zurückstecken muss. Von Dutt erfährt er hohe Wertschätzung, wenn dieser beteuert, den rumänischen Nationalspieler nicht abgeben zu wollen. Didavi macht sich ebenfalls für sein Pendant im offensiven Mittelfeld stark. „Es heißt immer er oder ich. Dabei würde ich gerne gemeinsam mit ihm spielen.“ Es dürfte spannend zu beobachten sein, inwieweit Zorniger die beiden Techniker in sein System integrieren kann oder will.

Florian Klein, einer aus der „alten Garde“, hat seine eigene Meinung dazu: „Eine gute Technik ist im neuen System gar nicht so entscheidend.“ Der Österreicher ist sich sicher: „Erst im Laufe der Saison wird sich zeigen, wer wie gut damit zurechtkommt. Es wird garantiert Überraschungen geben.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: