Beim VfB Stuttgart wechseln ständig die Startformationen. Das bringt nicht nur vor der wichtigen Bundesligapartie in Augsburg Probleme mit sich – weshalb bestimmte Fußballprofis besonders gefordert sind.
Stuttgart - Der Masterplan stand von Anfang an. Und er war gut. Mit einer stabilen Mittelachse wollte der VfB Stuttgart die Fußballsaison angehen, seinen Weg in der Bundesliga fortsetzen. Vor dem Torhüter Florian Müller sollten vor allem Waldemar Anton in der Abwehr, Wataru Endo und Orel Mangala im Mittelfeld sowie Sasa Kalajdzic im Angriff der Mannschaft Halt und Sicherheit geben. Doch dann kam schon früh die Realität: Verletzungen, positive Coronatests, Sperren. Pellegrino Matarazzo war ständig gezwungen, sein Team umzubauen. „Die hohe personelle Fluktuation in den Startformationen begleitet uns bisher“, sagt der Trainer, der nicht über die dauernden Ausfälle klagen will.
Doch wenn eine Elf nicht zusammenspielt, dann kann sie sich auch nicht einspielen. Es fehlt an Automatismen und Abläufen. Das zeigt sich beim VfB vor den beiden wichtigen Bundesliga-Partien am Sonntag (15.30 Uhr) beim FC Augsburg und am folgenden Samstag gegen Arminia Bielefeld.
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Als wegweisend kann man die Begegnungen mit den potenziellen Abstiegskandidaten bezeichnen, da die Stuttgarter Fußballer sich in der Tabelle entweder etwas absetzen können oder selbst abrutschen. Schlüsselspiele also, in denen besonders Schlüsselfiguren gefordert sind.
Anton/Mavropanos Der Abwehrchef Waldemar Anton ist zurück. Nach einer Corona-Zwangspause und einem Teileinsatz im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln (0:2). „Er ist heiß und brennt auf das Spiel“, sagt Pellegrino Matarazzo. Der Trainer schätzt nicht nur dessen Mentalität und Zweikampfstärke, sondern ebenso Antons Führungsqualitäten – auf dem Platz. Denn außerhalb gehört der 25-Jährige zu den Stillen. Ohne große Worte und wilde Gesten versucht der Innenverteidiger mit Leistung voranzugehen. Das hilft seinen Nebenleuten und der gesamten Mannschaft.
Anton, der in der Vorsaison zu den Dauerbrennern zählte, hat bereits drei Ligapartien verpasst. Wegen der Covid-19-Infektion und einer Rotsperre. Hiroki Ito hat ihn im Abwehrzentrum gut vertreten. Weshalb sich der Trainer wohl überlegen muss, ob er in Augsburg auf die Dreierkette der Vergangenheit mit Anton, Konstantinos Mavropanos und Marc Kempf setzt oder in Zukunft mehr auf Ito statt auf Kempf baut.
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Der Japaner spielt feiner, Marc Kempf dagegen robuster und mit starkem Offensivkopfball (drei Tore). „Waldemar Anton hat gute Chancen, in der Startelf zu stehen“, sagt Matarazzo, da der Abwehrspieler mit seinen scharfen Pässen wichtig für die Spieleröffnung über das Zentrum ist. Zudem soll er mit dem bärenstarken Mavropanos hinten wieder eine feste Größe bilden.
Endo/Mangala Das Mittelfeldduo gilt als eines der stärksten in der Bundesliga. Theoretisch. Praktisch haben Wataru Endo und Orel Mangala in dieser Runde nicht häufig zusammengespielt. Weil Mangala lange verletzt war. Der Belgier kam erst am vierten Spieltag zu seinem ersten Einsatz – über 20 Minuten. Danach wurde er Schritt für Schritt weiter aufgebaut, bis ihn ein positiver Coronatest erneut bremste. Die Selbstverständlichkeit, mit welcher er und Endo in der Vorsaison das Mittelfeld oft kontrollierten, hat sich so noch nicht eingestellt. „Gegen die Kölner hat er wieder gezeigt, welchen Wert er für die Mannschaft hat“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo. Zumindest so lange, bis er müde wurde.
Mangala bietet dem VfB mit seiner Ballsicherheit eine Anspielstation mehr, wenn von hinten aufgebaut wird. Er kann mit dem Ball am Fuß in beide Richtungen aufdrehen und sich behaupten. Wie fundamental das ist, hat sich gezeigt, als der 23-Jährige nicht dabei war. Da konzentrierte sich viel auf Endo, zu viel – vor allem bei den Gegnern. Sie wussten, dass sie den Kapitän zustellen mussten, um das Aufbauspiel entscheidend zu stören. Mit Mangala ist das Spiel ein anderes. Jedenfalls, wenn er sich in Form befindet.
Marmoush/Faghir Omar Marmoush wird in Augsburg fehlen, und das ist ein Problem. Denn zuletzt trat der VfB Stuttgart ganz ohne Mittelstürmer an. Der Versuch mit Mateo Klimowicz als falscher Neun funktionierte leidlich. Nach der Rochade mit Tanguy Coulibaly wurde es nicht besser – und Wahid Faghir kommt nicht über die Rolle des Jokers hinaus. „Er ist noch nicht so weit, dass er über 60 Minuten marschieren kann“, sagt Pellegrino Matarazzo. Das ist für den Coach die Voraussetzung, um von Anpfiff weg aufgestellt zu werden. Demnach bleibt nur die Option, den 18-Jährigen einzuwechseln.
Faghirs Stärke liegt im Strafraum. Ebenso ist dies das Stammrevier von Sasa Kalajdzic, der sich zudem gut in das Kombinationsspiel einbinden lässt. Dank seiner Körpergröße gehört der 24-Jährige zu den besten Kopfballspielern der Liga. Nun muss der VfB schauen, dass sich die Neuverpflichtungen Marmoush und Faghir die Aufgaben des verletzten Österreichers teilen. Zumal der Masterplan nie vorsah, dass Hamadi Al Ghaddioui den Zielspieler gibt. Er war der Plan B – wie Brechstange. Aber zurzeit dürfte dem VfB jedes Mittel recht sein, um zu punkten.