Anfangs bremst der VfB-Kapitän Waldemar Anton (rechts) den Leipziger Lois Openda noch aus. Später gibt es kein Halten mehr. Foto: AFP/RONNY HARTMANN

Anfangs läuft beim VfB in Leipzig vieles gut. Doch nach fünf Gegentoren in 25 Minuten ist alles vorbei und die Stuttgarter suchen nach Erklärungen.

Da stand er nun. Enttäuscht wie die anderen Spieler des VfB Stuttgart. Doch Waldemar Anton kannte dieses Gefühl ja schon, weil er bereits vor zwei Jahren im Angriffswirbel von RB Leipzig mit untergegangen war. 0:4 hieß es damals, als der Abwehrchef und seine Mitstreiter in der RB-Arena verloren, jetzt 1:5 – und wieder ging es mit den Gegentoren sehr schnell.

 

„In der ersten Hälfte haben wir es mit und gegen den Ball sehr gut gemacht. Dann bekommen wir ein Gegentor, danach ist irgendwas in der Mannschaft passiert, das wir analysieren müssen. Wir sind nicht mehr hundert Prozent in die Zweikämpfe gegangen, haben es RB Leipzig zu leicht gemacht“, sagte Anton und versuchte zu fassen, was erst einmal nicht zu erklären war.

Schlag auf Schlag

Die Gastgeber benötigten lediglich 25 Minuten, um die Begegnung zu drehen. 1:0 hatten die Stuttgarter durch das Tor von Serhou Guirassy geführt (35.). Vieles machte die VfB-Elf bis zu diesem Zeitpunkt gut. Die Spielanlage passte und mutig ging es nach vorne. Doch mit dem ersten Gegentor durch Benjamin Henrichs (51.), als sich der VfB-Torwart Alexander Nübel und zuvor Dan-Axel Zagadou nicht geschickt anstellten, war es vorbei mit der weiß-roten Herrlichkeit.

Schlag auf Schlag ging es anschließend, da die Gäste dem Dauerdruck nicht mehr standhielten. Dani Olmo (63.), Lois Openda (66.), Kevin Kampl (74.) und Xavi Simons (76.) trafen. Die roten Bullen hatten den VfB schlichtweg überrannt. „Das war schon beeindruckend, welche Wucht die Leipziger entwickeln können“, sagte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.

Den Stuttgartern mangelte es dabei an der Widerstandsfähigkeit, die RBL-Coach Marco Rose seinem Team attestierte. Je mehr gegen die Leipziger an diesem Abend lief, desto entschlossener zeigten sie sich. Sie waren nicht gewillt, nach der Auftaktniederlage in Leverkusen auch die zweite Partie in der neuen Bundesligasaison zu verlieren. Den Schiedsrichterentscheidungen zum Trotz, da sich die Gastgeber durch den Videoassistenten benachteiligt fühlten.

Gleich vier Szenen wurden aus dem Kölner Keller bewertet. Teilweise dauerte es Minuten, ehe Klarheit herrschte. Rose erneuerte deshalb seine Kritik an den langen Abläufen: „Es ist mein altes Lied“, sagte der Coach, der sich über ein mögliches Foul im Strafraum von Guirassy an Willi Orban (45.) echauffierte und nach einem Wutausbruch beim Halbzeitpfiff die Gelbe Karte sah.

Marco Rose äußert Kritik

„Da wird fünf Minuten gesucht, ob es vorher ein Foul von Yussuf Poulsen an Serhou Guirassy gab. Entweder ich sehe nach zehn Sekunden keine klare Fehlentscheidung, dann ist es okay“, meinte Rose, „aber fünf Minuten zu gucken und dann den Schiedsrichter nicht rauszuschicken, um sich das selber noch einmal anzuschauen. Das ist das, was mich auf die Palme bringt.“

Der Unparteiische Frank Willemborg verzichtete darauf, sich am Bildschirm zu vergewissern. Der Elfmeterpfiff blieb aus und auch später wurde ein Tor der Leipziger nicht anerkannt. Doch die Stuttgarter wussten dies nicht für sich zu nutzen – und die Dynamik des Spiels noch einmal zu drehen.