Lässt sich vom Publikum und seinem VfB-Kollegen Serhou Guirassy (re.) feiern: VfB-Torschütze Tanguy Coulibaly nach seinem verwandelten Elfmeter. Foto: Baumann

Der junge Franzose zeigt gegen Borussia Mönchengladbach Nervenstärke – und setzt die perfekte Serie des VfB vom Elfmeterpunkt fort. Kommt es zu Gesprächen über eine Vertragsverlängerung?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es dauert, bis am Mittwochabend der zweite Pokalfinalist feststeht. Der Ausgang des Duells zwischen dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt scheint ziemlich offen zu sein, nur eines ist sicher: Wenn es zu einem Elfmeterschießen kommen sollte, darf der Gastgeber optimistisch sein. Weil die VfB-Profis nicht nur erfolgreich geübt haben – sondern auch ziemlich nervenstark sind. Tanguy Coulibaly hat dies gegen Borussia Mönchengladbach eindrucksvoll bewiesen.

 

Nach einem Foul von Ko Itakura an Tiago Tomas gab es nicht nur die Rote Karte für den Gladbacher, sondern auch Strafstoß für den VfB (83.). Und einen kurzen Moment der Unsicherheit bei Sebastian Hoeneß. Denn Serhou Guirassy und Silas Katompa, die eigentlich vorgesehenen Schützen, standen zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Feld. Doch nachdem sich Tanguy Coulibaly voller Selbstvertrauen den Ball geschnappt hatte, beruhigten Guirassy und Enzo Millot an der Seitenlinie ihren Trainer. „Sie sagten: Mach’ Dir keine Sorgen, Coach“, erklärte Hoeneß hinterher, „Tanguy hat im Training jeden reingehauen.“

Und der 22-jährige Franzose behielt auch im Spiel die Nerven. Obwohl der Druck enorm war, weil der VfB die drei Punkte im Kampf gegen den Abstieg unbedingt benötigte, verlud er Torhüter Jonas Omlin und schob den Ball in aller Ruhe zum 2:1-Siegtreffer ins linke Eck. „Das war enorm wichtig“, lobte Hoeneß seinen Einwechselspieler, „und es war überragend cool.“

Dazu passend titelte das ZDF-Sportstudio: „Cool, cooler, Coulibaly!“

Es war folglich keine Überraschung, dass sich nicht nur die Fans des VfB fragten, ob es die richtige Entscheidung ist, den am Ende der Saison auslaufenden Vertrag des jungen Stürmers nicht zu verlängern und ihn somit ablösefrei ziehen zu lassen. Auch Fabian Wohlgemuth wurde in der Mixed-Zone mit diesem Thema konfrontiert – schließlich hatte Coulibaly nach seinem Jubel-Salto auch noch demonstrativ das VfB-Wappen auf dem Trikot geküsst. „Ich will Vertragsverlängerungen nicht an verwandelten Elfmetern festmachen“, entgegnete der Sportdirektor des VfB, „da gehört dann schon eine längere Strecke von konstanten Leistungen dazu – was jetzt aber nicht heißt, dass Tanguy nicht konstant war in den letzten Spielen.“ Klarheit? Hört sich irgendwie anders an.

Makellose Bilanz des VfB bei Elfmetern

Allerdings, so ehrlich muss man sein, ist die Zukunft von Coulibaly beim VfB derzeit nicht die Angelegenheit mit der höchsten Priorität. Vielmehr geht es vor allem darum, im Kampf gegen den Abstieg weiter zu punkten. Und ins Pokalfinale einzuziehen. In beiden Fällen ist es kein Schaden, in einem Punkt Bundesliga-Spitze zu sein: Kein Konkurrent ist in dieser Saison vom Elfmeterpunkt erfolgreicher!

Vor Coulibaly hatten bereits Serhou Guirassy zum 2:2-Ausgleich beim FC Bayern (90.), Silas Katompa zur 1:0-Führung (3.) beim 4:1-Heimsieg gegen den VfL Bochum und Chris Führich beim 1:2 in Leipzig (68.) getroffen. Nun gab es gegen Borussia Mönchengladbach unter dem vierten Trainer durch den vierten Schützen den vierten verwandelten Strafstoß – was für eine ungewöhnliche Serie. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Dan-Axel Zagadou bereits seinen dritten Elfmeter in dieser Saison verursacht hat und die VfB-Torhüter Fabian Bredlow und Florian Müller keinen der fünf gegen den VfB gepfiffenen Strafstöße gehalten haben.

Kein Wunder also, dass die VfB-Profis vergangene Woche im Training etliche Elfmeter geschossen haben. Nicht zur Strafe, nur zur Übung – vor allem auch mit Blick auf das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt. Die Ausbeute stimmte zuversichtlich: Sollte es nötig sein, werden sich am Mittwochabend fünf nervenstarke Schütze finden lassen. Das ist ziemlich sicher.