Neuer Offensivgeist: Khalid Boulahrouz greift beim VfB an. Ob er bei den Roten einen neuen Vertrag bekommt, steht noch in den Sternen. Klicken Sie sich durch die Karriere des Niederländers. Foto: dapd

Der Verteidiger entwickelt ungeahnte Qualitäten in der Offensive. Aber seine Zukunft beim VfB ist offen.

Stuttgart - Der Fußball hat schon einige Flankengötter auf Rechtsaußen hervorgebracht. Der legendäre Rüdiger Abramczik war so einer, Manfred Kaltz mit seinen berühmten Bananenflanken ein anderer, und auch ein gewisser David Beckham hat es öfters geschafft, ein paar knifflige krumme Dinger vors Tor zu schlagen. Khalid Boulahrouz hat sich bisher eher weniger empfehlen können für diese Ahnengalerie. Den Begriff Flankengott brachte mit ihm irgendwie niemand in Verbindung.

Der frühere Innenverteidiger Boulahrouz (30) galt eher als Mann fürs Grobe – bis zum vergangen Freitag und dem Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim. Der Rechtsverteidiger des VfB bereitete da mit zwei maßgenauen, eleganten Hereingaben von rechts die beiden Tore durch Vedad Ibisevic vor. Und die Flanke vor dem 2:0, sie flog fast so herrlich verzwirbelt und krumm vor den Kasten wie anno dazumal, bei Bananenflanker Manni Kaltz.

Für die meisten Experten kamen die punktgenauen Zuspiele des Niederländers etwas überraschend – nicht aber für VfB-Trainer Bruno Labbadia. „Ich habe schon mehrmals gesagt, er ist besser, als viele ihn sehen. Er hat eine gute Technik und ist schnell“, sagt der Coach, „er braucht nur Mut.“ Den hatte Boulahrouz in Hoffenheim.

Bobic lobt Boulahrouz

Und wenn er den auch in den nächsten Wochen aufbringt und zudem in der Abwehr sicher steht, drängen sich Fragen auf: Verlängert der VfB den im Sommer auslaufenden Vertrag doch noch? Und kann er auf Boulahrouz in Topform überhaupt verzichten?

Klar ist, dass der Rechtsverteidiger Abstriche bei seinem Gehalt machen müsste. Aktuell gehört er mit geschätztem Jahreseinkommen von 3,5 Millionen Euro zu den Topverdienern – der VfB Stuttgart aber muss sparen und sein Gehaltsvolumen auf 40 Millionen herunterfahren.

Manager Fredi Bobic sagt, dass „Boula seine Sache gut macht“. Er erwarte aber von jedem Spieler, dass er seinen Job bis zum Schluss professionell erledige. Bis zum Schluss? Bobic’ Aussage klingt verdächtig nach Abschied. Boulahrouz meint jetzt, dass man alles respektieren müsse: „Wenn vom Verein kein Signal kommt, ist es eben so, deshalb muss ich nicht nervös werden.“

Das muss aber vielleicht der VfB – denn auf der Rechtsverteidigerposition könnten die Roten den niederländische Nationalspieler, der 2008 für fünf Millionen Euro vom FC Chelsea nach Stuttgart wechselte, auch in Zukunft womöglich noch ganz gut gebrauchen. Als Stammspieler – oder zumindest als Ersatz für den Mann, der eventuell für ihn die Position hinten rechts einnimmt.

Kandidat Chandler im Formtief

Dabei fällt immer wieder der Name Steffen Lang (18), der vor dieser Saison wie sieben andere Jungprofis einen langfristigen Vertrag erhielt und bisher auf 16 Saisoneinsätze in der dritten Liga beim VfB II kam. Zuletzt aber setzte ihn Trainer Jürgen Kramny oft als Linksverteidiger ein, was nicht unbedingt dafür spricht, dass Lang schon im nächsten Jahr auf der Rechtsverteidigerposition in der Bundesliga Fuß fassen könnte.

Ein anderer Kandidat für die Stelle hinten rechts ist US-Nationalspieler Timothy Chandler (21) vom 1. FC Nürnberg – doch der befindet sich seit Wochen im Formtief und spielt nicht mehr hinten rechts, sondern als Außenstürmer. Gut möglich, dass das Interesse des VfB an Chandler bald erlischt, zumal im Sommer eine Ablöse fällig wäre. Chandlers Vertrag läuft bis 2013.

Khalid Boulahrouz wird all das sorgsam beobachten – er möchte sich auf dem Platz für einen neuen Vertrag empfehlen: „Der Trainer will, dass ich mich ins Spiel nach vorne einschalte und den Raum vor mir nutze.“ Wenn ihm das so gelingt wie in Hoffenheim, ist der neue Kontrakt beim VfB keine Utopie mehr.

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